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Moschee in Hausen Anonyme Bürgergruppe droht Gewalt an

Eine "Aktionsgruppe 22. Juli" will im Moscheenstreit "massiv" gegen den Bau einer dritten Moschee im Frankfurter Stadtteil vorgehen. Das nimmt die örtliche Anti-Nazi-Koordination sehr ernst. Von Sebastian Amaral Anders

14.08.2008 00:08
SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Laut einer Inschrift wurde die Abu Bakr Moschee mit Geld aus Saudi-Arabien erbaut. Foto: Rheker/FR

Die Wortwahl lässt keinen Raum für Zweifel: Die Rede ist von "determiniertem Widerstand". Der Protest soll "massiv" ausfallen. "Von Menschen, denen man die Heimat und die Zukunft nimmt, können Sie keine Debatten mehr und Vernunft erwarten." Der Streit um den Moscheebau in Hausen hat eine neue Eskalationsstufe erreicht.

In einer vierseitigen E-Mail an die Linken-Stadtverordnete Yildiz Köremezli-Erkiner kündigt ein unbekannter Verfasser offenbar unter falschem Namen unverhohlen an, "den Widerstand auf die Straße zu tragen" und Parteiveranstaltungen in Zukunft zu stören. Unterschrieben ist die Mail mit "Aktionsgruppe 22. Juli".

Der Verfasser der Mail gibt sich als Sprecher dieser "neuen Gruppierung von Bürgern" aus, die sich neben der Bürgerinitiative Hausen in Kürze bilden werden. "Öffentlich", wie es in der Mail heißt. Tatsächlich gelangen alle Äußerungen der Gruppierung bislang nur unter Pseudonymen an die Öffentlichkeit.

Unter der Angabe falscher Daten wurden von der gleichen E-Mail-Absenderadresse auch Leserbriefe an Zeitungen geschickt, darunter auch an die Frankfurter Rundschau. Der Verfasser stellt sich bei wechselnden Namen stets als "Bürger von Frankfurt-Hausen" vor.

"Wir nehmen das ernst", sagt Hans Christoph Stoodt von der Frankfurter Anti-Nazi-Koordination. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres habe es in dem islamfeindlichen Blog "Politically Incorrect" Aufrufe zum "bewaffneten Kampf" gegen Muslime in Hausen gegeben.

Unter anderem postet in dem Blog ein User unter dem Namen "Hausener Bub". Im selben Blog fiel laut Stoodt die Ankündigung, der nächsten Sitzung der Anti-Nazi-Koordination im Türkischen Volkshaus in Bockenheim "einen Besuch abzustatten". "Wir warnen dringend davor, das auf die leichte Schulter zu nehmen", sagt Stoodt.

Lothar Reininger, Fraktionsvorsitzender der Linken im Römer, will sich von derartigen Drohungen nicht einschüchtern lassen. "Deren Ziel ist ja gerade, dass aus Angst niemand mehr kommt." Man werde sich jetzt sicher nicht "im Keller verstecken". Die Parteimitglieder würden aber bei den Veranstaltungen verstärkt die Augen aufhalten. Was nicht bedeute, dass man sich der "strittigen Diskussion" zum Thema Moscheebau verweigere.

Fraglich ist, ob die "Aktionsgruppe 22. Juli" überhaupt diskutieren will. Am Ende der Mail heißt es: "Diese Moschee wird nicht gebaut werden."

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