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Bahnhofstest Darmstadt Ein Parkhaus fürs Fahrrad

Der Darmstädter Hauptbahnhof punktet vor allem mit Service und Sicherheit. Trotz kleiner Mankos erreicht er auch beim zweiten FR-Bahnhofstest wieder die oberen Ränge. Von Melanie Kipp

03.04.2010 00:04
Melanie Kipp
Windgeschützt warten Passagiere auf den schmuck sanierten Bahnsteigen des Darmstädter Hauptbahnhofs. Foto: Müller/FR

Langsam rollt Steffen an die Schranke heran. Er steckt eine Karte in den Automaten und schon öffnet sie sich. Steffen, der fünf Mal die Woche nach Frankfurt zur Arbeit pendelt, parkt nicht etwa sein Auto im Parkhaus am Darmstädter Hauptbahnhof. Er leistet sich für sein Gefährt einen der 540 Plätze im Fahrradparkhaus. Dort können Kunden der Bahn für einen Euro am Tag ihre Räder direkt neben dem Bahnhof videoüberwacht abstellen: "Hier habe ich keine Angst, dass mir abends ein Reifen fehlt", sagt Steffen und zeigt kurz seine Jahreskarte. 40 Euro bezahlt er dafür. Dann fährt er weiter. Seinen Nachnamen will er nicht verraten.

Rund 20 Minuten braucht man zu Fuß von der Innenstadt zum Bahnhof. Busse und Straßenbahnen fahren auf dem Vorplatz ab, der sich in einem gepflegten Zustand mit viel Grün und Plätzen zum Verweilen präsentiert.

Im charmanten Bahnhofsgebäude im Jugendstil mangelt es hingegen an genügend Sitzplätzen. Außerdem beklagen sich viele Fahrgäste über die Auf- und Abgänge der Gleisüberführung. Gerade zu Stoßzeiten des Bahnhofsbetriebs drängen Tausende von Menschen die schmalen Treppen hinauf, die dann auf halber Höhe auch noch schmaler nach links und rechts am Aufzug vorbei abzweigen. Schnelles Vorankommen vergeblich.

Oben angekommen erwartet den Fahrgast jedoch ein rundum zufriedenstellendes Serviceangebot. Gut erkennbare Schilder leiten ans Ziel. Saftbar, Bäcker, Friseur, Blumenladen und ein Café mit günstigen Internetplätzen bieten alles, was das Herz begehrt.

Im westlichen Teil des Bahnhofs, wo 2000 eine Einkaufspassage entstand, stehen derzeit außer einer Apotheke und einem Eiscafé viele Läden leer. Andreas Depré, Mitarbeiter der Apotheke, verrät jedoch, dass sich dort bald eine Filiale einer Supermarktkette niederlassen wird: "Dann können die Pendler auch ihre Lebensmitteleinkäufe im Bahnhof erledigen." Hinter der Einkaufpassage des Bahnhofs befindet sich das große Park&Ride-Parkhaus. Die 424 Plätze, darunter auch Mutter-Kind- und Behindertenparkplätzen, sind nach Angaben von Pförtner Marcus Veith gut ausgelastet: "Wer nur kurz etwas im Bahnhof erledigen will, kann sogar eine halbe Stunde kostenlos parken."

Die Bahnsteige des Bahnhofs wurden bis vor zwei Jahren samt Dach saniert. Ausreichend wettergeschützte Sitzplätze und Raucherbereiche stehen seitdem zur Verfügung. Fahrkarten können nicht nur in der Bahnhofshalle sondern auf jedem Gleis erworben werden. Zusätzlich stehen Mitarbeiter der Deutschen Bahn und der Bahnhofsmission auf der Überführung Rede und Antwort.

Barrierefreiheit okay

Volker Pilling, der seit drei Jahren ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission tätig ist, hat schon viel erlebt: von der Begleitung von Rollstuhlfahrern und kollabierten Frauen bis hin zu Anwälten, die einfach nur zum Reden in die Räume der Bahnhofsmission kommen. Pilling ist manchmal 30 Stunden die Woche im Dienst.

"Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Deutschen Bahn funktioniert hier sehr gut", sagt der Ehrenamtliche. Die Bahn stellt die Räumlichkeiten der Bahnhofsmission kostenlos zur Verfügung. Nur vom RMV wünscht sich Pilling mehr Entgegenkommen: "Wenn wir Kinder auf Reisen begleiten, können wir das nur in der Bahn und von dort aus bis zur Bustür. Dann müssen wir zahlen."

In puncto Barrierefreiheit ist der Bahnhof gut ausgestattet. Aufzüge und automatisch öffnende Eingangstüren garantieren Bewegungsfreiheit. Eine 24-Stunden-Videoüberwachung sorgt für Sicherheit. Einziger Kritikpunkt: die Gebühren für die Behindertentoilette. So zahlen Menschen mit Behinderung einen Euro für die Toilettennutzung, wohingegen die andere Kunden nur 30 Cent aufbringen müssen.

Trotz kleiner Mankos erreicht Darmstadt in der zweiten Auflage des Bahnhofstests der Frankfurter Rundschau wieder die oberen Ränge.

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