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Hauptbahnhof Offenbach Versunken in Bedeutungslosigkeit

Blinde Scheiben, Sperrgitter, Schilder mit der Aufschrift "Wegen Umbau geschlossen" - der Offenbacher Hauptbahnhof ist ein trauriges Pflaster. Reisende müssen auf Service und Barrierefreiheit verzichten. Von Sigrid Aldehoff

Der Hauptbahnhof prägt das Stadtbild - hier ein Blick durch die Kaiserstraße auf die Fassade. Foto: Storch/FR

Blinde Scheiben, Sperrgitter, Schilder mit der Aufschrift "Wegen Umbau geschlossen" - der Offenbacher Hauptbahnhof ist ein trauriges Pflaster. Nicht, dass die Bahnstation beim Test der Frankfurter Rundschau vor fünf Jahren eine Serviceoase gewesen war, in der das Leben fröhlich pulsierte. Aber immerhin gab es damals dort noch Blumen und Snacks zu kaufen, eine Gaststätte, Schließfächer und eine Toilette. Dies fehlt inzwischen alles, Kaffee gibt es nur noch aus dem Automaten.

Doch seit die S-Bahnen die Pendler zum Ostbahnhof und der Station Marktplatz abziehen, wird der Service am Hauptbahnhof immer geringer. Einen Parkplatz für Pendler gibt es nicht. "Das ist auch kein Park-&-Ride-Bahnhof," sagt Matthias Müller, Leiter des städtischen Amtes für Öffentlichkeitsarbeit. "Das sind die Stationen Bieber-Waldhof und der Ostbahnhof." Dennoch wolle die Stadt "einen vernünftigen Hauptbahnhof", wie Müller betont. "Doch die permanenten Gespräche mit der Bahn, etwa über eine Renovierung, verlieren sich in einem Dickicht an Zuständigkeiten bei dem Unternehmen. Wir würden auch gerne einen Stadtplan im Bahnhof aufhängen, aber dafür möchte die Bahn Geld."

Großzügiger zeigt sich die Bahn gegenüber den Studierenden der Hochschule für Gestaltung, denen sie mietfrei im rechten Flügel des Gebäudes Räume zur Verfügung stellt. Jetzt sollen dort auch Ausstellungen gezeigt werden. Den Anfang macht im April eine Benefizausstellung mit Bildern des kenianischen HfG-Studenten Paul Omwanda, der überraschend ausgewiesen wurde. "Vielleicht könnten die Reisenden ja die Wartezeit beim Besuch der Ausstellung verbringen," sagt HfG-Sprecherin Katja Kupfer.

Das wäre zumindest ein Angebot in dem tristen Bahnhof. Immerhin ist das tägliche Bemühen um Sauberkeit erkennbar, es gibt genügend Uhren und Mülleimer. Aber es fehlt eine grundlegende Reinigung und Renovierung. Der halbherzige Versuch, die Passage durch einen hellblau-gelben Anstrich freundlicher zu gestalten, beißt sich gründlich mit den grünen Kacheln im Empfangsgebäude.

Der Fahrkartenschalter im "Servicecenter" hat nur zu bestimmten Zeiten an den Werktagen geöffnet, präsenter ist da der Zeitungskiosk.

"Wir sind der Kummerkasten im Bahnhof", sagt Dusko Markovic, der hier seit zwei Jahren arbeitet. Ob Ärger über fehlende Aufzüge zu den Gleisen, den geschlossenen Bahnschalter, fehlende Durchsagen - die Leute lassen sich mangels anderer Ansprechpartner bei Markovic und seiner Frau Dusanka aus. Richtig wohl fühlen sich die beiden nicht in dem Bahnhof. "Seit die Toilette geschlossen ist, stinkt es hier nach Urin." Die Sauberkeit sei tagesabhängig: "Hier putzen drei Leute abwechselnd - wenn der Eddie an der Reihe ist, macht der das phantastisch, die anderen - na ja."

Kiosk will erweitern

Zumindest der Kiosk will seinen Service verbessern. "Wir hoffen, im Sommer unseren Laden erweitern können", sagen die Markovics. "Dann könnten wir auch warme und kalte Snacks und Zigaretten anbieten." Den Termin Sommer konnte Ivonne Seifert von HDS Retail, Betreiber des Ladens, nicht bestätigen. Wann die Verkaufsfläche erweitert und das Sortiment aufgestockt werden könne, "hängt alles von den Gesprächen mit der Bahn ab".

In Sachen Barrierefreiheit wird aber vorläufig nichts passieren. An eine entsprechende Umgestaltung sei derzeit nicht gedacht, sagt ein Bahnsprecher. Dies könne nur in Kooperation mit dem Land erfolgen. Für die Bahn rechne sich ein solcher Umbau nicht.

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