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Thomas Neger Rucki Zucki ins Parlament

Der neue Mainzer Stadtrat ist um ein prominentes Mitglied reicher: Stimmungssänger Thomas Neger zieht für die CDU ins Parlament ein. Er ist der Enkel von Fastnachts-Legende Ernst Neger. Von Mario Thurnes

10.06.2009 12:06
Mario Thurnes
Thomas Neger ist der Enkel von Fastnachtslegende Ernst Neger ("Humba tätera", "Rucki Zucki", "Heile, Heile Gänsche") Foto: CDU Mainz

Der neue Mainzer Stadtrat ist um ein prominentes Mitglied reicher: Thomas Neger zieht für die CDU in das Parlament ein - er ist der Enkel der Fastnachts-Legende Ernst Neger. Die Wähler wollten das so. Denn eigentlich kandidierte Neger auf einer aussichtslosen Position.

Auf welchem Platz landet ein echter Fastnachter? Natürlich auf der Elf, der närrischen Zahl. Für Thomas Neger ist das ein Riesenerfolg, denn die CDU ließ ihn nur auf Platz 39 antreten. Da braucht es schon Ergebnisse, wie sie auch die CSU in Bayern längst nicht mehr einfährt, um im Parlament vertreten zu sein.

Doch Neger ist in Mainz ein Name. Und Thomas tritt mittlerweile mit den Liedern seines Opas Ernst auf. Als der SWR in der vergangenen Kampagne den beliebtesten Mainzer Fastnachts-Schlager wählte, war Neger gleich mit mehreren Liedern wie Rucki Zucki oder Humba Humba vertreten. Mit "Heile, heile Gänsje" holte er den Sieg.

Die Wähler wollten ihn. In Mainz können sie kommulieren und panaschieren, sich also über die Rangfolge der Partei hinwegsetzen. So stieg Neger vom 39. auf den närrischen Platz elf. Partei-Prominenz wie Walter Konrad, Gerd Eckhardt oder Hannsgeorg Schönig ließ er dabei hinter sich.

Die CDU-Wähler beförderten noch zwei Kandidaten in den Rat, welche die Partei auf einen schlechten Platz gestellt hatte. Stadionsprecher Klaus Hafner kam so von 24 auf vier, Michael Pietsch von 19 auf acht. Der Arzt war das führende Gesicht im Kampf der CDU gegen das geplante Kohlekraftwerk. Im neuen Parlament ist die Partei mit 18 Abgeordneten vertreten.

Noch "grün hinter den Ohren"

"Erst mal war das so nicht geplant", sagt Neger selber zu seinem Erfolg. Er habe deswegen weiter hinten platziert werden wollen, weil er in Sachen Politik "noch grün hinter den Ohren" sei und auch den Etablierten nicht vor die Nase gesetzt werden wollte. Während des Wahlkampf habe er aber Blut geleckt und deswegen freue er sich jetzt über das Votum und trete das Mandat auch an.

Wie das alles werden wird, wisse er noch nicht. Von den 17 anderen Abgeordneten der CDU kenne er einige noch nicht persönlich. Er habe darum gebeten, als Unternehmer sich um Wirtschaft kümmern zu dürfen. Ob das klappt, sei aber noch offen. Die konstituierende Sitzung der Fraktion ist am 29. Juni. Über welche Zusammenarbeit jetzt verhandelt wird, verfolge er bis dahin nur aus der Distanz. Die Grünen hält er aber "für kein Schreckgespenst mehr".

Die Wahl verdanke er wohl ein Stück weit seinem Namen. Die Dachdecker-Firma sei in der Stadt bekannt. Und auch seine Auftritte in der Fastnacht und der 100. Geburtstag seines Opas hätten dazu beigetragen, ihn populärer zu machen. Und: "Ich wollte noch nie heißen."

In der SPD hätte es beinahe ein prominenter Kandidat von einem hinteren Platz in den Rat geschafft. Die Bürger beförderten den Ortsvorsteher der Neustadt, Gerhard Walter-Bornmann von Platz 35 auf 15. Walter-Bornmann gilt in seiner Partei als umstritten, weil er auch mal eine Meinung vertritt, die gegen den Strich der Führung gebürstet ist.

Am Wahlabend standen der SPD noch 15 Sitze zu. Nach Auszählung der panaschierten Stimmen, musste die Partei aber einen Stuhl an die ÖDP abgeben, die so auf vier kommt. Bei der Umweltpartei hievten die Wähler Felix Leinen von sieben auf drei und so ins Parlament. Die Grünen stellte ihr enormer Wahlerfolg vor ein Problem: Kandidaten rutschten rein, die eigentlich gar nicht so dringend ins Parlament wollten. So kandidierte auf Platz 13 Angelika Spautz. Ein hoffnungsloser Platz. Eigentlich.

Doch dank der 21,9 Prozent Stimmen, bringt auch der einen Stuhl im Rathaus. Nur: Den hat Spautz schon. Sie arbeitet nämlich für die Stadt. Und nach rheinland-pfälzischem Recht ist beides nicht miteinander vereinbar. Spautz hat mittlerweile verzichtet, Astrid Becker aus dem Ortsverband Neustadt rückt auf.

Den prominentesten Rausfaller gab es bei der FDP: Zugmarschall Ady Schmelz, früher ein Zugpferd der Liberalen, trat auf fünf an, sechs Sitze holte die Partei. Aber: Schmelz gab als Aufsichtsrat in der Krise der Wohnbau eine extrem schlechte Figur ab. Also degradierten die Wähler ihn runter bis auf Platz acht. Zum Einzug in den Rat fehlten Schmelz am Ende 448 Stimmen.

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