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Abschlussfest Der Show-Profi

Enno-Ilka Uhde inszeniert die Stadiongala als poetischen Abschluss des Turnfestes. Dafür hat der Verband tief in die Tasche gegriffen. Von Katja Sturm

Uhde inszeniert die Abschlussgala des Turnfests 2009. Foto: FR/Schick

Es ist ein Zauberbuch. Ungewöhnlich groß, aber unscheinbar schwarz. Doch wenn Enno-Ilka Uhde es öffnet, entfaltet sich eine glitzernde Welt - voller Musik und Poesie, mit fantastischen Gestalten und Formen. Die Skizzen dazu, sie stehen dort inmitten eines Terminkalenders, mit dem ein Dutzend Personen gut beschäftigt wäre, der allerdings für den Wiesbadener allein vorgesehen ist.

Heute hier, morgen dort, einmal um die ganze Welt, um Geschichten zu erzählen. Das ist die Aufgabe, für die Enno Uhde lebt. Heute, da wird es Frankfurt sein, von wo aus er "wunderbare Geschichten" sendet. Denn der Performance Designer ist der Regisseur der Stadiongala, des bombastischen Abschlusses der Turnfesttage 2009 heute Abend. "Einen leeren Raum und einen leeren Zeitraum mit Sinn zu füllen", das ist dabei sein reizvolles Ziel.

In dem konkreten Fall gehe es darum, dass der Deutsche Turner-Bund (DTB) sich "öffentlich definiert". Dafür hat der Verband tief in die Tasche gegriffen. Eine Million Euro kostet die abendliche Show in der WM-Arena. Erstmals sind es Profis wie Uhde und seine Choreografen und Mitarbeiter, die die Fäden in der Hand halten und die Turnamateure durch Raum und Zeit führen. Dafür verwandelt sich der grüne Rasen in ein rot-weißes Farbenmeer, auf dem sich poetische Bilder entfalten sollen. "Sie werden weinen vor Schönheit", verspricht Uhde.

Mit fünf in die Oper

Er selbst jedoch hat am meisten die Proben genossen. "Überall lachende Gesichter", junge und ältere Leute, die Spaß daran haben, die Schritte, die Raumwege zu erlernen und ein kleines, aber wichtiges Puzzleteil in diesem großen Ganzen zu sein, das getragen wird von der Musik. Die gelungene Kombination unterschiedlicher Stilrichtungen, von Klassik und Moderne zeichnet alle Werke von Uhde aus, denn der 1948 in Wiesbaden Geborene besitzt umfangreiche Musikkenntnisse. "Mit fünf Jahren war ich fast täglich in der Oper" erklärt er.

Die Liebe zu den Tönen hat ihn sein ganzes Leben begleitet. Am Konservatorium seiner Heimatstadt studierte er Musik und Operngesang, im 30 Kilometer entfernten Frankfurt Germanistik, Politologie und Philosophie. Neben Regiearbeiten für Oper und Theater arbeitete er für das Fernsehen und übernahm die künstlerische Leitung des Europaparks in Rust, wo er in zahlreichen Shows seine Kreativität auslebte.

Neues in die Vereine tragen

Doch mittlerweile ist der ehemalige Fuß- und Handballer auf Inszenierungen in Stadien spezialisiert. Vom Deutschen Fußball-Bund, aber auch vom europäischen (Uefa) und dem Weltfußballverband (Fifa) wird er regelmäßig engagiert. Nur wenige Tage vor der Stadiongala der Turner war er noch beim Champions-League-Finale in Rom im vollen Einsatz. An seiner Seite ist dabei oft Pierre Wyss. Der gebürtige Schweizer war von 1988 bis 1993 Ballettdirektor am Wiesbadener Staatstheater, bevor er nach Braunschweig und später nach Karlsruhe wechselte. Er zeichnet in erster Linie für die Wege verantwortlich, auf denen in Frankfurt 3500 Mitwirkende auf dem riesigen Fußballfeld gehen, laufen oder tanzen müssen.

Dabei haben sie noch ein besonderes Anliegen des Auftraggebers vor Augen: neue Dinge in die Vereine zu tragen. Deshalb entfacht Uhde einen minutenlangen Hiphop-Battle mit im wahrsten Sinne des Wortes hippen Bewegungen. Doch auch den im DTB immer wieder gerne erwähnten Spagat zwischen Spitzen- und Breitensport wagt der Regisseur, der dafür unter anderem Reckweltmeister Fabian Hambüchen an seinem Spezialgerät auftreten lässt.

Zuvor wird der 21 Jahre alte Wetzlarer als Co-Kommentator der Fernsehaufzeichnung tätig sein, die zeitversetzt über die Bildschirme flimmert. Doch genau diese fehlende Liveübertragung ist es, die den sonst so ruhig und gelassen wirkenden Uhde in Rage bringt. "Das ist eine Frechheit", sagt er. Schließlich habe das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine kulturpolitische Verantwortung, die er selbst auch so interpretiert, dass große Dinge, die geschehen, zeitgleich ausgestrahlt werden müssen. Das ist er als Erschaffer großer Fußballfeiern natürlich anders gewöhnt.

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