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Stehpaddeln Main Auf dem Wasser stehen

Fürs Stehpaddeln braucht man nicht viele Voraussetzungen, aber das Gleichgewicht muss man halten können. Und den festen Glauben haben, dass das auch alles mit rechten Dingen zugeht. Tut es.

09.08.2012 12:09
Laura Wagner
Wasser hat Bretter. Foto: FR/Schick

Fürs Stehpaddeln braucht man nicht viele Voraussetzungen, aber das Gleichgewicht muss man halten können. Und den festen Glauben haben, dass das auch alles mit rechten Dingen zugeht. Tut es.

Sonderlich vertrauenserweckend sehen die Boards nicht aus, wie sie da am Mainufer auf einem Steg am Mainwasenweg in der Sonne liegen. „Darauf soll ich also im aufrechten Stand auf dem Main paddeln“, denke ich skeptisch. Auch als die Boards kurze Zeit später schaukelnd auf dem Wasser liegen wird mir nicht wohler. „In zehn Minuten werdet ihr alle auf den Brettern stehen“, sagt Robin Kassel von Windsurfing Rhein-Main, der den Stehpaddel-Kurs leitet. Na dann.

Erst einmal hocken wir uns auf die Boards und paddeln langsam an das andere Mainufer. „Schaut mal auf eure Paddel, die haben einen Knick“, sagt Robin. Stimmt. „Die abgeknickte Seite nach vorne.“ Aha. Geht schon viel besser.

Am anderen Mainufer angekommen steht ein Teil der Gruppe langsam auf. Ich versuche es, das Brett wackelt gefährlich. Ich stehe, aber nur kurz. Bevor ich im Main lande, lasse ich mich doch lieber noch mal in die Hocke zurück. „Tauscht mal die Boards“, sagt Robin und winkt einen Mann heran. Der ist Profi und hat ein breiteres Brett, so wie die meisten. „Da hast du mehr Stabilität, aber bist auch etwas langsamer“, sagt Robin. Egal, ich will ja nicht über den Main rasen. Könnte ich wahrscheinlich auch nicht, der Sport geht ganz schön in die Arme.

Nach einem waghalsigen Tauschmanöver stehe ich schließlich breitbeinig auf der Mitte meines neuen Brettes, nur mit einem Paddel in der Hand – und bin erstaunt, wie leicht es ist oben zu bleiben, wenn man erst einmal das Gleichgewicht gefunden hat. Begeistert paddele ich drauf los. Na bitte, geht doch, denke ich. Die Zuversicht schwindet, als ein Motorboot an uns vorbeirauscht. Die Bugwelle lässt unsere Bretter auf dem Main tanzen. Zwei meiner Begleiter fallen ins lauwarme Wasser. „Hast du Angst, nass zu werden?“, fragt Robin mich. „Nö“, sage ich. Das ist auch gut so, denn eigentlich geht jeder mal baden – absichtlich oder nicht. Wäre sonst ja auch viel zu langweilig.

Schnell verfliegt die Unsicherheit, ein Gefühl von Freiheit macht sich breit. So müssen sich auch die Einwohner Polynesiens fühlen, die die Bretter erfunden haben. Ich schippere zwar nicht auf dem Pazifik umher, aber auch auf dem Main gibt es einiges zu sehen. Laut kreischend und uns gegenseitig mit Wasser bespritzend bewegen wir uns mit kräftigen Paddelschlägen in Richtung Innenstadt. Es geht an dem EZB-Neubau vorbei, unter der Flößer- und Ignatz-Bubis-Brücke hindurch und an der Maininsel vorbei. Da kommt plötzlich Gegenverkehr in Form von Tretbooten. Gekonnt dirigieren wir unsere Stehbretter zwischen ihnen hindurch.

Zu geschwächt zum Tragen

Stand Up Paddle Surfen (SUP) hat sich zum Trendsport gemausert. Seit drei Jahren gibt Robin Kurse. „Immer mehr wollen es ausprobieren und viele bleiben auch bei diesem Sport“, sagt der Mann mit den halblangen blonden Haaren. Um mit dem Stehpaddeln zu beginnen, braucht es nicht viel: Badekleidung, ein Handtuch und gute Laune. Und schwimmen sollte man können.

Zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke legen wir beim Döner-Boot eine kurze Pause ein, setzen uns auf die Bretter und trinken kaltes Wasser. Das tut gut. Die Landratten beäugen uns mit einer Mischung aus Neugier und Verwunderung. Aber genug ausgeruht, wir müssen schließlich auch wieder zurück.

Ein Ausflugsschiff fährt an uns vorbei, Wellen lassen uns ordentlich wackeln – aber wir haben es ja jetzt drauf und fangen uns wieder. „Jetzt mal ein bisschen schneller“, ruft Robin und legt ordentlich Tempo vor. „Wir machen hier ja schließlich Sport.“ Das merkt man am Ende des Kurses auch. Arme und Beine werden schwerer, es geht langsamer voran. „Ich musste schon Leute hinter mir herziehen, weil sie nicht mehr konnten“, sagt Robin. Von uns schaffen es alle aus eigener Kraft zurück an den Steg. Nur die dicken Bretter aus dem Wasser zu heben und die Rampe hochzutragen, dafür fehlt einigen dann doch die Kraft – obwohl die Bretter für ihre Größe erstaunlich leicht sind.

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