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Manroland arbeitet wieder kurz

500 Beschäftigte betroffen / Verkauf des Maschinenbauers kommt nicht voran

Manroland hat die Krise nicht hinter sich. Foto: Diana Djeddi

Gerade mal drei Monate lief in Sachen Arbeitszeit alles normal bei Manroland. Am 1. Juli hatte der Druckmaschinenbauer nach fast drei Jahren die Kurzarbeit im Werk Offenbach beendet. Seit Oktober sind 500 der 1900 Beschäftigten erneut in Kurzarbeit. Auch an den anderen beiden deutschen Standorten wird kurzgearbeitet. Ist die Krise so schnell wiedergekommen oder war sie nie weg?

Darauf gibt es beim Unternehmen keine einfache Antwort. Der Markt sei sehr volatil, heißt es. Im Mai hatte Markus Rall, damals im Vorstand für Bogendrucksysteme und Produktion verantwortlich, auf der Hausmesse in Offenbach gesagt, es gehe langsam wieder bergauf. Der Markt in den Industrieländern stabilisiere sich, in den Schwellenländern zeige sich dynamisches Wachstum, so Rall, der das Unternehmen im Oktober auf eigenen Wunsch verlassen hat.

Noch positiver klang Ende Oktober auf einer Branchenmesse in Wien Vorstandsvorsitzender Gerd Finkbeiner. Er nannte die Nachfrage in Deutschland „stark“ im Vergleich zu der in Wachstumsländern wie Indien und China.

Der September sei sogar einer der besten Monate seit Langem beim Auftragseingang gewesen. Und dennoch Kurzarbeit? Ja, denn so gut der September war, so schlecht seien August und Oktober gewesen, erklärt Unternehmenssprecher Thomas Hauser. „Im ersten Halbjahr waren wir so gut wie im Plan, aber seit Juli merken wir die volkswirtschaftlichen Verwerfungen.“ Die Märkte sendeten sehr unterschiedliche Signale, so Hauser. Im Bereich Rollenoffset laufe es besser, bei Maschinen für Bogendruck hingegen schwächelt China – der beste Volumenmarkt, erläutert Hauser. Diese Maschinen werden in Offenbach produziert. Nur „moderate Hoffnungen“ setzt Hauser auf die wichtige Branchenmesse Drupa, die 2012 wieder stattfindet: „Wir haben einige verschobene Projekte – dieser Investitionsstau könnte sich eventuell auflösen.“

Nichts neues gibt es hingegen von einem möglichen Verkauf. Eine Offenbacher Zeitung hatte vergangene Woche von konkreten Verkaufsverhandlungen und sogar über Insolvenzgerüchte berichtet. Davon will man in der Zentrale nichts wissen. Auch Betriebsratsvorsitzender Jürgen Bänsch hat keine konkreten Informationen über einen Verkauf. Dass Eigentümer Allianz Capital Partners nicht dauerhaft investiert bleiben wolle, sei schon seit dem Einstieg 2006 klar gewesen, so Bänsch.

Der Auftragseingang von Manroland lag nach den ersten sechs Monaten bei 520 Millionen Euro. Das ist zwar mehr als die 458 Millionen aus dem ersten Halbjahr 2010, aber weit entfernt von dem Niveau, auf dem der Konzern vor Beginn der ersten Finanzkrise war: 2007 lag er im Gesamtjahr bei 1,8 Milliarden Euro. Seit 2009 macht das Unternehmen Verluste. Operativ konnte das Minus im ersten Halbjahr immerhin von 46 Millionen in 2010 auf noch 25 Millionen aktuell gesenkt werden. 2007 arbeiteten mehr als 8700 Menschen im Unternehmen. Von ihnen sind Ende Juni noch gut 6600 übrig. In Offenbach sind es aktuell rund 1900 Beschäftigte. Ihre Zahl soll bis Ende 2012 auf 1600 sinken.

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