Lade Inhalte...

Ferien zu Hause Auf dem See stehen

Beim Stand-Up Paddling fällt es zunächst schwer voranzukommen, aber den Dreh hat man schnell raus.

Wassertaxi: Autor fährt seinen Neffen über den Großkrotzenburger See... Foto: Clemens Dörrenberg

Die ersten Stehversuche auf dem Brett sind noch sehr wackelig. Das Wasser des Großkrotzenburger Sees lässt das rund 12 Kilogramm schwere und fast vier Meter lange Stand Up Paddling-Brett, kurz SUP genannt, hin- und her wiegen. Mit Beinen und Oberkörper versuche ich zu balancieren. „Hast du das Gefühl reinzufallen?“, fragt mich mein achtjährige Neffe Luke, der sich auf die „Nose“, der Spitze des Bretts gesetzt hat und mit mir auf den See hinaus gleitet. Nein, eigentlich nicht, geht mir durch den Kopf. Auch wenn es schwankt, scheint das etwas zu dick geratene Surfbrett relativ stabil auf dem wellenlosen Nass zu liegen und durch seine Breite die Schwankungen der Wasseroberfläche auszugleichen.

Und das, obwohl das Brett lediglich aufgepumpt wurde. „Es besteht aus fünf Schichten und im Innern sorgt eine Art Faserschaum für Stabilität“, erklärt Vincent Houben vom SUP-Verleih „Soneart“, der per Pumpe am Auto den Luftdruck von 0,8 Bar in den Hohlkörper befördert hat. So kann es relativ leicht in einem Rucksack an entlegene Wasser-Einstiegsstellen befördert werden. Nach kurzer Einleitung durch Vincent und seine Mutter Sabine werden Anfänger bereits zu See gelassen. Erste Übung zuvor noch an Land: Einen Arm in die Höhe strecken, so wird die verstellbare Länge des Paddels auf den Nutzer eingestellt. Danach der Hinweis: Zunächst in der Mitte des Bretts hinknien, Paddel zwischen die Beine oder quer vor sich gelegt, dann langsam aufstehen, das obere Paddelende in eine Faust gehüllt und die andere Hand an der Paddel-Stange. Dann kann es auch schon los gehen.

„Wenn du lange Züge mit dem Paddel wie beim Kanu fahren machst und dicht am Brett bleibst, fährst du geradeaus“, gibt mir der 20-jährige Houben noch mit auf den Weg. Seit rund vier Jahren rudert er mit den breiten Brettern über das Wasser. Je weiter ich das Paddel vom Brett weg bewegen würde, desto mehr könnte ich die Richtung bestimmen. Soweit ist die Theorie klar. Geradeaus gleiten ist auch in der Praxis kein Problem. Lenken erscheint hingegen für Fortgeschrittene.

Auch wenn ich von den acht Verleih-Brettern eines mit abgerundeter Spitze erwischt habe, das wendiger sein soll, fällt es zunächst etwas schwer das Gefährt zu drehen. Ähnlich geht es auch meinem Neffen, der zwischenzeitlich mich, auf dem Brett sitzend, herum kutschiert. Ein wenig erinnert das an Gondoliere, die Touristen durch Venedigs Kanäle manövrieren. Neffe Luke schlägt sich sehr wacker, vor allem weil das Paddel für zu lang ist.

Katharina Curtius aus Wehrheim im Taunus und Peter Koberg aus Bad Homburg sind mit ihren Töchtern im Teenager-Alter eigens zum Steh-Paddeln an den Krotzenburger See gekommen. Sie sind begeistert und lassen vor Ende ihrer Paddelversuche Erinnerungsfotos vom Ufer aus schießen. „Erstmal fühlte ich mich wie ein Stein im Wasser“, sagt Curtius, die auf dem wackeligen Brett debütiert. Wenn man aber zum ersten Mal ins Wasser gefallen sei, finde man die passende Koordination für sich. Die 45-Jährige bezeichnet die Sportart im wahrsten Sinne „erfrischend“. Das wacklige Gefühl auf dem Board findet ihre Tochter Johanna lustig.

Papa Koberg, der bereits bei schwierigeren Bedingungen an der Ostsee mit Wellengang geübt hat, hebt als positive Eigenschaft die „Stärkung des Gleichgewichtsgefühls“ hervor. Dem 55-Jährigen gefällt das „schöne Gleiten“. Angenehm sei, dass man sich dabei mit seinem Stehpaddel-Partner auf dem Brett nebenan auch noch unterhalten könne.

Sabine Houben hat als ausgebildete Fitness-Trainerin auch schon Yoga-Kurse auf den Brettern geleitet. Jede ihrer Teilnehmerinnen hätte zuvor drei Mal das Stehpaddeln geübt. Danach ging es ab zum Sonnengruß und anderen Übungen. Houbens ältester Kunde sei stolze 80 Jahre alt, wenn auch geübter Skifahrer gewesen und die älteste Kundin habe mit ihren immerhin 73 Jahren ebenfalls noch sehr sportlich gewirkt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen