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Uniklinik Marburg Ärzte schlagen Alarm

An der Universitätsklinik Marburg werden Personal- und Raummangel beklagt. In einem Brief an die Geschäftsleitung warnen Ärzte vor einer "Gefährdung der Patientensicherheit".

Luftaufnahme des Universitätsklinikums Marburg. Foto: ddp

Vor einer „Gefährdung der Patientensicherheit“ warnen neun Assistenzärzte der privatisierten Universitätsklinik Marburg in einem Brief an die Geschäftsleitung. Wegen Personalmangel sei eine adäquate Versorgung der Schwerkranken in der neuen interdisziplinären Notaufnahme nicht gewährleistet, heißt es in dem Schreiben, das der Frankfurter Rundschau vorliegt. Auch gebe es zu wenig Zimmer. „Seit Wochen“ komme es „zu permanenter Flurbelegung (teils mehrfache)“. Die physische und psychische Belastung der Pfleger und Ärzte sei „nicht mehr tragbar“. Unterzeichnet haben das mit 1. April datierte Schreiben „Betreff: Überlastungsanzeige“ neun Assistenzärzte der inneren Medizin.

In dem Brief beklagen sie, dass seit Anfang des Jahres zu einer normalen Acht-Stunden-Schicht bis zu vier Überstunden kämen. „Zeitgerechte Laborkontrollen“ bei Überwachungspatienten mit akutem Herzinfarkt seien nicht leistbar. „In einem Fall konnten bei einem Patienten mit Hypoglykämie (Unterzucker, d. Red.) nicht zeitgerecht Blutzuckerkontrollen erfolgen.“

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ist die angespannte Personallage spätestens seit Mitte Februar bekannt. „Zu viele Patienten und ein eklatanter Mangel an Pflegepersonal.“ So fasst ein Arzt, der anonym bleiben möchte, die Situation zusammen. Statt die Wege zu verkürzen, habe der Umzug in die neue interdisziplinäre Notaufnahme sie verlängert.

Messungen hätten zum Beispiel ergeben, dass eine Krankenschwester in einer Acht-Stunden-Schicht dort durchschnittlich zehn bis zwölf Kilometer zurücklege. „Das heißt über eine Stunde kann sie nicht am Patienten sein.“ Verantwortlich für die Missstände seien „persönliche und organisatorische Inkompetenz sowie ein Personalengpass“.

„Von Missständen kann nicht die Rede sein“, teilt Kliniksprecher Frank Steibli schriftlich mit. „Bei jeder neuen Zusammenarbeit mit derartig vielen neuen Gegebenheiten ergeben sich Anlaufschwierigkeiten, die es zu bewältigen gilt.“ Davon seien jedoch schon im Februar viele behoben worden. „Permanente Flurbelegungen sind uns nicht bekannt“, fährt Steibli fort. Derzeit könne festgehalten werden: Die Angelegenheit ist zur Zufriedenheit der Assistenzärzte in Bearbeitung.

Seitdem das Land die Uniklinik Gießen-Marburg vor fünf Jahren an den Rhön-Konzern verkaufte, mehren sich die Klagen über durch Personalmangel ausgelöste Missstände. So hatten vor einem Jahr Oberärzte der Kinder- und Jugendmedizin in einem Brandbrief die Geschäftsleitung gewarnt: „In absehbarer Zukunft“ sei die Klinik „nicht mehr in der Lage, den aktuellen hohen Standard bezüglich Patientenversorgung und Patientensicherheit unter Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben zu gewährleisten.“ Als Folge des Briefs hat sich dort die Situation entspannt. „Man muss hier immer so lange warten, bis man an die Wand fährt“, sagt Bettina Böttcher, Vorsitzende des Betriebsrats in Marburg.

Unterdessen ordnet der Rhön-Konzern die Spitze des Unternehmens Uniklinik erneut um. Irmgard Stippler, seit zwei Jahren Vorstandsmitglied der Aktiengesellschaft, übernimmt zum 1. Mai die Geschäftsführung von Josef Rohrer, der sich nach zwei Jahren zurückzieht. Jochen Werner, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, beerbt Rainer Mossdorf. Und Geschäftsführer Peter Mein verlässt das Unternehmen. Wie zu hören ist, zu seiner eigenen Überraschung.

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