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Drohnen im Test Drohnen als profitables Geschäft?

Die Lufthansa will bis Ende 2016 herausfinden, ob sie mit Drohnen ein „nachhaltiges und profitables“ Geschäftsfeld entwickeln kann. Zugleich bergen unbemannte Flugobjekte für die Luftfahrt gewisse Risiken.

Die Drohne auf der Landebahn. Foto: Deutsche Lufthansa

Auf der Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens dürfen keine Flugzeuge starten. An einem Samstag im Dezember wurde mit Zustimmung der Deutschen Flugsicherung und des hessischen Ministeriums für Wirtschaft und Verkehr eine Ausnahme gemacht: Ein unbemanntes Flugobjekt, ein sogenannter Octocopter, erhob sich in einem Zweistundenfenster, in dem es keine anderen Flugbewegungen gab, in die Lüfte und filmte unter anderem ein Gebäude der Flughafen-Feuerwehr.

Gesteuert wurde die Kameradrohne vom Boden aus, von einem Piloten mit einer sogenannten UAV-Lizenz – UAV bedeutet Unmanned Aerial Vehicle. Auftraggeber war die Lufthansa.

Bis Ende 2016 wolle die Kranich-Airline herausfinden, ob sie mit Drohnen ein „nachhaltiges und profitables“ Geschäftsfeld entwickeln könne, erläuterte Mirjam Eberts von der Projektgruppe Lufthansa Aerial Services. Es geht vor allem darum Dienstleistungen anzubieten, die einen aufwendigen Einsatz durch den Menschen ersetzen – etwa die Kontrolle von Windkraftanlagen, Gleisstrecken, großen Gebäuden oder auch Start- und Landebahnen.

So könnten auch die Start- und Landebahnen auf dem Frankfurter Flughafen, die jetzt noch mit Fahrzeugen überprüft werden, mit Drohnen überwacht werden. Auch die Vermessung der Flughafentopographie sei denkbar, bestätigte Fraport-Sprecher Dieter Hulick, räumte aber umgehend ein, dass es sich noch um „pure Zukunftsmusik“ handele.

Dabei gibt es sie schon seit einigen Jahren: ferngesteuerte Flugobjekte. Genutzt werden sie militärisch, kommerziell und privat. So begegnete eine Fahrradfahrerin kürzlich auf einer Tour durch Kronberg-Oberhöchststadt zwei etwa achtjährigen Jungen, die freudestrahlend am Feldrand standen und eine Fernbedienung in der Hand hielten. Auf dem Acker, etwa vier Meter über dem Boden, schnurrte eine Drohne in der Luft. Der Fahrradfahrerin wurde bei dem Gedanken, die Drohne könnte den beiden Jungs steuerungstechnisch entgleiten und gegen ihren Kopf prallen, leicht mulmig.

Jeder darf Drohne fliegen

Tatsächlich darf derzeit praktisch jeder eine Drohne kaufen und fliegen – sofern sie ein Gewicht von fünf Kilogramm nicht überschreitet. Der „DJI Phantom 3 Advanced Quadrocopter“ zum Beispiel, der im Internet für etwas mehr als 1000 Euro bestellt werden kann. Zusammen mit seinem Akku wiegt er um die 1,5 Kilo und bringt es auf eine Flugzeit von immerhin zwanzig Minuten – kleinere und billigere Geräte können sich nur wenige Minuten in der Luft halten.

Bis zu 60 Stundenkilometer sei der Advanced Quadrocopter schnell, erläuterte ein Experte in einem Elektronikladen. Die Reichweite seiner Fernsteuerung betrage 2000 Meter. Ausgestattet ist die Drohne mit einer hochauflösenden Kamera, deren Bilder auf dem Smartphone live mitverfolgt werden können – wenn man die entsprechende App heruntergeladen hat. Über eine „Coming-home“-Funktion und das eingebaute GPS-System findet der Quadrocopter den Weg nach Hause – es darf nur nichts im Wege stehen, sonst kommt es zu einer Kollision.

Der Deutschen Fluggesellschaft (DFS) bereiten die neuen Flugobjekte Kopfschmerzen: Die DFS könne die Objekte nicht identifizieren und keinen Kontakt zu den „Piloten“ am Boden aufnehmen, erläuterte DFS-Sprecherin Kristina Kelek und erinnerte an den Vorfall kurz vor Heiligabend, als der österreichische Skifahrer Marcel Hirscher beim Slalom von Madonna di Campiglio nur knapp von einer herabstürzenden Kameradrohne verpasst wurde.

