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Leitartikel Treffen ohne Privilegien

Als hätte die Debatte um die geplanten Treffen der Studentenverbindungen bei der Industrie- und Handelskammer dem Image der weltoffenen und toleranten Stadt Frankfurt nicht schon genug geschadet, erlebt die Debatte nun auch noch eine Fortsetzung: Die FDP fordert, dass zumindest der städtische Empfang für die Gruppen stattfinden müsse.

Was haben die Burschenschaft Hannover, das Corps Austria in Frankfurt und die Akademisch-technische Landsmannschaft Hercynia in Prag gemeinsam? Sie würden FDP-Fraktionschefin Annette Rinn und Oberbürgermeisterin Petra Roth die Mitgliedschaft verweigern. Warum? Ganz einfach: Weil Rinn und Roth Frauen sind. Einen anderen Grund brauchen die genannten Gruppen dafür nicht. Wie viele Korporationen nehmen sie nur Männer auf. Genau diese Leute soll die Oberbürgermeisterin empfangen? Und dafür macht sich ausgerechnet Annette Rinn stark? Absurd.

Als hätte die Debatte um die geplanten Treffen der Studentenverbindungen bei der Industrie- und Handelskammer dem Image der weltoffenen und toleranten Stadt Frankfurt nicht schon genug geschadet, erlebt die Debatte nun auch noch eine Fortsetzung: Die FDP fordert, dass zumindest der städtische Empfang für die Gruppen stattfinden müsse. Im September wird sich das Stadtparlament also ernsthaft damit auseinandersetzen, ob irgendwelche erzkonservativen Verbindungen mit ihren Fechtbrüdern im Römer willkommen geheißen werden. Das kann ja heiter werden.

Dabei dürfte es doch eigentlich gar keine Diskussionen darüber geben, dass die IHK richtig handelte, als sie die Verbindungen ausgeladen hat. Eine Kammer kann ihre Räume nicht für ein Treffen zur Verfügung stellen, bei dem rechtsextreme Burschenschaften geduldet werden. Und wenn nun Politiker von FDP und CDU die Gefahr von rechten Strömungen in diesen Gruppen verharmlosen (Ordnungsdezernent Volker Stein spricht tatsächlich davon, einzelne Korporationen agierten halt „außerhalb des Mainstreams“), wenn sie darauf hinweisen, dass die allermeisten Studentenverbindungen fest auf dem Boden des Grundgesetzes stünden, dann ist das einfach zu kurz gedacht. Die Dachverbände grenzen sich seit ewigen Zeiten nicht sauber von rechten Burschenschaften ab. Daher müssen sie mit berechtigter Ablehnung leben.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Die geplanten Treffen sind kein Fall für die Staatsanwaltschaft. Sie dürfen stattfinden – ebenso wie die Demonstrationen dagegen, die es geben wird. Es gibt aber keinen Grund, den Veranstaltern Privilegien einzuräumen, sie in die IHK oder in den Römer zu bitten. Die Verbindungen sollen ein Bürgerhaus mieten, ihr Treffen abhalten und wieder abreisen – ohne Empfang. Im Römer ist kein Platz für Gruppen, die in ihren Reihen keine Frauen, keine Menschen ohne deutschen Pass oder keine Zivildienstleistenden dulden. Das sollte auch die FDP schnellstens einsehen. Bevor sie für ihren Vorstoß Beifall aus der völlig falschen Ecke bekommt.

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