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Bahnhofstest Gelnhausen Ein Ort zum Schaudern

Trostlos: Die Sanierung des Bahnhofs Gelnhausen ist schon lange überfällig. Und für die Wartehalle am Busbahnhof gibt es fünf Ekelpunkte extra. Von Andreas Zitzmann

07.04.2010 00:04
Andreas Zitzmann
Schnell einsteigen! Denn der Bahnhof Gelnhausen macht einen trostlosen Eindruck. Foto: Hartung/FR

Das war wohl Zufall: Nur ein Tag, nachdem die FR den Gelnhäuser Bahnhof unter die Lupe genommen hatte, versandte ein örtlicher Bundestagsabgeordneter eine Pressemitteilung mit dem Versprechen, sich für die "überfällige" Sanierung der Station zu engagieren. Das ist ein löbliches Tun, denn der Bahnhof Gelnhausen ist in einem beklagenswerten Zustand.

Das ursprünglich recht repräsentative Gebäude stammt - wie die meisten zwischen Frankfurt und Fulda - aus der Zeit, als die Strecke in den 1860er Jahren gebaut wurde. An manchen Ecken hat der Besucher den Eindruck, dass sich seitdem wenig bis nichts getan hat. Einziger echter Lichtblick - und das sei ausdrücklich hervorgehoben: die überaus freundliche und zuvorkommende Bahn-Mitarbeiterin, die an diesem Tag Dienst hinter dem Schalter hatte (den es immerhin noch gibt). Ansonsten: alles ziemlich scheußlich.

Das Bahnhofsgebäude selbst ist heruntergekommen, das Foyer mit Schalter hässlich, die Bahnsteige schmuddelig, allenthalben Zigarettenkippen, trotz ausgewiesener Raucherzone. Von der düsteren Unterführung mit Geruch nach Pisse zu den Bahnsteigen ganz zu schweigen, fast erwartungsgemäß sind die Treppen in den Untergrund für Rollstuhlfahrer ein unüberwindbares Hindernis. Ein Blick in die Toilette (ein eisernes Gehäuse neben dem Bahnhof) lässt schaudern.

Allerdings ist der Bahnhof gut zu erreichen, auch zu Fuß. Er liegt nur ein paar Steinwürfe von der historischen Innenstadt entfernt, die sich dem Besucher so ganz anders präsentiert - nett und gediegen. Gelnhausen ist hauptsächlich Pendlerstation, entsprechend reichlich sind rund um den Bahnhof Parkplätze verteilt, sogar ein eigenes Parkhaus gibt es. Jenseits der Bahngleise liegt ein weiterer Parkplatz, der übrigens auf der Gemarkung der Nachbargemeinde Linsengericht liegt. Deswegen sind auch nur im dortigen Rathaus Stellplätze zu mieten.

Bereits seit acht Jahren, so Linsengerichts Beigeordneter Heinz Breitenbach (FWG), arbeite man beim Thema Bahnhof mit der Nachbarstadt zusammen. Verbesserungen seien angestrebt, allerdings seien die Verhandlung mit der Deutschen Bahn "schwierig".

Eine besondere Erwähnung verdient der Bahnhofsvorplatz: Parkmöglichkeiten reichlich, aber nicht immer ist klar, welchen der zum Teil mit scheußlich-sinnlosen Maschendraht eingezäunten Areale man aufsuchen sollte. Auch die Verkehrsführung verwirrt den Fremden.

Gegenüber dem Bahnhof halten die Busse - günstig. Wer aber in welchem Amt auch immer für die "Wartehalle" am Busbahnhof zuständig ist, sollte seinen Stuhl räumen: eine Art Rohbau mit leeren Fenster- und Türhöhlen, unverputzt, verdreckt, deckenhoch mit Graffiti zugeschmiert, dunkle Ecken und Winkel, in die man besser nicht geht - das gibt mindestes fünf Ekelpunkte extra und ist für eine Kreis- und Kaiserstadt erbärmlich.

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