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Wasserkraftanlagen „Fische werden massenhaft zerfetzt“

Sie produzieren Energie ohne schädliche Emissionen. Doch ökologisch sind die Wasserkraftwerke in den Augen des Verbands Hessischer Fischer nicht. Im FR-Interview erklärt Pressereferent Winfried Klein warum.

28.04.2011 15:33
Strom aus Wasserkraft: Laufwasserkraftwerk auf dem Messeplatz an der Kinzig in Hanau. Foto: Sascha Rheker/attenzione

Sie produzieren Energie ohne schädliche Emissionen. Doch ökologisch sind die Wasserkraftwerke in den Augen des Verbands Hessischer Fischer nicht. Im FR-Interview erklärt Pressereferent Winfried Klein warum.

Herr Klein, wieso ist Wasserkraft nicht ökologisch?

Die Turbinen zerfetzen Fische, und zwar massenhaft.

Sind die Turbinen nicht durch Gitter geschützt?

Vor den Wasserkraftwerken ist zwar ein Rechen, der größere Gegenstände aufhalten soll, aber der nützt nichts.

Warum?

Entweder ist der Rechen zu groß und Fische schlüpfen hindurch. Oder die Fische bleiben daran hängen. Dann werden sie von der Rechenreinigungsanlage in Stücke gerissen oder zerdrückt.

Welche Fische sind das?

Vor allem die Wanderfische. Nehmen wir den Aal. Der muss ins Meer schwimmen – in die Sargossasee in der Nähe des Bermuda-Dreiecks. Er pflanzt sich da nur einmal in seinem Leben fort, kommt in die Flüsse zurück und steigt dort auf. Der Aal ist wegen der Wasserkraftwerke am Aussterben, sie werden alle zerschlagen.

Es gibt doch Fischtreppen, die um die Turbinen herum führen.

Die funktionieren nicht. Der Fisch folgt dem Hauptstrom des Wassers, und der führt nun mal zur Turbine. Man müsste schon sehr viel Ingenieursgeist hineinstecken, um eine Anlage zu entwickeln, die die Fische tatsächlich um die Turbinen herum führt. Das aber hat noch keiner getan. Statt dessen baut man Fisch-Häckselanlagen.

Was kann man tun?

Wir hatten in Eigeninitiative eine Anlage mit einer Art Förderband konstruiert, um die Fische abzuleiten. In einem kleinen Fluss wie der Lahn hat das funktioniert. So lange man das nicht andernorts hat, muss man die Anlagen abschalten.

Dann gibt es weniger Strom aus erneuerbaren Energien. Halten Sie das für unwichtig?

Wir haben in Deutschland 7700 Wasserkraftanlagen. 7350 davon sind Kleinanlagen, die zusammen gerade mal fünf Prozent des Stroms erzeugen. Wenn Sie diese kleinen Mühlen ausschalten, merkt man das gar nicht. Dabei sind es oft gerade die vielen kleinen Anlagen in den Flüssen, die die Fische in großer Zahl töten. Außerdem führt das Aufstauen der Gewässer dazu, dass sich dort die Algen massiv ausbreiten. Die Lahn sieht manchmal aus wie brauner Brei – da ist alles voller Braunalgen, die so viel Sauerstoff produzieren, dass den Fischen die Kiemen verbrennen.

Interview: Peter Hanack

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