Lade Inhalte...

Stellenabbau Konkrete Pläne zum Personalabbau

Der Frankfurter Rundschau liegen vertrauliche Papiere der Rhön-Uniklinik vor: Es gab konkrete Überlegungen, 500 Stellen an der Rhönklinik zu streichen. Die Unsicherheit in der Belegschaft wächst.

Demo für mehr Personal an der Uniklinik. Foto: Arnold

Die Rhön-Uniklinik Gießen- Marburg hat stets dementiert, 500 Stellen abbauen zu wollen. Der Frankfurter Rundschau wurden jetzt interne Dokumente zugespielt, die zeigen, dass es konkrete Überlegungen gab. Laut einem „streng vertraulichen Bericht“ vom 21. 2. lag der Personalstand im Januar 2012 „um 630 VK über dem Zielwert der Soll-Planung vom 13.1.2010“. VK ist die Abkürzung für Vollzeitkräfte.
Diese Zahl korrigierte die Geschäftsleitung bereits am 21. Februar nach unten. Knapp 436 Vollzeitkräfte weniger stehen in den „Vorschlägen für neue Personalzielplanung“ – 302 in Gießen, 133 in Marburg. Das könnten umgerechnet durchaus 500 Jobs sein. Der Abbau sollte wohl nicht innerhalb eines Jahres erfolgen.

Der Bericht der Geschäftsführung bei der Gesellschafterversammlung am 26. März in Frankfurt liegt der FR ebenfalls vor. Demnach hat eine „intensive Überprüfung und Überarbeitung der Stellenpläne ein Einsparpotenzial in Höhe von 226,05 VK im Vergleich zum Ist-Zustand Jan. 2012 im Rahmen der Prozessoptimierung ergeben“. Vor allem durch einen Abbau bei den Pflegekräften sollen die Kosten im Jahr 2013 um rund 3,5 Millionen Euro sinken.

Ende Februar waren mögliche Abbau-Pläne bekanntgeworden. Es hagelte Proteste. Bürger und Chefärzte sorgen sich um die Patientenversorgung, die Spitzen der Hochschulen um Lehre und Forschung. Das Land hat zwei Moderatoren eingeschaltet.

Am 5. März hatte die Geschäftsführung in einer außerordentlichen Vorstandssitzung die Gründe für die „schwierige wirtschaftliche Ausgangssituation“ dargelegt: weniger Erlöse, gestiegene Kosten, Finanzverpflichtungen durch die Neubauten, zu denen sich Rhön im Kaufvertrag mit dem Land im Jahr 2006 verpflichtet hatte. Die Rechnung, dass durch die Neubauten „kurze Wege“ entstehen, sei nicht komplett aufgegangen. Die „Rationalisierungskonzepte“ würden nicht „voll greifen“.

Die Uniklinik hatte die Existenz konkreter Zahlenvorgaben stets dementiert. Sprecher Frank Steibli bleibt dabei: „Es gab keinen Plan. Eine Zahl wurde nie genannt. Wir haben nur gesagt, dass wir seitens der Kosten etwas tun müssen.“ Rhön habe 367 Millionen Euro in neue Gebäude, Geräte und Maschinen investiert. Anders als öffentliche Krankenhäuser habe es keine staatlichen Zuschüsse bekommen. „Wie in jedem Unternehmen muss man das Geld irgendwo reinholen.“ Eine Aktiengesellschaft müsse außerdem Erlöse erzielen. In einer Vorstandssitzung vom 28. Februar, „streng vertraulich“, erklärte Rhön-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Pföhler laut Protokoll, „dass das für 2012 gesetzte Ergebnisziel von 9 Mio. wie vereinbart erreicht werden muss“.

Doch die Mittelhessen lassen sich das nicht bieten. 23000 Unterschriften hat ein breites Bündnis gesammelt – gegen den Abbau von 500 Stellen und für Personalmindeststandards am Uniklinikum, sagt die Marburger Betriebsrätin Bettina Böttcher. In einem Mitarbeiterbrief habe die Geschäftsleitung zwar mitgeteilt, dass sie seit April 120 befristete Verträge verlängert habe. Doch Böttcher will sich nicht auf Zahlenspiele einlassen: Sie verlasse sich darauf, was sie sehe und höre. Kollegen mit Fristverträgen würden zu lange im Ungewissen gelassen, so dass sie sich einen anderen Job suchten. Es gebe zu wenig Personal. „Die Leute leiden unter den unerträglichen Arbeitsbedingungen, es gibt viele Ängste, die Stimmung ist unglaublich schlecht.“

Die Unsicherheit bei den 9700 Mitarbeitern ist durch das Übernahmeangebot der Fresenius-Aktiengesellschaft noch gewachsen . Am Pfingstmontag hatte der Rhön-Vorstand seinen Aktionären die Annahme empfohlen. Der Konzernbetriebsrat habe ebenfalls grünes Licht gegeben, sagt Böttcher. „Die Vertreter der Universitätsklinik Gießen-Marburg haben gegen diese Stellungnahme gestimmt.“ Den Verdi-Vertrauensleuten wäre eine Rückführung zum Land am liebsten.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht die geplante Fusion zur größten Krankenhauskette Deutschlands kritisch: „Man kann nur hoffen, dass die Patientenversorgung dann nicht rein von Kapitalinteressen gesteuert wird“, sagt Sprecher Roland Stahl. Klaus Holthoff-Frank von der Monopolkommission gibt zu bedenken, dass mit weniger Betreibern auf dem Markt die Chancen auf den politisch gewollten Wettbewerb sinken.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen