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Zu Grzimeks Geburtstag Der Enkel des Feldherrn

Christian Grzimek nimmt den Trubel um den 100. Geburtstag seines Großvaters gelassen. Von Lia Venn

15.04.2009 00:04
LIA VENN
Sessel im Arbeitszimmer Foto: FR/A.Arnold

Am grauen Stein der Villa hängt ein gut gelaunter Igel. Bernhard Grzimeks Wahrzeichen aus Messing glänzt an seinem früheren Wohnhaus im Röderbergweg 168. Enkel Christian führt dort mit seiner Mutter Erika Grzimek das Bild-Archiv Okapia. Bernhard Grzimek hatte seine Schwiegertochter nach dem Tod des Sohnes Michael geheiratet und Christian adoptiert.

Wer einen Termin bei Okapia macht, fragt am Telefon: "Ist Herr Grzimek da?" Und fühlt sich dabei seltsam. Das vergeht aber schnell, wenn Christian Grzimek die Tür öffnet und ins Wohnzimmer bittet, zur Sitzgruppe, auf der auch Bernhard Grzimek saß - der frühere Zoo-Direktor, der am 24. April 100 Jahre alt würde. Sein Enkel zählt nun 49 Jahre und trägt einen Hauch des Großvaters in den Zügen. Auch dessen Disziplin scheint er übernommen zu haben. "Ich reite jeden Morgen um halb sieben zehn Kilometer bei Bischofsheim." Das müsse man so früh und regelmäßig tun, sonst schiebe man das ja ständig auf.

Früh, findet Grzimek, müsse man auch Kindern über Tiere erzählen. Deshalb moderierte er - ein bisschen in den Fußstapfen des Großvaters - die TV-Serie Kibiz. "Schade, dass es solche Sendungen nicht mehr gibt. Fragen Sie ein Kind nach der Farbe eines Hausschweins, sagt es: ,Lila'. Weil die im Comic so aussehen."

Ihm selbst konnte das nicht passieren: Seit er elf Jahre jung war, nahm ihn Bernhard Grzimek bis zum Abitur jedes Jahr drei Monate mit nach Afrika. "Das sei besser als Schule, begründete er beim Kultusministerium, und so war das in der Schule nie ein Problem." Die Prominenz im Leben eines Grzimeks ohnehin sei "ganz normal" gewesen. "Ich hatte wenig Schulwechsel, darum war das irgendwann kein Thema mehr, nur bei neuen Schülern." Grzimek lächelt verschmitzt. "Sie fragten, ob wir zu Hause Tiere hätten und ich erzählte vom Flusspferd." Zwei Jahre später sei einmal eine Schulfreundin zu ihnen nach Hause gekommen "und guckte sich so suchend um, die hatte mir das geglaubt".

Christian Grzimek spricht ruhig, legt mal den Finger an die Stirn, spielt mal mit der Brille und trägt einen Gorilla am Revers. Schließlich ist er Mitglied der von seinem Großvater gegründeten Zoologischen Gesellschaft (ZGF), "Ehrenmitglied sogar", sagt er und schmunzelt.

Gorilla über der Tür

Vieles in seinem Leben wirkt, als habe er als Enkel - und Sohn - Bernhard Grzimeks keine andere Wahl gehabt. Aber das scheint entweder nicht schlimm für ihn zu sein oder nicht zu stimmen. "Mein Großvater hat zum Beispiel auf meine Berufswahl kaum Einfluss genommen. Ich wollte Veterinärmediziner werden, wie er, darauf fragte er nur: ,Und was willst du damit machen? Es gibt ja so viele.'" Auf den Afrika-Reisen hat Christian Grzimek auch schon fotografiert und entschied sich dann für den Beruf des Bilddokumentars. Heute verwaltet er sämtliche Foto- und Filmaufnahmen von Bernhard und Michael Grzimek.

Der Ablauf im Grzimek'schen Hause sei immer "sehr geregelt" gewesen. "Mein Großvater stand früh auf und machte erstmal Gymnastik, danach Blutdruck messen, 13.30 Uhr Mittagessen, 17 Uhr Tee. Im Winter mit Stroh-Rum. Um 23 Uhr war Schlafenszeit." Im Arbeitszimmer von Bernhard Grzimek im ersten Stock steht noch ein Trimmrad. Überhaupt wirkt es, als käme er gleich herein. "Wir haben alles gelassen, wie es war, sogar das Kalenderblatt vom 13. März 1987, seinem Todestag, hängt noch."

Über der Tür zum Nebenraum hängt eine große Gorilla-Maske. Und auf dem Schreibtisch steht noch der Stempel, den er unter jedes Schreiben setzte: Ceterum censeo progeniem hominum esse deminuendam. "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Anwachsen der Menschheit verringert werden muss." Frei nach Cato, der - übersetzt - gesagt haben soll: "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago fallen muss."

Und wie feiert Grzimeks Enkel den 100. Geburtstag? "Oh, gute Frage." Er blättert im jüngsten ZGF-Heft "Gorilla", welche Termine so anstehen. "Also, wenn die Zeit es zulässt, gehen mein Bruder mit Familie, meine Mutter und ich traditionsgemäß miteinander essen." Dann muss er aber los, das Fernsehen wartet im Zoo auf ihn.

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