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Sabine Thurau Neuanfang auf altem Posten

Nach fast dreijährigem Hickhack kehrt Sabine Thurau in ihr Amt zurück und ist wieder Präsidentin des hessischen Landeskriminalamtes. Jetzt will die 58-Jährige nach vorne schauen. Wie gut ihr das gelingen wird, hängt nicht nur von ihr selbst ab. Noch immer gibt es Vorbehalte gegen sie.

Sabine Thurau ist an die Spitze des hessischen Landeskriminalamtes (LKA) zurückgekehrt. Hessens Innenminister Boris Rhein (r.) hatte sie einst entlassen. Foto: dpa

Was für ein Unterschied! Pompös wurde Sabine Thurau im März 2010 vom damaligen Innenminister Volker Bouffier (CDU) in ihr Amt als Präsidentin des Landeskriminalamts (LKA) eingeführt. Es gab Musik, Reden und Häppchen.

Am Mittwoch veranstaltete das LKA in Wiesbaden keine Feier, sondern nur eine Dienstbesprechung. Dabei war der Einschnitt für die Behörde nicht weniger tief als damals. Nach fast dreijähriger Zwangspause kehrte die zu Unrecht entlassene Präsidentin Thurau in ihr Amt zurück.

Kurz trat Rhein mit der alten und neuen LKA-Präsidentin vor die Tür und verkündete: „Es findet jetzt ein verwaltungstechnischer Vorgang statt, dass Frau Thurau in das Amt zurückkehrt.“ Zwar wies der Minister darauf hin, dass Thurau inzwischen „vollkommen rehabilitiert“ sei. Allerdings erwähnte er, dass sich seine höchstrangige Polizistin noch in der Probezeit befinde.

Die SPD-Politikerin Nancy Faeser, die Rhein als Innenminister ablösen könnte, nannte die Rückkehr Thuraus „überfällig“. Es sei mit der Fürsorgepflicht eines Dienstherrn kaum zu vereinbaren, dass versucht worden sei, „die ungeliebte LKA-Präsidentin aus dem Amt zu drängen“.

Auf diesen Tag hat Sabine Thurau lange warten müssen. „Ich fühle mich sehr gut, mir hat meine Arbeit sehr gefehlt“, sagte sie. Mit ihrer Suspendierung im November 2010 hatte für die Wiesbadenerin eine Leidenszeit begonnen. Ihre Abordnung ins Innenministerium war eine Degradierung mit vielen Facetten.

Ihren Dienst versah sie quasi in einem Abstellraum, sie hatte nicht einmal einen eigenen Schrank, und wenn Heizungsmonteure reinkamen, musste sie ihre Arbeit unterbrechen. Was nicht weiter schlimm war, denn viel zu tun hatte die hochrangige Polizeibeamtin nicht. Sie leitete ein Projekt zur Einführung der elektronischen Personalakte, doch viel zu tun war nicht mehr.

"Bittere Erfahrung"

Wie sehr die dreifache Mutter privat darunter gelitten hat, lässt sich nur erahnen, sie selbst will dazu nichts sagen. Nach dem Freispruch des Landgerichts vom Vorwurf der uneidlichen Falschaussage hatte sie immerhin einen kurzen Einblick in ihr Innenleben gegeben. Ihre elfjährige Tochter sei in der Schule aufgrund der zahlreichen Medienberichte gehänselt worden. „Das war eine sehr, sehr bittere Erfahrung“, sagte Thurau seinerzeit.

Angefangen hatte das Drama mit Thuraus Abordnung ins Frankfurter Polizeipräsidium im Dezember 2005. Der damalige Innenminister Volker Bouffier (CDU) wollte, dass sie dort ausmistet. Doch das war leichter gesagt als getan. Die hartgesottenen Beamten wollten sich von einer Frau ungern was sagen und erst recht nicht ins Handwerk pfuschen lassen. Was folgte, war eine Schmutzkampagne mit gegenseitigen Vorwürfen, Verdächtigungen und Beschuldigungen, die Thurau schließlich selbst auf die Anklagebank führten. „Es war für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung, die mich nicht nur demütig gemacht hat, sondern mir auch zeigt, wie sensibel wir mit Vorwurfslagen umzugehen haben“, sagt Thurau.

Jetzt will die 58-Jährige nach vorne schauen. Wie gut ihr das gelingen wird, hängt nicht nur von ihr selbst ab. Denn noch immer gibt es Vorbehalte gegen Thurau. Heini Schmitt etwa, der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft sagt: „Wir sehen die Rückkehr der Frau Thurau faktisch als Problem, es ist eine schwierige Geschichte für beide Seiten.“

Minister Rhein betont, er verlasse sich auf die „Professionalität“ aller Beteiligten. Thurau selbst glaubt, Vorbehalte ausblenden zu können: „Dafür bin ich nach fast 40 Jahren im Polizeidienst Profi genug. Es geht um Kriminalitätsbekämpfung.“

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