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Rhön-Kliniken HSK Beschwerde über Zustände

Das Personal der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) und ein Patient berichten von einer Verschlechterung der Zustände seit der Beteiligung der Rhön-Aktiengesellschaft. In vielen Bereichen sei abgebaut worden und das Personal überlastet. Die Finanzsituation der HSK ist nach wie vor unklar.

Die Stimmung bei den Mitarbeitern der HSK ist mittlerweile auf dem Nullpunkt. Foto: hsk

Langatmig und wenig ergiebig. So beschreiben Mitarbeiter die Betriebsversammlung, die gestern Nachmittag an den Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) stattfand. Auch Oberbürgermeister Sven Gerich nahm teil und wiederholte, dass es in den Verhandlungen mit Kaufinteressent Fresenius-Helios keine großen Handlungsspielräume gebe. Bei ihm und Kämmerer Axel Imholz jedoch sei das Verfahren in guten Händen. Zuvor hatte er gehört, wie der Betriebsrat die „Downlights“ der letzten 18 Monate seit Beteiligung der Rhön Klinikum AG dargelegt haben soll. Ganz auf den Nullpunkt sei die Stimmung gesunken, als Überlastungsanzeigen von Mitarbeitern vorgelesen wurden. Da war etwa von einer Pflegekraft die Rede, die 35 Patienten in der Nacht versorgt.

Auch außerhalb der Betriebsversammlung äußern sich HSK-Mitarbeiter gegenüber der FR kritisch. In vielen Bereichen sei abgebaut worden. „Wir bewegen uns auf das Niveau eines Kreiskrankenhauses zweiter Klasse zu.“ Was hat Rhön in die HSK investiert? Sie winken ab: Weder sei der Bau von 1982 großartig saniert noch neue Geräte angeschafft worden, sagen sie. Dafür wurden Stationen geschlossen oder teils mehrfach umgezogen, aus manchen Zwei-Bett- wurden Vier-Bett-Zimmer, aus Büros Behandlungsräume, ohne entsprechende Ausstattung. Sinn können die Mitarbeiter dahinter nicht erkennen. „Da liegen Patienten auf einer völlig fremden Station“, erzählt eine Mitarbeiterin. „Bei Rhön wird nur darauf geschaut, ob das einzelne Bett ausgelastet ist“, sagt ein anderer. „Nicht darauf, wer sich um den Patienten kümmert.“

Unterstützung erhalten die Mitarbeiter von Adi Buchwald, Bürgermeister der Stadt Linz. Der 67-Jährige ist seit 2002 Patient bei Christian Ell, Klinikdirektor der Inneren Medizin II. 33 Mal war er an den HSK in Behandlung – und sehr zufrieden. Beim letzten Mal, Ende September, war alles anders. Weil die Privatstation aufgelöst worden war, kam Buchwald auf die Station A24.

Verdreckte Duschen und Mottenlöcher

Damit habe er auch gar kein Problem, sagte er der FR am Telefon. Aber die Zustände dort haben ihn so geärgert, dass er einen Brief an den OB und die Fraktionen schrieb. Darin berichtet er von verdreckten Duschen auf dem Flur, von Mottenlöchern in der Bettwäsche, die nur alle vier Tage gewechselt worden sei. 2700 Euro habe seine Privatkasse für vier Tage Unterbringung und Pflege berappt. „Da stimmt das Verhältnis nicht mehr“, sagt er. „Seit der Rhön-Übernahme fällt mir auf, wie gehetzt das Personal ist.“ Die HSK in höchsten Tönen loben, das könne er nun nicht mehr. Sein behandelnder Arzt geht bald ans Sana-Klinikum Offenbach. (Die FR berichtete.) Buchwald will mit ihm gehen.

Unterdessen fordert das Bündnis „Gemeingut in BürgerInnenhand – für eine kommunale HSK“ die Transparenz des Vertrages zwischen Stadt und Rhön und einen Kassensturz. Wie hoch sind die Schulden der HSK?, fragt Bündnissprecher Bodo Kaffenberger. Das fragen sich auch die Mitarbeiter, mit denen die FR sprach. Seit 2011 legen die HSK keinen Jahresabschluss mehr vor. Das bemängelt auch der Landesrechnungshof, der sich in seinem Schlussbericht von März dieses Jahres auf die Zahlen von 2009 und 2010 stützen musste. 2012, nach der Teilprivatisierung, verweigerte ihm die Stadt gar die kommunale Prüfung.

Rhön habe darauf bestanden, die Rechnungsprüfung im Konsortialvertrag auszuschließen, habe die Stadt begründet. Um die wirtschaftliche Lage und die Entwicklung der HSK beurteilen zu können, ist eine Vertragsänderung nötig. Beim Landtag hat der Landesrechnungshof zudem eine Gesetzesänderung angeregt, um die Hessische Gemeindeordnung zu stärken. Laut Geschäftsbericht des Rhön-Konzerns 2012 betrug das negative Jahresergebnis der HSK damals im Übrigen 22,2 Millionen Euro.

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