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Rhön Klinikum Fresenius Auf dem Weg zum Super-Konzern

Jetzt haben Eugen Münch und Ulf Schneider ihr Ziel doch noch erreicht. Die beiden Manager formen Europas größten privaten Krankenhausbetreiber namens Helios mit 117 Hospitälern. Zugleich soll das den Durchbruch für ein neues Geschäftsmodell bringen.

Fresenius kauft 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren von Rhön. Foto: dapd

Münch ist Gründer und Aufsichtsratschef der Firma Rhön Klinikum. Schneider steht an der Spitze des Medizinkonzerns Fresenius.  Es ist so eine Art Lebenstraum von Münch einen in Deutschland flächendeckenden Klinikbetreiber ins Leben zu rufen. Lange suchte er  einen Partner, fand ihn schließlich in Bad Homburg. Dort ist Fresenius zu Hause. Zu dem Konzern gehören auch die Helios-Krankenhäuser. 2012 sollte der Verkauf von Rhön an Fresenius über die Bühne gehen. Doch kurz vorher stieg der Rivale Asklepios als Großaktionär bei Rhön ein und verhinderte den Verkauf. Auch der Medizintechnik-Konzern B. Braun Melsungen wurde Anteilseigner, kündigte kürzlich sogar an, einen Anteil von mehr als 25 Prozent anzustreben. Das Motiv der beiden Unternehmen: Sie wollten dauerhaft das Entstehen eines großen privaten Klinikbetreibers verhindern, der Asklepios Patienten abspenstig machen und Preise für B. Braun-Produkte drücken könnte.

Geschäft durch die Hintertür

Monatelang  schienen sich die Kontrahenten zu blockieren. Dabei heckten Juristen und  Manager von Rhön und Fresenius längst einen Coup aus: Fresenius kauft nicht das gesamte Unternehmen Rhön Klinikum, sondern nur 43 Krankenhäuser und 15 medizinische Versorgungszentren –  für gut drei Milliarden Euro. Dieses Geschäft durch die Hintertür kann an den beiden Großaktionären vorbei durchgezogen werden. 

Münchs Idee vom flächendeckenden Anbieter will Fresenius nun umsetzen: „In Zukunft wird die Mehrheit der Menschen in Deutschland binnen einer Stunde eine Helios-Klinik erreichen können“, erklärten die Bad Homburger  am Freitag. Damit kann auch die Idee mit der  Zusatzversicherung volle Wirkung entfalten. Wer sie abschließt, wird künftig in den 117 Krankenhäusern vom gesetzlich Versicherten zum   Privatpatienten  hochgestuft. Praktiziert wird das schon in den jetzigen 74 Standorten der Helios-Gruppe. Zur Chefarztbehandlung kommen Unterbringung im Ein-Bett-Zimmer,  erweiterte Menüauswahl oder eine Minibar hinzu.

Das zielt darauf ab, gegenüber den Konkurrenten Wettbewerbsvorteile zu erreichen. Und das ist von enormer Bedeutung. Die Überkapazitäten in der Branche sind groß. Es gibt hierzulande rund 2000 Krankenhäuser, jedem vierten droht nach einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) die Insolvenz. Deshalb ist das Drücken von Kosten ein großes Thema in der Branche. Als Medizin empfehlen Berater, sich in größeren Verbünden zu organisieren, um beispielsweise günstiger einkaufen zu können – vom Verbandsmaterial bis zum Computer-Tomographen. Es geht aber auch darum, effizienter beim Einsatz des Personals zu werden, insbesondere  in den  privaten Hospitälern, die Gewinne erwirtschaften sollen.

Noch nicht in trockenen Tüchern

Im Fall von Fresenius-Helios kommt nach Ansicht der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hinzu, dass nun auch noch die Ausgaben für die Übernahme der Rhön-Standorte erwirtschaftet werden müssen, und zwar  von den Beschäftigten. „Das bedeutet höhere Arbeitsverdichtung und mehr Druck auf die Löhne“, so Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Und wie geht es mit Rhön weiter? Das Unternehmen wird im Grunde zerschlagen, es verliert etwa zwei Drittel seines Umsatzes, will sich künftig auf Krankenhäuser spezialisieren, an denen   „Spitzenmedizin“ und universitäre Forschung betrieben wird. Die Basis bilden die Häuser in Bad Berka und Frankfurt/Oder, der Stammsitz in Bad Neustadt sowie die Universitätskliniken in Gießen und Marburg.

Für die Rhön-Aktionäre, also auch für B. Braun und Asklepios, soll es eine Sonderdividende geben. Etwa zwei Milliarden Euro  des Verkaufserlöses könnten an die Anteilseigner weiter gereicht werden. Dafür gibt es von Verdi heftig Kritik, denn faktisch würden Sozialversicherungsbeiträge zu Gewinnen von Aktionären gemacht.

Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Bei einigen Krankenhäusern muss noch die Zustimmung der ehemaligen Eigentümer zu dem Deal eingeholt werden, meistens ist das die jeweilige Kommune. Auch die Wettbewerbshüter müssen noch entscheiden. Fresenius erwartet aber keine Probleme, der neue Krankenhausbetreiber kommen auf einen Marktanteil von sechs bis sieben Prozent. In Deutschland steht noch fast jedes zweite Krankenhausbett in einer Klinik, die der öffentlichen Hand gehört.

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