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Drug Checking Der Staat als Drogenchecker

Konsumenten von Partydrogen sollen ihre Pillen auf Inhaltsstoffe testen lassen. Das Modellprojekt in Frankfurt und einer weiteren Stadt will Gesundheitsschäden mindern.

Nachtklub
Gefahren im Club: Den Verfechtern der Tests geht es darum, das gesundheitliche Risiko für junge Konsumenten zu verringern. Foto: istock

In Zürich und Wien gibt es das schon seit Jahren. Jetzt soll es auch in Frankfurt und einer anderen hessischen Großstadt Drug-Checking geben: Konsumenten von Ecstasy und anderen Partydrogen erhalten die Möglichkeit, ihre Pillen auf Inhaltstoffe testen zu lassen. Angedockt an das Angebot ist eine Beratung über den Drogengebrauch.

„Es geht darum, die Risiken zu minimieren“, sagt Marcus Bocklet, sozialpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen. „Wenn unsere Kinder das Zeug schon nehmen, dann sollen sie nicht daran sterben.“ 

Die Vorbereitungen für das im schwarz-grünen Koalitionsvertrag vereinbarte Modellprojekt seien schon weit gediehen, 400.000 Euro im Haushalt für nächstes Jahr eingeplant. Es fehle noch die Ausnahmegenehmigung, dann könne ein Träger gesucht werden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das 2018 hinbekommen.“

Hessisches Sozialministerium gibt sich verhalten

Verhaltenere Töne sind aus dem hessischen Sozialministerium zu hören: „Da verschiedene Rechtsauffassungen zur Realisierung bestehen, werden verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung geprüft“, sagt Sprecherin Esther Walter auf Anfrage. „Das nimmt Zeit in Anspruch.“ Im aktuellen hessischen Suchtbericht ist nachzulesen, in welche Richtung das Projekt zielt: Gesundheitsschäden vermeiden und „wissenschaftliche Daten zur Früherkennung von neuen Trends“ sammeln. 

Die Partyszene könne informiert und beraten werden. Und gewarnt, wenn auf dem Schwarzmarkt etwas Gefährliches im Umlauf ist. Denn anders als bei Medikamenten aus der Apotheke weiß der Konsument nicht, was er schluckt. Die blaue Pille vom vorigen Wochenende kann diesmal ganz andere Substanzen in ganz anderen Dosen beinhalten. 
„Es ist haarsträubend, was da zum Teil beigemischt wird“, sagt Wolfgang Schmidt-Rosengarten, Geschäftsführer der Landesstelle für Suchtfragen, der zum Januar ins hessische Sozialministerium wechselt. 

Wie viele Menschen sich mit psychoaktiven Substanzen aufputschen, ist laut Schmidt-Rosengarten nicht bekannt. „Das sind auch keine Junkies.“ Sondern Partygänger im Alter zwischen 18 und 40, die am Wochenende die ganze Nacht feiern wollen und glauben, dazu einen Kick zu brauchen. Leute, die im Alltag auf ihr Äußeres Wert legen – sich teuer kleiden, ins Fitnessstudio gehen. Menschen also, die auf ihre Gesundheit achteten – „aber trotzdem Pillen nehmen“. Das Drug-Checking biete die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Es erlaubt uns den Zugang zu den ,Party people‘ zu finden.“ 

Für Bocklet ist das geplante Pilotprojekt nichts weiter als eine Fortsetzung des sogenannten Frankfurter Wegs. Eines pragmatischen und akzeptierenden drogenpolitischen Ansatzes, der vielen Kommunen im In- und Ausland als Vorbild diente. Die Einführung von Fixerstuben und die Methadonabgabe hätten die Zahl der Drogentoten drastisch reduziert, sagt Bocklet. 

Auch zum Drug-Checking gebe es bereits Ansätze in Hessen: Der Verein Basis analysiert Drogen – allerdings nur sogenannte legale, die unter Namen wie Badesalz oder Kräutermischung vertickt werden. Und das Alice-Projekt von Basis fährt auf Veranstaltungen, um Konsumenten sachlich über Drogen zu informieren.

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