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Nürburgring-Ausschuss Frühe Zweifel am Pinebeck-Deal

Unrealistisch und fragwürdig - der damit befasste Anwalt Jürgen Lüders hat der gescheiterten Privatfinanzierung des Nürburgring-Ausbaus von Anfang an keine Chance gegeben.

28.05.2010 13:05
Wer wusste was? Ein Untersuchungsausschuss versucht Licht ins Dunkel der Nürburgring-Finanzierung zu bringen. Foto: dpa

Die spektakulär gescheiterte Privatfinanzierung des Nürburgring-Ausbaus hat bei einem beauftragten Rechtsanwalt über Jahre hinweg Erstaunen und Zweifel ausgelöst. Er habe dem ungewöhnlichen internationalen Deal "von Anfang an keine wirklichen Chancen beigemessen", sagte der Jurist Jürgen Lüders am Freitag in Mainz im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Nürburgring-Affäre. Die angeblichen finanziellen Vorteile für seine Mandantin, die Nürburgring GmbH, wären unrealistisch groß gewesen: "Das war eigentlich viel zu schön, um wahr zu sein", berichtete der Anwalt einer großen Kanzlei.

Er habe seine Bedenken bei der größtenteils landeseigenen Ringgesellschaft vorgetragen. Doch deren inzwischen geschasster Finanzchef Hans Lippelt habe gesagt, zwar sehe auch er Ungereimheiten. Aber die zu erwartenden Vorteile seien "so exorbitant hoch", dass nichts unversucht gelassen werden dürfte, berichtete Lüders.

Der Schweizer Geschäftsmann Urs Barandun mit Büro in Dubai habe in immer schnellerer Abfolge neue Co-Investoren präsentiert, die dann wieder abgesprungen seien. Schließlich sei der angebliche US-Investor Pierre DuPont V. ins Spiel gekommen. Nach dem Platzen der Finanzierung und dem Rücktritt des rheinland-pfälzischen Finanzministers Ingolf Deubel (SPD) im Sommer 2009 wurde bekannt, dass hinter diesem Geschäftsmann der international gesuchte Betrüger James Rice stehen könnte. Gegen Barandun ermittelt die Koblenzer Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlichen Provisionsbetrugs.

Lüders sagte weiter aus, auch Zeitdruck habe bei den internationalen Bemühungen um eine Privatfinanzierung eine wichtige Rolle gespielt: "Die Zeit lief dem Finanzminister weg." Denn der neue Freizeitpark an der Rennstrecke in der Eifel sollte im Juli 2009 pünktlich zum damaligen Formel-eins-Rennen eröffnet werden - was auch geschah, allerdings mit einer konventionellen Finanzierung.Am Freitag wollte der Untersuchungsausschuss des Landtags noch elf weitere Zeugen befragen, unter ihnen mehrere Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) für Wirtschaftskriminalität. Abermals sollte es um frühe vertrauliche Warnungen des LKA vor Barandun und anderen Kreditvermittlern am Nürburgring gehen. (dpa)

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