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Frankfurt für Anfänger Sich fortpflanzende Töne

In der Eschenheimer Anlage erinnert ein Denkmal an Philipp Reis, den Erfinder des Telefons.

09.02.2009 00:02
MATTHIAS ARNING

Wo der Jüngling auftaucht, kann der Fortschritt nicht fern sein. Ganz so muss sich für Friedrich Hausmann der Zusammenhang dargestellt haben. Zwei Jünglinge, das Telefon, der Fortschritt - was sollte ein Denkmal zu Ehren von Philipp Reis sonst noch brauchen, mag sich der Bildhauer des Jugendstils gedacht haben, als er 1911 sein Werk in massivem, wenngleich blassem Stein gefertigt hat. Über den beiden Jünglingen, weit über ihnen, platzierte Hausmann die Büste des Physikers selbst.

Dieses Denkmal in der Eschenheimer Anlage gleich hinter einem an Kinoabenden überaus stark frequentierten Imbiss ist im Grunde gar kein Denkmal für das Lebenswerk eines über die Zeiten hinaus wirkenden Menschen. Das Bauwerk ist ausdrücklich dazu da, einen einzigen Augenblick im Leben des 1834 in Gelnhausen geborenen Erfinders festzuhalten. Es geht um den 26. Oktober des Jahres 1861. An diesem Tag ist Reis, der zwischen 1858 und 1863 an ersten Prototypen seines Telefons gearbeitet hat, zu Gast im Physikalischen Verein in Frankfurt gewesen. Einem ehrwürdigen Verein. Reis sprach dort "Über die Fortpflanzung von Tönen auf beliebige Entfernungen durch Vermittlung des galvanischen Stroms". Nach diesem Auftritt konnte es keinen Zweifel mehr geben: Mit der anschließenden Drucklegung dieses wissenschaftlichen Berichts über Kontaktmikrophon und Telefon sollte Reis die nötige Anerkennung für seine, die Welt auf den Kopf stellende Erfindung zu teil werden. Kein Zufall, dass der Erfinder des Geräts, das Töne über elektrische Leitungen zu übertragen wusste, diese Entdeckung in Frankfurt vorstellte: Schon im jugendlichen Alter von 14 Jahren kam Reis in die Stadt am Main, um nach dem frühen Tod seiner Eltern am Hasselschen Institut seiner schulischen Ausbildung nachzugehen, bevor er bei Johann Friedrich Beyerbach eine kaufmännische Lehre absolvierte.

Reis blieb es nicht vergönnt, sein Telefongerät weiterzuentwickeln. 1874 starb er. Man setzte ihn an seinem Wohnort in Friedrichsdorf bei. Erst knapp vier Jahrzehnte später besann sich Frankfurt auf einen großen Mann, dessen Erfindung Alexander Graham Bell vorantrieb. In den Wallanlagen, nahe an den Quartieren der Gründerzeit, baute Hausmann sein Werk. In Erinnerung an einen Tag im Oktober 1861. Zwei Jahre später stellte Reis seine Erfindung im Goethehaus dem österreichischen Kaiser Franz Josef vor.

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