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Robert Maaser Globetrotter, Zocker und Perfektionist

Der 18-jährige Robert Maaser stellt im wenig bekannten Rhönradturnen das Maß aller Dinge dar. Von Katja Sturm

Turnfest, 48. Deutsche Meisterschaften, Rhönradturnen, Finalwettkämpfe, Frankfurt, Bild 6 von 12
Foto: Schick

Robert Maaser ist ein Spieler. Als Einsatz dient ihm sein Körper. Dem verlangt er alles ab. Er konkurriert mit ihm gegen die Schwerkraft, stellt ihn auf den Kopf. Tagtäglich und in immer wieder anderen Variationen. Der Bewegungsdrang, heutzutage vielen Jugendlichen fremd, lässt den 18-Jährigen aus Strausberg, einem 26 000 Einwohner zählenden Ort östlich von Berlin, scheinbar nie los. Vor dem Fernseher, sagt er, sitze er fast nie, vor dem Computer nur, um seine Termine zu koordinieren und seine Verbindungen in alle Welt zu pflegen. Von denen hat der reiselustige Maaser zahlreiche.

Denn auch wenn er einer größeren Öffentlichkeit nicht bekannt ist - in Turnerkreisen ist sein Name ein Begriff. Zwar gehört das Rhönradturnen, die Freizeitbeschäftigung, bei der Maaser am erfolgreichsten ist, auch innerhalb des Deutschen Turner-Bundes (DTB) nicht zu den am meisten geförderten Disziplinen; schließlich ist das aus zwei Reifen und sechs Sprossen bestehende, bewegliche Turngerät nicht olympisch. Aber doch begehrt. Seit Jahrzehnten dürfen die vor mehr als 80 Jahren in der bayerischen Rhön von Otto Feick erfundenen Geräte bei keiner Turnshow fehlen, auch im Zirkus oder Varieté, selbst mit Spikes versehen bei Eisrevuen rollen sie durch das Programm.

Abstecher in die ganze Welt

So hat Maaser, der schon als Jugendlicher zu den besten seiner Zunft gehörte, viele Länder mit seinem Rad erobert, im vergangenen Jahr führte ihn der Weg sogar nach Saudi-Arabien und Kuwait. Auch für die kommenden Monate hat er schon zahlreiche Einladungen in der Tasche, zu denen sicher noch einige dazukommen werden. Denn konnte Maaser bis vor wenigen Tagen nur mit Erfolgen in der Jugendklasse wuchern, in der er bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren immerhin alle für ihn erreichbaren fünf Titel gewann, hat er Gleiches nun auch vor zehn Tagen im schweizerischen Baar bei den Erwachsenen geschafft. Großartig überrascht hat das niemanden in der Szene. Obwohl, beim Spiraleturnen, einer von drei Disziplinen des Rhönradturnens, bei der der Turner das Rad auf einem Reifen kreiseln lassen muss, während er darin durch Positionsveränderungen Punkte sammelt, hatte er nicht mal mit dem Einzug in das Finale gerechnet. Als er nach seinem Mehrkampfsieg dann doch zum elitären Kreis der besten sechs Spiraleturner gehörte, habe er, da der Schwierigkeit erstmals keine Punktgrenzen gesetzt waren, spontan alle Höchstschwierigkeiten in die Finalkür eingebaut, die er aus dem Training kannte.

Das "Zocken", das Bundestrainerin Ines Meurer ihrem Vorzeigeathleten nachsagt, lohnte sich mal wieder. Auch bei der deutschen Meisterschaft während des Turnfestes in Frankfurt konnte Maaser am Sonntag alle vier Einzeltitel bei den Männern für sich verbuchen, obwohl er bei seinem Abgang nach der Spiralekür, einem Auerbachsalto, auf den Boden greifen musste. Den vorwärts abgesprungenen Rückwärtssalto beherrscht er bislang als einziger Rhönradturner auf der Welt, seinen Namen trägt das Element dennoch nicht. Solche im Kunstturnen üblichen Bezeichnungen sind in der Rhönradszene nicht üblich. Dennoch träumt Maser davon. Der Wunsch scheint nicht so weit hergeholt. Denn Maaser, der in seinem Heimatverein auf seinem Niveau konkurrenzlos ist, stellt nicht nur selbst seine Übungsprogramme zusammen, er ist auch in zahlreichen anderen Bewegungskünsten heimisch und überträgt sie auf seinen Sport.

Ob Kunstturnen oder Breakdance, Parkour - eine Art akrobatischer Geländelauf - oder Tricking, wo gewagte Sprünge und Drehungen angesagt sind, ist der ehemalige Kampfsportler, der mit neun Jahren durch eine seiner beiden älteren Schwestern zum Rhönradturnen fand, dabei. Überall findet er Gleichgesinnte, mit denen er Spaß haben und von denen er lernen kann. Bei einer Showtournee etwa hat er sich kürzlich von einem russischen Künstler in die Handstandakrobatik einweisen lassen. So kann, wer Robert Maaser bucht, ihn auch ohne Rad einkaufen. "Das Rad passt ja nicht überall rein."

Im Showbusiness

Über einen Mangel an Angeboten kann er, der beim Turnfest auch den Flyer für die neue Gymmotion-Tour des DTB ziert, sich auch nicht beklagen. Nach seinem gerade erst beendeten und mit einem guten Einserschnitt absolvierten Abitur - die letzte Prüfung legte er am Eröffnungstag der WM ab - will er sich erst einmal ein halbes Jahr im Showbusiness tummeln, bevor er ein Studium beginnt, das ihn möglichst nah am Sport weiterhin durch die Welt führt. Das Wettkampfturnen will er dennoch beibehalten, schließlich gibt es da noch einige Ziele zu erreichen. Etwa das, mehr WM-Titel zu sammeln als der achtmalige Champion und Mister Rhönrad Wolfgang Bientzle.

Dafür steht Maaser zwar teilweise nur zwei- oder dreimal in der Woche im Rad, aber daneben plant er seine Sportkarriere nach allen Regeln der Sportwissenschaft. Kraft- und Beweglichkeitstraining, Ernährung oder auch Regeneration - nichts überlässt Maaser dem Zufall und bildet damit im noch immer in erster Linie als Hobby ausgeübten Rhönradturnen eine Ausnahme. Bundestrainerin Meurer imponiert diese Professionalität in ihrem Amateursport. "Robert", sagt sie, "ist einer, der auch neben dem Rhönrad wahnsinnig an sich arbeitet und Spaß daran hat." Ein Perfektionist also. Und nicht nur ein Spieler.

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