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Barfußpfad Bad Orb Über Scherben gehen

Der Barfußpfad in Bad Orb ist mit viereinhalb Kilometern der längste Deutschlands. Schüler und Lehrer haben sich 36 Stationen ausgedacht.

Im Kurpark beginnt und endet der Parcours, für den man rund drei Stunden einplanen sollte. Foto: Bad Orb Marketing GmbH

Die Beine werden schwerer, immer tiefer versinken sie im Schlamm, als Knietiefe erreicht ist, hilft es auch nicht mehr, die Hose hochgekrempelt zu haben. Schwarz färben sich die Ränder der Jeans. Am Holzgeländer hängen Erwachsene, heben ihre Knie hoch in die Luft, während Kinder diese Station des Parcours längst hinter sich haben und freudig mitansehen, wie ihre Eltern sich dreckig machen, stöhnen und schimpfen – und dann doch lachen. Kaum ist der Dreck getrocknet, geht es ab in den eisig kalten Bach, an Seilen entlang hangelnd muss die Orb durchquert werden, gegen die Strömung, auf kleinen Steinchen gehend.

Rund viereinhalb Kilometer lang ist der längste Barfußpfad Deutschlands, der in Bad Orb im Main-Kinzig-Kreis liegt. Er führt auf einem Rundweg zunächst vom Kurpark bis zum Wildpark an der Orb entlang, dann geht es über einen ausgebauten Feldweg wieder zurück. Er entstand im Rahmen eines Projektes der Kreisrealschule Bad Orb. Biologielehrer Gerhard Menzel-Schüßler hat den Pfad mit Schülern und Lehrern geplant und gebaut. Nach wie vor kümmern sich Acht- bis Zehntklässler im Wahlpflichtkurs „Barfußpfad“ ehrenamtlich um die Anlage, die 36 Stationen umfasst. Gegen eine kleine Gebühr führen sie auch Touristen und Anwohner über den Pfad, erklären Pflanzen, Tiere und Mineralien, die dabei zu entdecken sind.

Schon in der Konzipierung haben sich die Jugendlichen und ihre Lehrer allerlei ausgedacht: Wer den Parcours nimmt, kann über einen Balken balancieren, Steine, Holz und anderen Materialien mit den Füßen ertasten, von einem Pfahl zum nächsten springen oder über Glasscherben und Tannenzapfen gehen. Was schmerzhaft klingt, ist bisweilen vor allem eine Pediküre. Es geht darum, die Natur direkt zu erleben, sie zu spüren, ein Gefühl für unterschiedliche natürliche Stoffe zu entwickeln.

Nach rund der Hälfte der Zeit und den ersten 26 Stationen wartet das Kneipp-Tret-Becken am Wildpark – doch vorher müssen die Füße am Bach gesäubert werden. Kaltes Wasser soll den Kreislauf in Schwung bringen und die geschundenen Füße entspannen.

Die Schleife des Rundwegs ist an einem wunderbaren Ort für eine kleine Pause gelegen, denn sie befindet sich direkt am Wildpark, in dem Rotwild, Ziegen, Esel, Pferde, Schweine und Nandus an einem Hang leben. Der eigentliche Pfad führt entlang des Zauns auf eine kleine Anhöhe, wer nicht auf dem Barfußpfad bleibt, erreicht nach ein paar Metern das Eingangstor zum kostenfreien Wildpark.

Esel, Pferde, Ziegen und Schafe bewegen sich frei auf dem Grundstück und sind zutraulich. Das wurde einigen Tieren allerdings schon zum Verhängnis. Im vergangenen Jahr starben vier Tiere, weil sie nicht passendes Futter von Besuchern gefressen hatten. Eine Familie hatte im November den Ponys vier Packungen Toastbrot gegeben, ein 36-jähriges Tier starb an einer Kolik und führte zu einer regen Anteilnahme in sozialen Medien.

Nach rund zweieinhalb Kilometern Wegstrecke eignet sich die kleine Rast zudem für einen Besuch im Café Waldfriede, der hintere Ausgang des Wildparks führt direkt zum Hof der Konditorei. Das Café ist über Bad Orbs Grenzen hinaus bekannt, Angestellte berichten von Menschen, die 100 Kilometer für ein Stück Kuchen gefahren kommen. Wenn es denn bei einem Stück bleibt, denn die Auswahl ist enorm: 32 verschiedene Torten und Kuchen stehen auf der Karte, mal mit viel Schokolade, mal mit Streusel, oft mit frischem Obst. Zwei Terrassen, eine Richtung Tierpark, bieten viel Platz.

Der Rückweg ab dem Wildtierpark – der vordere Eingang führt zurück auf den Barfußpfad – hat weniger zu bieten als der Hinweg. Über Waldboden, zwei Schwebebalken und einen Weidentunnel müssen schließlich fast zwei Kilometer ohne Station zurückgelegt werden. Immerhin geht es bergab, mit einem schönen Blick auf das Orbtal und den Spessart, bis hinunter zum Kurpark, wo die letzten Stationen, wie ein Mulch- oder Kieselfeld warten. Wer noch nicht genug hat, legt direkt an der Strecke einen Zwischenstopp im Freibad mit Naturbadeteich und beheiztem Freizeitbecken (Erwachsene 4 Euro / Kinder 2,50 Euro) oder auf der Minigolfanlage von Olliz‘ Restaurant ein.

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