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Erbeben-Warte im Taunus Chronik eines bewegten Planeten

Wenn die Erde in Südamerika bebt, springen im Taunus die Instrumente an. Unsere Leser erkunden das Erdbeben-Observatorium auf dem Kleinen Feldberg im Taunus.

Spannende Einblicke ins Taunus-Observatorium auf dem Kleinen Feldberg.

Vom Parkplatz „Windeck“ sind es wenige hundert Meter bis zum Kleinen Feldberg. Der Gang auf den Gipfel ist verwehrt, das Gelände von einem Zaun umschlossen. Ein Schild am Eingangstor gibt Auskunft: „Taunus Observatorium, gegründet 1913 durch den Physikalischen Verein zu Frankfurt am Main“.

Professor Franz Linke war es, der vor dem ersten Weltkrieg im Frankfurter Bürgertum Sponsorengelder sammelte, um in 826 Meter Höhe eine Wetterbeobachtungsstation einzurichten. Gebaut wurden auch zwei Wohnhäuser für wissenschaftliche Assistenten und die Familie des Verwalters. „Bis vor fünf Jahren war das Verwalterhaus noch bewohnt“, sagt Meteorologe Bertram Bühner.

Mittlerweile sind die Gebäude sanierungsbedürftig – der Zahn der Zeit hat auch am „Schwedenhaus“ genagt, einem hölzernen Fertigbau mit repräsentativem Flair. Das „Schmuckstück“ diente als Empfangshaus, in dem Gäste wohnen konnten. „Hier herrschte in den ersten Jahren reger Betrieb.“ In dem Gästebuch hat sich unter dem Datum 20. August 1913 als erster Unterzeichner der damalige Kaiser Wilhelm mit schwungvoller Unterschrift verewigt. Die Frankfurter Großbürgerin Antonie von Reinack als größte Geldgeberin schließt sich an. Auf einem historischen Foto sind die Ballonhalle und eine Gleisanlage mit Motorwinde zu sehen, die Wetterkarten der deutschen Seewarte, beginnend mit dem Jahr 1870, schmücken die Bibliothek des Observatoriums.

Die Vorrichtungen für Ballonflüge sind verschwunden, moderne Aufzeichnungsgeräte dienen heute der Erdbeben- und Wetterbeobachtung. Verantwortlich ist das Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität. „Von uns ist jeden Tag einer hier oben“, so Bühner, der für die Besucher das in den 1970er Jahren entstandene Wirtschaftsgebäude mit den Laborräumen aufschließen wird. Registriert sind die unmerklichen und die verheerenden Erdbeben rund um die Welt. Am Computer-Bildschirm lassen sie sich zurückverfolgen – beispielsweise bis zum 29. November 1997: in Bad Camberg kam es zu „wackelnden Möbeln, klirrenden Scheiben und ungewöhnlichem Tierverhalten“.

Der unterirdische Feldberg-Seismograf ist dreidimensional ausgerichtet und einem weltweiten Netzwerk angeschlossen. „Das Erdinnere bewegt sich ständig – wie ein großer Wackelpudding.“ In der alten Erdbebenwarte ist ein Museum untergebracht. Schaubilder, mechanische Modelle und historische Geräte informieren über den Methoden-Wandel einer Wissenschaft.

Seit seinem Bestehen gehört auch die Erforschung atmosphärischer Zustände zu den Aufgaben des Instituts. Temperaturen, Feuchte und Druck der Luft werden ständig gemessen und fließen in die aktuelle Wetterkartierung ein. „Verlässliche Vorhersagen umfassen höchstens drei Tage“, sagt der 31-Jährige, der Klimaveränderungen für unausweichlich hält. Hier denke man in großen Zeiträumen. „Ein kalter Sommer ist statistisch nicht relevant.“

Auf der Kuppe des Kleinen Feldbergs steht die Containerstation, in der täglich Proben genommen werden. Derzeit laufen Untersuchungen zur Feinstaub-Zusammensetzung. Auf dem Dach atmet der Gast nicht nur die weitgehend unbelastete Taunus-Luft, der grandiose Ausblick umfasst das gesamte Siedlungsband bis zu den Flüssen Main und Rhein.

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