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Philosophenweg-Kompromiss 30 Minuten gratis flanieren

Künftig sollen Flaneure an Automaten Passierscheine ziehen, damit sie den Philosophenweg auch nach der Sperrung nutzen können - kostenlos, wenn der Spaziergang nicht länger als 30 Minuten dauert.

17.02.2009 12:02
ANTON J. SEIB
Menschen aus Königstein und Kronberg geben gemeinsam mehrere Hundert Einwendungen gegen die Schließung des Philosophenwegs im Kronberger Rathaus ab. Foto: FR/Hoyer

Künftig sollen Flaneure an Automaten Passierscheine ziehen, damit sie den Philosophenweg auch nach der Sperrung nutzen können - kostenlos, wenn der Spaziergang nicht länger als 30 Minuten dauert. Das soll für alle Nutzer des Weges gelten, nicht nur für Kronberger. Dieser Kompromiss ist das Ergebnis eines Runden Tisches, an dem Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU), sein Vorgänger und Vorsitzender des Taunusklubs Bertram Huke, Regierungspräsident Gerold Dieke (FDP) und Opel-Zoo-Chef Thomas Kauffels teilnahmen. Aus Kronberg war niemand dabei - trotz Einladung.

Von Januar an soll der Philosophenweg, der mitten durch den Opel-Zoo führt, an den privaten Tiergarten verpachtet und für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Das sieht ein Beschluss der Kronberger Stadtverordnetenversammlung vor. Kronberger Bürger dürfen ihn weiterhin kostenlos nutzen, sie müssen sich nur ausweisen können. Alle anderen Passanten müssen Eintritt für den Opel-Zoo zahlen. Darauf beharrt die Zoo-Leitung. Das hat zu empörten Reaktionen geführt. Rund 1300 Widersprüche gingen gegen die Sperrung ein.

Auch die Nachbarstadt Königstein sah sich von den Kronbergern schlecht behandelt, wird doch der Weg auch eifrig von Königsteinern Fußgängern benutzt. Schließlich geriet die Sperrung des Philosophenwegs zum juristischen Zankapfel. Zunächst müsse der gemeinsame Bebauungsplan für den Weg geändert werden, argumentieren die Königsteiner, das sei nicht geschehen.

Rückendeckung erhalten sie von Regierungspräsident Gerold Dieke, der pikanterweise in Kronberg lebt. Seine Hausjuristen halten die vom Parlament beschlossene Einziehung des Wegs ohne Änderung des Bebauungsplans für rechtlich problematisch. Zwei Ausweichrouten Kronbergs Bürgermeister Wilhelm Kreß (SPD) versteht die Aufregung nicht.

Schließlich soll es anstelle des Philosophenwegs künftig zwei parallelverlaufende Fußwege zwischen den beiden Städten geben. Zum einen den Schiebelbuschweg und einen weiteren Pfad, der am Fritz-Emmel-Haus vorbei zum Fußweg an der Bundesstraße 455 verläuft. Zudem sei der Pachtvertrag für den Philosophenweg jederzeit kündbar, wenn der Zoo die Abmachungen, beispielsweise die Unterhaltung des Wegs, nicht einhalte. Zu dem Vermittlungsgespräch sei er nach Absprache mit dem Magistrat nicht gekommen, weil es mitten in der noch laufenden Widerspruchsfrist stattgefunden habe. Kreß: "Wir wollen uns erst mit den Widersprüchen beschäftigen."

Inzwischen hat Kreß die sechs Stadtverordnetenfraktionen über den Kompromiss informiert, der unter Vermittlung Hukes zustande gekommen ist. Nur SPD und FDP hätten ihm bislang geantwortet. "Und die sind grundsätzlich damiteinverstanden."

Die Kronberger Grünen haben sich über die Presse geäußert, Tenor: Nein zur Schließung. "Wir leben in einer Zivilgesellschaft, wo es selbstverständlich sein muss, dass der Bürger ohne Kontrollen und Eintrittsgelder auf Wegen flanieren darf", schreibt Vorstandssprecher Axel Sager. Außerdem sei der Philosophenweg Teil der Regionalparkroute.

Die Ausweichroute entlang der B 455 ist für die Grünen "von zweifelhafter Attraktivität", und auch die andere Route sei wegen der Steigungen "nur für ambitionierte Freizeitsportler attraktiv".

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