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Frankfurter Zoo Punkten ohne Eisbär-Rummel

Unterhaltung, Bildung und Naturschutz: All das soll der Frankfurter Zoo bieten - und das ganz ohne Eisbären. Direktor Manfred Niekisch erklärt, wieso das eine Gratwanderung ist.

13.05.2008 15:05
Unterhaltung, Bildung und Naturschutz: All das soll der Frankfurter Zoo bieten - und das ganz ohne Eisbären. Direktor Manfred Niekisch erklärt, wieso das eine Gratwanderung ist. Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Der Frankfurter Zoo will ohne Eisbär- Rummel punkten. Seinen Kollegen in Berlin, Nürnberg und Stuttgart, die mit drolligen Eisbär-Babys Millionen Menschen in ihre Tiergärten gelockt haben, bescheinigt der neue Zoodirektor Manfred Niekisch (56) "tollen Erfolg".

Trotzdem scheint er froh, nicht in ihrer Lage zu sein und etwa entscheiden zu müssen, ob ein verstoßenes Junges mit der Flasche aufgezogen werden soll oder es sterben zu lassen. "Ich möchte nicht in dieser Entscheidung stehen, das ist ein großer Zwiespalt", sagt Niekisch.

Mit Eisbären jedenfalls stellt sich eine solche Frage in Frankfurt nicht, denn ihre Haltung wurde dort schon vor Jahren aufgegeben. Es sei auch nicht daran gedacht, wieder welche nach Frankfurt zu holen, versichert Niekisch. Für die Haltung in Zoos sind diese Tiere nach seiner Überzeugung ohnehin nicht geeignet, denn ihr natürlicher Lebensraum sei einfach viel zu groß. Im Zoo könnten ihnen schon deshalb keine guten Bedingungen geboten werden.

Gratwanderung

Niekisch ist auf einer Gratwanderung zwischen Unterhaltung, Bildung und Naturschutz. Alles soll der Frankfurter Zoo bieten, dessen Leitung er am 1. März übernommen hat.

Der Naturschutzgedanke soll im Vordergrund stehen, allein dieses Ziel bewog Niekisch, sich für das Amt zu bewerben. Der Biologe hatte zuvor an der Universität Greifswald Internationalen Naturschutz gelehrt und beschäftigt sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich mit dem Schutz bedrohter Arten.

Im Artenschutz soll der Zoo nach seiner Vorstellung nach außen wirken - mit den Zootieren als Stellvertreter ihrer bedrohten Artgenossen "draußen". Am Beispiel der vorgestellten Tiere könnten Probleme in der Heimat geschildert werden, dazu soll die enge Verbindung zur Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) genutzt werden, deren Vizepräsident Niekisch zugleich ist.

Die ZGF engagiert sich im internationalen Naturschutz und unterstützt weltweit rund 70 Projekte. Neben Gehegen mit bedrohten Arten seien ZGF-Informationen über die Gründe für die Bedrohung denkbar - mit Filmen aus der Heimat der Tiere, etwa über die Zerstörung tropischer Regenwälder oder über Wilderei.

Niekisch: Wildfänge unnötig

Wildlebende Tiere für Zoos zu fangen, sei heutzutage überflüssig, meint Niekisch. Die sogenannten Erhaltungszuchtprogramme in den Zoos machten Wildfänge unnötig.

Mit 15 Rostkatzen, einer bedrohten Katzenart aus Sri Lanka, ist Frankfurt Weltzentrum für diese bedrohte Art. Für Nachzuchten aus dieser Gruppe gibt es weltweit Nachfrage aus anderen Zoos.

Auch für die Gorillas koordiniert Frankfurt das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Mit Populationen "ex situ" (lat. = außerhalb des natürlichen Lebensraumes) könnten die Zoos den Menschen zeigen, wie wichtig Artenschutz ist.

"Ökologische Zombies"

Im Zoo geborene Jungtiere auszuwildern, hält Niekisch nur in Ausnahmefällen für möglich. "Ökologische Zombies" nennt er die Zootiere, die sich an regelmäßiges Füttern und medizinische Versorgung gewöhnt haben. Setzte man beispielsweise Gorillas aus Frankfurt aus, würden sie ohne jeden Zweifel innerhalb kurzer Zeit im Kochtopf landen. Gorillafleisch ist eine gesuchte Delikatesse in der afrikanischen Heimat der Tiere.

Um den Zoo interessanter für die Besucher und das Leben hinter Gittern oder Panzerglas besser für die Tiere zu machen, wird in Frankfurt darüber nachgedacht, verschiedene Arten zusammen in Gehegen zu zeigen. Zebras, Giraffen und Flusspferde könnten sich beispielsweise miteinander vertragen, meint Niekisch.

Die Gehege könnten dann größer sein, ohne neuen Platz zu brauchen - in dem elf Hektar kleinen Innenstadtzoo ein wichtiger Aspekt. Es würde freilich nicht gut gehen, Löwen und Gazellen zusammenzubringen.

Zoo soll Bewusstsein für Naturschutz stärken

Zoobesucher sollen nach der Vorstellung von Niekisch mit einem gestärkten Bewusstsein für Naturschutz nach Hause gehen. "Wir wollen zeigen, dass Vielfalt etwas Schönes ist, das es zu schützen gilt." Erhaltungszuchten von Eisbären oder Affen allein seien jedenfalls sinnlos.

"Jeder Artenschutz muss sich draußen manifestieren", betont Niekisch. "Dafür müssen Zoos insgesamt sehr viel aktiver werden." Das fordert auch der Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft, Christof Schenck.

Für ihn haben Zoos überhaupt nur eine Berechtigung, wenn ihre Tiere direkten Einfluss auf den Artenschutz haben. "Davon sind wir aber noch sehr weit entfernt", kritisiert er.

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