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Tauchen im See Abgetaucht

Heute tauchen wir ab und sagen, wie und wo in Hessen man das lernen kann. Denn nicht nur im Meer, auch in Hessens Seen gibt es unter Wasser einiges zu entdecken.

18.07.2012 21:59
Von Laura Wagner
O für okay: Der Tauchgang in der grün schimmernden Unterwasserwelt kann weitergehen. Zeichensprache ist ein Muss, unsere Autorin (links) beherrscht sie. Foto: HTSV

Heute tauchen wir ab und sagen, wie und wo in Hessen man das lernen kann. Denn nicht nur im Meer, auch in Hessens Seen gibt es unter Wasser einiges zu entdecken.

Als das Wasser meinen Neoprenanzug flutet, zucke ich zusammen. Mehr oder weniger angenehme 16 Grad hat das Seewasser. Doch das hält mich von meinem Vorhaben, im Steinbruchsee Schönbach zu tauchen, nicht ab. Die Information von Tauchlehrer Carsten Schneider, dass in dem See Welse leben – der größte ein Monstrum von über zwei Metern Länge, wie er begeistert erzählt – schon eher. Dem will ich lieber nicht zu nahe kommen.

Misstrauisch beäuge ich den 33 Meter tiefen See. Seit ich vor einigen Jahren in Ägypten meinen Schein gemacht habe, bin ich nur im Meer abgetaucht. „Für viele ist das erste Mal im See ein Schock“, sagt Ilka Willand vom Hessischen Tauchsportverband, während sie Atemgerät und Pressluftflasche kontrolliert. Kurze Zeit später beginne ich zu begreifen, was sie meint. Nachdem ich meine Geräteflossen im hüfthohen Wasser angezogen habe, geht es los. Nicht nur ist das Wasser ungewohnt kalt – trotz Haube, Handschuhen und dickem Halbtrockenanzug, mit dem Ilka mich ausgerüstet hat. Die Sichtweite ist mit vier bis zehn Metern deutlich begrenzter als im Meer. Alleine würde ich mich hier – trotz Kompass – nicht reinwagen. Sobald ich mit dem Kopf unter Wasser gehe, verschließen sich meine Ohren. Ilka formt mit Daumen und Zeigefinger ein „O“, will wissen, ob alles okay ist. Ich halte meine Nase zu und versuche, durch sie auszuatmen. Es knackt, die Ohren sind frei. Ich forme ebenfalls ein „O“. Ohne Zeichensprache wären Taucher aufgeschmissen.

Schnell gewöhne ich mich an das milchig-grüne Wasser. Ich lasse Luft aus meinem Jackett, um tiefer zu tauchen. Zwar tummeln sich im See weder Riesenschildkröten noch Haie, langweilig wird es trotzdem nicht – schon allein wegen des Welses, der mir suspekt ist. Aber der ist nicht zu sehen. Dafür geraten wir schon dicht unter der Wasseroberfläche in einen Schwarm kleinerer Fische. Bäume ragen ins Wasser, Äste und Wurzeln scheinen über mir zu schweben. Weiter unten begegnen uns Lachse und Karpfen, auf einem Felsvorsprung glänzt eine goldene Oscar-Statue – aufgestellt von einem Taucher.

Geringerer Auftrieb als im Meer

In fünf und zehn Metern Tiefe liegen die beiden Übungsplattformen des Sees. Wir machen halt, Carsten fordert mich auf, die zweite Stufe – den Teil des Atemreglers, den ich im Mund habe und durch den ich Pressluft aus meiner Flasche ansauge und ausstoße – herauszunehmen und wieder einzusetzen. „Übung kann man nie genug haben“, sagt der Lehrer vom Verband Deutscher Sporttaucher später.

Das Tauchen im See erweist sich als angenehm. Anders als im Meer schleppe ich nicht neun Kilo Blei mit mir herum, sondern nur fünf – wegen des geringeren Auftriebs. Als Wasser in meine Maske läuft, bleibt kein Brennen in den Augen zurück, nachdem ich die Taucherbrille ausgeblasen habe. Im Salzwasser wäre das anders. Insbesondere für Anfänger seien das große Vorteile, sagt Carsten, der mit 39 schon über tausend Tauchgänge hinter sich hat.

Nach einer Viertelstunde dringt die Kälte stärker durch. Wir drehen um, um noch den Lieblingsplatz der Welse im anderen Teil des Sees zu erkunden. Großartig, aber ich schwimme brav mit. Plötzlich taucht rechts von mir ein Schatten auf, meine Atmung beschleunigt, ich beiße fest auf das Mundstück aus Gummi, drehe langsam den Kopf. Es ist nur ein Hecht, kein Wels. Nach einer halben Stunde endet der erste Ausflug in den See. Ich komme wieder, das Gewässer hat es mir angetan, und irgendwie will ich den Riesen-Wels doch mal sehen.

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