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Überlebenschancen der Verbindungen Wohin führt das Konzept "Studentenverbindung"

Kann das Konzept "Verbindung" in der aktuellen Form überleben? Verbindungsexperte Prof. Dr. George Turner, ein Aussteiger und der Frankfurter Asta Vorstitz Jonas Erkel antworten.

27.05.2009 17:05
Prof. Dr. George Turner ist selbst Mitglied in einer Studentenvebindung, scheut aber trotzdem nicht, seine Bundesbrüder zu kritisieren. Foto: George Turner

George Turner beobachtet Studentenverbindungen seit seiner eigenen Studienzeit in den 50ern. Dass sich immer weniger Studenten für ein Leben in einer Verbindung entscheiden, wundert ihn nicht, denn die Vorteile in einem Lebensbund sind unter den Studenten längst nicht mehr so gefragt. "Früher haben Studenten weit entfernt von Zuhause gewohnt und mussten in einer Unistadt neu anfangen. Sie mussten sich einen neuen Freundeskreis aufbauen und sich zurechtfinden." Heute gibt es mehr Universitäten. Das habe die Folge, dass viele Studierende am Wochenende zu ihren Eltern fahren.

Jonas Erkel vom Asta in Frankfurt meint aber, dass gerade das nicht zum Problem wird. "Ich fürchte sie werden trotzdem überleben." Deshalb weil junge Menschen oft Gemeinschaften oder Anschluss suchen. "Oder natürlich günstige Wohnungen." Ökonomisch werden sie immer attraktiv sein oder sogar attraktiver werden, denkt Erkel. Außerdem sehe man nicht im ersten Moment, was dahinter stecke. "Die Problematik bleibt vielen verborgen.", so Erkel.

Traditionen hinter sich lassen

Stephan Peters hingegen ist davon überzeugt, dass es für Verbindungen immer schwieriger wird, Traditionen beizubehalten. "Durch die Bachelor/ Master-Umstellung hat kaum ein Student Zeit für Bierspiele oder Ähnliches." Denn das neue System verlange nicht nur mehr Aufwand, die Kontrolle sei dadurch auch stärker geworden. "Wenn man eine Nacht durchtrinkt, kann man nicht am nächsten Tag wieder fit sein und lernen.

Besonders betroffen sind schlagende Verbindungen. "Gerade für das Fechten werden schlagende Verbindungen immer wieder kritisiert." Und das nicht nur wegen des großen zeitlichen Aufwands, meint Turner. Clubähnliche Verbindungen hätten es da leichter, weil zum Beispiel bei Sängerschaften der Aufwand meist sehr viel geringer als bei schlagenden Verbindungen sei. Es werde allerdings schwierig, Traditionen wie diese aus den Verbindungen zu vertreiben. "Wenn man so etwas abschaffen würde, kann man das nie wieder einführen."

Überlebensplan

Doch auch wenn die Verbindungen sich nicht von ihren lieb gewordenen Traditionen trennen wollen, könnten sie laut Turner durchaus andere Maßnahmen ergreifen, um ihr Überleben zu sichern. "Sie müssten sich an die Gegebenheiten der Universitäten anpassen." So würde es laut Turner möglicherweise ausreichen, Abstriche bei dem aktiven Zeiteinsatz zu machen. "Es ist doch klar, dass man, wenn man ein Studium beginnt, keine Lust hat, zusätzlich noch aufwändige Vorstandsaufgaben zu übernehmen."

Außerdem müsse man etwas anbieten, was Studenten sonst nirgendwo finden würden. "Studenten empfinden bestimmte Defizite wenn es um außerfachliche Qualifikationen geht." An den Unis werde nur gelehrt wie man etwas optimiert und den höchsten Gewinn erreiche. "Das ist aber frei von jeglicher Ethik." Diese Einstellungen und Haltungen sollten von Verbindungen vermittelt werden. Nicht in Kursen oder auf Lehrgängen, sonder eher "by the way", spielerisch. "Die kann man natürlich in einer Gemeinschaft besser üben als wenn man sich anonym in der Hochschule bewegt."

Dem stimmt Aussteiger Stephan Peters zu. "Die Corps sind auf einem guten Weg. Die machen Seminare, bei denen die Teilnehmer das lernen, was einem in der Uni nicht beigebracht wird. Sie lernen Softskills wie Rhetorik, Management und vieles mehr."

Eine Möglichkeit mehr Nachwuchs zu bekommen, wäre die Öffnung der Pforten für Frauen. Doch für viele Verbindungsarten steht das nicht zur Diskussion. Generell sei es so, dass Landsmannschaften und Corps es schwieriger hätten, Nachwuchs zu werben. "Aber gerade die Verbindungen sagen: bevor wir uns ändern, machen wir den Laden lieber zu." Andere Verbindungstypen hätten es leichter. "Katholische oder musische Verbindungen haben es leichter, weil sie die Leute über ein zweites Gerüst locken können, die Religion oder die Kunst."

Fazit:

Verbindungen haben eine größere Überlebenschance, wenn sie für Studierende attraktiver werden. Das funktioniert jedoch nur, wenn zeitintensive Traditionen und Chargen entweder ganz abgeschafft werden oder in abgeschwächter Form weiterhin bestehen. Man muss sich abheben und mit besonderen Angeboten locken. Einige Verbindungen bieten mittlerweile Seminare an, in denen Studenten Softskills lernen, die sie an den Universitäten nicht vermittelt bekommen.

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