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FR-Leser-Tour Karolingisches Kleinod

Die Justinuskirche in Frankfurt-Höchst ist die älteste Kirche der Stadt. Das Gebäude aus der Zeit der Karolinger hat einiges zu erzählen. Leser der Frankfurter Rundschau erfahren auf einer Führung mehr über das Gotteshaus.

Die Justinuskirche in Frankfurt-Höchst wurde im 9. Jahrhundert erbaut . Foto: Christoph Boeckheler

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Am Schönsten ist die Ankunft mit der Fahrradfähre, die den Main überquert. Schon von Bord lässt sich die Schauseite der Justinuskirche überblicken. Eindrucksvoll prägt sie die Höchster Kulisse. Im 9. Jahrhundert hoch oben über dem Main erbaut, ist die dreischiffige Basilika die älteste Kirche Frankfurts und eine der ältesten noch weitgehend erhaltenen karolingischen Kirchen in Deutschland überhaupt.

Ernst-Josef Robiné ist Vereinsvorsitzender der Stiftergemeinschaft Justinuskirche und führt die Besucher durch das Bauwerk und seinen lauschigen Garten, von wo aus der 60-minütige Rundgang startet. Im Garten finden sich über 300 Pflanzenarten. Es blühen Rosen, ranken Himbeerbüsche, und auch der Akanthus wächst dort – ihm werden wir später im Innenraum noch einmal begegnen.

Doch zunächst geht es um den Außenbau. „Die Kirche stand vollkommen exponiert und sollte von weit her gesehen werden“, erklärt Robiné. Im 9. Jahrhundert existierte die Stadtmauer noch nicht, die nun an der Kirche entlangläuft. Der Mainzer Erzbischof Otgar wollte mit dem Bau seine Macht demonstrieren und ein Zeichen gegen den Frankfurter Königshof setzen. Eine logistische Meisterleistung ist der Bau allemal. So stammt der Basalt, aus dem Teile der Kirche errichten wurden, zwar aus der Nähe, aber der rote Mainsandstein musste mit Flößen aus der Pfalz nach Höchst geschifft werden. Um 850 konnte die Kirche von Otgars Nachfolger Rabanus Maurus, einem der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, geweiht werden. 1441 übernahm der Orden der Antoniter die Justinuskirche. Sie wollten eine moderne gotische Kirche und bauten den mächtigen, lichtdurchfluteten Chor und die Seitenkapellen an der Nordwand an. Da dem Orden aber das Geld ausging, hat sich die Gestalt der Kirche seitdem nicht wesentlich verändert.

Wir betreten die Basilika durch das gotische Portal an der Nordseite, das von den beiden Skulpturen des Paulus von Theben und des Mönchsvaters Antonius flankiert wird – es sind jedoch Repliken; die Originale finden sich in der Taufkapelle. Der Bildhauer der Skulpturen stammt wahrscheinlich aus dem Umfeld des Frankfurter Stadtbaumeisters Madern Gerthener.

Drinnen fällt der Blick als erstes in das Langhaus, das aus karolingischer Zeit stammt und original erhalten ist. „Das ist einmalig diesseits der Alpen“, erklärt Robiné. Die korinthischen Kapitelle der Säulen, die die Bogenstellung tragen, sind verziert mit dem Akanthuslaub und zählen zu den bedeutendsten Stücken der Bauplastik des neunten Jahrhunderts.

Ernst-Josef Robiné kennt in der Justinuskirche jeden Winkel. Er weist die Besucher auf einen Schlussstein in der Sakristei hin, der die Leidenswerkzeuge („Arma“) Christi zeigt, wie zum Beispiel die Lanze, Nägel, die Dornenkrone und das Kreuz. Wir erfahren, dass unter dem Hochaltar eine Quelle entspringt, die noch immer aktiv ist und deshalb für ein feuchtes Klima in der Kirche sorgt.

Die Ausstattung der Kirche ist bemerkenswert: Der gotische Kreuzaltar von 1485 in der Mittelkapelle ist nach zehn Stichen von Martin Schongauer entstanden. Auf ihnen sind die Kreuzigung Jesu und die Szenen der Kreuzlegende dargestellt – und Robinés begeisterte Schilderungen erwecken die biblischen Figuren fast zu neuem Leben.

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