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ICE verbindet Flughäfen

Neubaustrecke ist fertig: in 56 Minuten von Rhein-Main nach Köln-Bonn / Regelmäßiger Zugverkehr ab DezemberSeit Sonntag sind die Flughäfen Frankfurt und Köln direkt per Zug über die Neubaustrecke der Bahn verbunden. Doch eine Verlagerung von Flugverkehr oder eine weitere Streichung von Inlandsflügen ist dadurch kaum zu erwarten. Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

Von Flughafen zu Flughafen: Der "Köln/Bonn Airport" ist jetzt an die Schnellbahnstrecke nach Frankfurt angebunden. Foto: ddp

Frankfurt · 16. Juni · Möglich sind die Direktverbindungen durch den Bau einer Schleife zum Köln-Bonner Flughafen. Die 530 Millionen Euro teure Strecke, an deren Kosten sich mit 50 Millionen Euro auch der Flughafen Köln-Bonn beteiligte, ging zwei Jahre später als geplant in Betrieb, da ein Gestüt seine Pferdezucht beeinträchtigt sah. Aber auch Naturschützer stritten gegen die 15-Kilometer-Schleife, da sie durch das EU-Vogelschutzgebiet Wahner Heide führt.

"Doch wenn die Verbindung schon mal da ist", sagt der hessische BUND-Sprecher Thomas Norgall, "dann sollte man sie auch optimal nutzen." Seine Forderung: eine Arbeitsteilung zwischen den Flughäfen Frankfurt und Köln. "Die Voraussetzungen sind jetzt dafür da", sagt der Umwelt- und Flughafenexperte. Man müsse überlegen, "zu welchem Airport welcher Verkehr besser passt". Es biete sich an, Köln stärker für den innereuropäischen Verkehr zu nutzen, Frankfurt hingegen mit seinen knappen Ressourcen noch mehr für Interkontinentalverkehr zu reservieren und einige Flugverbindungen an die Domstadt abzugeben.

Doch an solchen Überlegungen scheint wenig Interesse zu bestehen. Bei der Lufthansa in Frankfurt, sagt Sprecher Stefan Schaffrath, sähen die Pläne doch viel eher vor, neben der Drehscheibe Frankfurt den Standort München zu stärken, statt Verkehr nach Köln zu verlagern. Alles andere wäre, sagt der Sprecher, "Spekulation".

Konkurrenz für Flugplatz Hahn

Auch die Erwartungen am Flughafen in Köln gehen in eine andere Richtung: Dort begreift man den Bahnanschluss als willkommenen neuen Zubringer, der eine Erweiterung des Einzugsgebietes bedeute. Der Airport-Bahnhof, sagt Kölns Flughafensprecher Walter Römer, "ist für uns ein starker Produktvorteil". Dabei haben die Kölner weniger potenzielle Passagiere des Rhein-Main-Flughafens im Sinn als vielmehr mögliche Kunden des Hunsrück-Airports Hahn, der ebenfalls im Niedrigpreis-Segment engagiert ist. Der ICE macht's möglich, dass Passagiere aus dem Frankfurter Raum den Kölner Flughafen erheblich schneller erreichen als die Hunsrück-Startbahn. Von der Umsteigeridee, wonach ein Fluggast aus Übersee in Frankfurt landet, in den ICE steigt, nach Köln saust, um dort einen innereuropäischen Flieger zu besteigen, "muss man sich verabschieden", sagt Römer.

Bislang verkehren nur zwei spät am Abend fahrende Züge zwischen den beiden Flughäfen, von Dezember an sind es vier, zu denen weitere acht Verbindungen kommen, die dann den Kölner Airport mit Städten wie Wiesbaden oder Stuttgart verbinden. Das Potenzial der ICE-Strecke, die beide Flughäfen in 56 Minuten verbindet, sieht die Lufthansa auf einem anderen Gebiet: Sie strich bereits zwei der bisher sechs Inlandsflüge zwischen Frankfurt und Köln, nachdem das Unternehmen ein so genanntes AirRail-System mit Einchecken auf dem Kölner Hauptbahnhof eingerichtet hat.

Mit Erfolg: 53 Prozent der aus Köln kommenden Fluggäste benutzen erst den ICE, um dann in Frankfurt abzuheben. Die in 31 täglichen Zügen jeweils reservierten 37 Lufthansa-Sitzplätze sind zu 45 Prozent ausgelastet, auf der Strecke von Stuttgart, wo das System schon zwei Jahre besteht, sind es inzwischen sogar 60 Prozent. Das Eincheck-Verfahren soll nach Düsseldorf ausgedehnt werden. Ganz abschaffen, so Schaffrath, werde man die Inlandsflüge nicht, da vor allem ausländische Passagiere sich das Umsteigen auf den Zug kaum vorstellen könnten. "Die fliegen sonst von Charles de Gaulle ab."

Nach verschiedenen Fahrplankorrekturen ist die Bahn nun auch mit der Auslastung der vor zwei Jahren eröffneten Neubaustrecke Frankfurt-Köln zufrieden: Sie liege mit mehr als 45 Prozent über dem Durchschnitt im Fernverkehr, den die Bahn auf rund 40 Prozent beziffert. Allerdings war die Zahl der täglichen Züge von 112 im Dezember 2002 auf jetzt 99 reduziert worden. Positiv habe sich auch der Verkehr auf den Bahnhöfen in Limburg und Montabaur entwickelt, sagte Bahnsprecher Achim Stauß. Dort würden jetzt jeweils 1 300 Ein- und Aussteiger gezählt. Die im Wettstreit befindlichen Kommunen, beide auf der Hut vor der Schließung ihrer eigenen Station, zählen selbst jeweils 1 800 bis 2000 Fahrgäste.

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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