Nicht nur die Flugsicherung, auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sieht Handlungsbedarf. VC-Sprecher Markus Wahl beteuerte im Gespräch mit der FR: „Gegen Drohnen an sich haben wir nichts.“ Aber es gebe Gefährdungspotenziale. Der Pilot eines Rettungshubschraubers könne „so kleine Dinger“ nicht sehen, eine Kollision sei gebenenfalls unvermeidbar. Drohnen seien „extrem leistungsfähig“ und für „relativ kleines Geld“ zu haben. Es sei „extrem viel Aufklärung“ notwendig, um in der Bevölkerung für einen verantwortungsbewussten Umgang zu werben. Tatsächlich, so DFS-Sprecherin Kristina Kelek, seien es nicht die kommerziellen, sondern die privaten Betreiber, die der Flugsicherung Sorgen machten.

Die Politik hat das Dilemma erkannt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant neue Regelungen für die private Nutzung und den gewerblichen Einsatz. Drohnen mit einem Gewicht von mehr als einem halben Kilo Gewicht sollen künftig registriert werden, um im Schadensfall den Eigentümer ermitteln zu können. Flüge in Wohngebieten, über Fernstraßen, Industrieanlagen und Einsatzgebieten der Polizei sollen verboten werden. Wer mit Drohnen sein Geld verdienen will, muss luftrechtliche Kenntnisse vorweisen können.

Die Polizei denkt darüber nach, selbst Drohnen einzusetzen. Das rheinland-pfälzische Innenministerium prüft, ob die Spezialeinsatzkräfte (SEK) solche Fluggeräte bekommen sollen. Dagegen spricht, dass die Minifluggeräte häufig abstürzen. Zudem müssen noch datenrechtliche Aspekte geklärt werden. Im Saarland wurden Drohnen im vergangenen Jahr in einigen Fällen eingesetzt, etwa bei der Suche nach bewaffneten Straftätern.

Die Frankfurter Feuerwehr hat bereits 2013 einen „Aufklärungscopter“ für rund 40 000 Euro angeschafft. Er kann bei Verkehrsunfällen nach Verletzten fahnden, die etwas abseits der Unfallstelle liegen, oder auf dem Main mögliche Ölschlieren verfolgen. „Das kommt billiger als ein Hubschrauber“, sagt Andreas Mohn von der Branddirektion. Allerdings ist das „fliegende Auge“ der Feuerwehr, das übrigens auch mit einem Gasmessgerät ausgestattet ist und Schadstoffkonzentrationen registrieren kann, nach einem Absturz bei einem Übungsflug kaputt. Jetzt werde, so Mohn, nach einem Nachfolgermodell gesucht, das über die neueste Technik verfüge.

Während einige Drohnen schon ihr Einsatzgebiet gefunden haben, wird nicht nur bei der Lufthansa noch viel probiert und experimentiert. Eine Frage ist, ob auch die Paketzustellung durch unbemannte Flugobjekte revolutioniert wird. So testet das Unternehmen DHL auf der Insel Juist im Rahmen eines Pilotprojekts die Versorgung der „Seehund“-Apotheke mit Medikamenten. In einem eigens von der Flugsicherung freigegebenen Luftkorridor flog die mit vier elektrischen Rotoren betriebene Paketdrohne 40-mal vom Festland zur Insel. Nach DHL-Angaben verliefen alle Einsätze störungsfrei – auch bei Dunkelheit, Nebel und Regen. Für die 12 Kilometer lange Strecke wurden im Durchschnitt 16 Minuten benötigt.

Auch der Internetgigant Amazon hat mit den unbemannten Flugobjekten geliebäugelt. Mit achtmotorigen Helikopter-Drohnen sollten Pakete mit einem Gewicht bis zu 2,3 Kilogramm innerhalb von 30 Minuten von den Logistikzentren bis vor die Haustür des Kunden geflogen werden, meldete vor zwei Jahren eine renommierte Tageszeitung, schränkte aber ein, dass mit dem neuen Service „erst in vier oder fünf Jahren“ zu rechnen sei.

Experten haben allerdings ihre Zweifel, dass in Zukunft unzählige Paketdrohnen durch die Straßenschluchten Frankfurts sausen könnten. Dazu gebe es hierzulande viel zu viele Hindernisse, heißt es.

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