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Hessentag in Langenselbold Alsfeld ist nicht überall

Langenselbold erwartet zum Hessentag im Juni mehrere hunderttausend Menschen - und legt sich dafür gehörig ins Zeug. Von Thomas Witzel

07.05.2009 00:05
THOMAS WITZEL
Langenselbold erwartet zum Hessentag im Juni mehrere hunderttausend Besucher. Foto: Oeser/FR

Alsfeld hat im vergangenen Jahr die Reißleine gezogen und den Hessentag für das Jahr 2010 zurückgegeben. Finanzierungsprobleme. Stadtallendorf ist in die Bresche gesprungen. Das Fest der Hessen sorgt nicht nur für "viel Ehr'", sondern auch für heftige Diskussionen in den Haushaltsausschüssen. Die Angst vorm Defizit lähmt einerseits manchen Lokalpolitiker, und die Aussicht auf Veranstaltungen mit hohem Öffentlichkeitswert beflügelt andrerseits die Phantasie so manchen Rathauschefs.

Der Alsfelder Bürgermeister Ralf Becker, der es frei heraus sagte: "Unsere Kommune kann sich einen Hessentag nicht leisten", fand aber nicht allzu viele Unterstützer seines doch eher vernünftig anmutenden Verzichts. Und er hoffte seinerzeit, dass die Alsfelder Absage ein "Initialzündung" für andere Kommunen sein könnte. Auch aus den Reihen der Landespolitik häuften sich Stimmen, das Fest abzuspecken und nur noch alle zwei Jahre zu veranstalten. Vergeblich.

Denn in der Regel sehen Rathauschefs das anders, weiß der Hessentagsbeauftragte der Landesregierung, Heinrich Kaletsch, und verweist auf Beispiele der jüngeren Vergangenheit, bei denen Kommunen den Hessentag mit positiven Ergebnissen abschließen konnten. In diese Richtung argumentiert auch Langenselbolds Bürgermeister Jörg Muth, der mittlerweile entspannt die Tage bis zum ersten Hessentagswochenende in seiner Stadt runterzählen kann. Gedanken wie in Alsfeld habe es zu keiner Zeit gegeben. Man sei vielmehr stolz gewesen, das Fest auszurichten, sagt er. Zudem profitierte die Stadt von städtebaulichen Aufträgen im Vorfeld des Hessentages. Außerdem gebe es Fördermittel. Würde Langenselbold ein Defizit zwischen drei und vier Millionen Euro einfahren und dieses von den 15,5 Millionen Euro an gewährten Fördermitteln abziehen, so hätte die Stadt noch ein Plus von elf bis zwölf Millionen Euro zu verbuchen.

Im Übrigen, so Muth, sei bis jetzt jeder der vergangenen 48 Hessentage "eine Defizitveranstaltung gewesen". In der Tat - die zeitnahe Rückschau auf das reine Geschäftsergebnis des Hessenfestes bestätigt das: Trotz guter Besucherzahlen und Rekordverkäufen verursachte der 48. Hessentag in Homberg (Efze) ein Defizit von 3,5 Millionen Euro und liegt damit knapp unter dem von Butzbach (3,8 Millionen Euro), aber deutlich über dem von Idstein (1,8 Millionen), Bad Arolsen (1,5 Millionen) und Heppenheim (1,865 Millionen Euro). Der Hessentag in Erbach wies 1998 ein vergleichsweise geringes Defizit von nur 965 000 Euro auf. Und auch in Weilburg, Hessentagsstadt 2005, konnte man mit den zwei Millionen, die am Schluss draufzulegen waren, gut leben. Bürgermeister Hans-Peter Schick macht ein ähnliche Rechnung auf wie sein Langenselbolder Amtskollege Muth: "Wir haben rund 16 Millionen Euro an Zuschüssen bekommen."

Stadt ist schöner geworden

Zuschüsse sind auch in Langenselbold schon geflossen. Parkanlagen und eine neue Sportstätte sind gebaut und modernisiert, die Innenstadt verschönert worden. Die Finanzierung des größten Hessentags-Vorzeigeprojektes, um das es lange Zeit in der Stadt an der Gründau politische Unbill gab, ist gesichert. Per Bürgerentscheid stimmte die Bevölkerung im Oktober 2007 für den Standort eines neuen Sportzentrums an der Niedergründauer Straße.

Unterdessen will die gescheiterte Hessentagsstadt Alsfeld nicht sang- und klanglos als Loser in die Geschichte des Landesfestes eingehen: Im kommenden Jahr soll ein Kontrastprogramm zum Hessentag 2010 stattfinden. Die Initiative "Bürger für Alsfeld" hat vor kurzem eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Als wär's ein Hessentag" vorgestellt. Während vom 28. Mai bis zum 6. Juni 2010 Alsfeld-Ersatz Stadtallendorf offiziell feiert, sollen zur gleichen Zeit in Alsfeld zehn Kulturtage mit Teilnehmern aus der Region einen Gegenpunkt setzen. Hessentag von unten sozusagen.

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