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Tebartz-van Elst Papst soll Bischof seines Amtes entheben

Für Kirchenrechtler Thomas Schüller steht fest: In der Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst muss Papst Franziskus durchgreifen. Der Theologe sagt aber auch: Die Kontrollgremien trifft eine Mitschuld.

09.10.2013 09:28
"Seine Zeit ist vorbei", meint Kirchenrechtler Schüller über den Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Foto: Andreas Arnold

Professor Schüller, steht der Limburger Bischof Tebartz-van Elst nach den jüngsten Erkenntnissen über die Baukosten seiner Residenz noch auf dem Boden des Kirchenrechts?

Nein. Er hat Zustimmungsrechte grob missachtet und den Gremien offenbar falsche Zahlen präsentiert. Dass der Bischof das Recht gebrochen hat, ist eigentlich seit langem evident. Aber jetzt liegt es durch das Votum des Vermögensverwaltungsrates schwarz auf weiß vor. Ich rate allerdings auch den Mitgliedern dieses Gremiums dringend, ihren Rücktritt einzureichen. Sie haben sich über Jahre hinweg Haushaltspläne vorenthalten lassen. Wie sollen sie da ihre Kontrollfunktion wahrnehmen? Zudem waren die drei Herren persönlich und institutionell so eng mit dem Bischof und seinem Generalvikar – der Schlüsselfigur dieses ganzen Skandals – verbandelt, dass ihr Lamento heute schwer nach „Rette sich, wer kann“ klingt.

Allseitiges Versagen also?

Wer dieses Dreiergremium als „Marionetten“ des Bischofs bezeichnen würde, dem würde ich nicht widersprechen. Aber auch das Domkapitel hat versagt, resigniert und seine Rechte nicht mehr eingefordert. Ebenso der Vermögensverwaltungsrat des Bistums, bestehend aus lauter Untergebenen des Bischofs.

Aber dann stimmt doch etwas mit den Strukturen nicht?

Das kirchliche Vermögensrecht ist eines der wenigen Teile des Kirchenrechts, denen man demokratische Standards attestieren kann. Wenn man sich daran hält, wird kirchliches Vermögen ordentlich verwaltet, auch nach weltlichen Maßstäben. In Limburg aber hat ein autokratischer Bischof zusammen mit seinem Generalvikar alle Kontrollmechanismen systematisch ausgeschaltet, und am Ende hat sich keiner mehr dagegen gewehrt. Insofern trifft eine Mitschuld all jene, die nicht die Power hatten, ihre Rechte wahrzunehmen.

Was tun mit einem rechtsbrüchigen Bischof?

Ich bin sicher, dass die jetzt bekanntgewordenen Fakten umgehend nach Rom gemeldet werden. Es wird einer Intervention des Papstes bedürfen, dass dem Bischof deutlich wird: Seine Zeit ist vorbei. Wollte er sein Gesicht wahren, könnte er dem Papst von sich aus seinen Rücktritt „aus schwerwiegendem Grund“ anbieten. Da er das aber vermutlich nicht tun, sondern an seinem Stuhl kleben wird, gibt es nur noch einen Weg: die Amtsenthebung durch den Papst. Das ist eindeutig. Das muss so kommen, und diesen Schritt muss der Papst als Oberhaupt der universalen Kirche dann noch nicht einmal begründen.

Da wird in der katholischen Kirche immer nach mehr Partizipation und größerer Autonomie der Ortskirchen gerufen. Aber am Ende muss es dann doch immer der Papst richten?

Das stimmt genau und zeigt, wie verrückt dieses ganze System ist.

Das sagen Sie als Kirchenrechtler über Ihr eigenes Fach?

Es ist in dieser monarchisch verfassten Kirche nun einmal so, dass ein unfähiger, uneinsichtiger und offensichtlich kranker Bischof wie Tebartz-van Elst durch nichts und niemanden aus dem Amt zu befördern ist, es sei denn durch den Papst.

Früher hieß es in solchen innerkirchlichen Konflikten gern: Wegen Geld ist noch kein Bischof geflogen. Zieht Rom inzwischen neue Saiten auf?

Definitiv. Das ist ja auch eine Frage der Glaubwürdigkeit von Papst Franziskus. Wer in der Kirche mit dem Geld der Gläubigen – um nichts anderes handelt es sich beim Vermögen des Bischöflichen Stuhls – so verantwortungslos umgeht, der muss mit Sanktionen rechnen. So wurden unlängst in Slowenien Bischöfe zum Rücktritt gezwungen, die sich mit Finanzgeschäften verzockt hatten.

Welche Folgen hätte es, wenn die Staatsanwaltschaft am Ende ihrer Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage gegen den Bischof vorgeht?

Das wäre zwar ein rein weltliches Verfahren. Aber trotzdem gilt das ungeschriebene Gesetz: Ein Bischof, der nach staatlichem Recht verurteilt wird, hat dem Papst umgehend seinen Rücktritt anzubieten.

Auch wenn es nur ein Strafbefehl wäre?

Selbst dann müsste der Bischof ja zugeben, dass er sich schuldig gemacht hat. Er entginge damit nur einer Vorstrafe. Das ist sozusagen der Deal mit der Justiz in einem minder schweren Fall. Für ein striktes Reglement Roms aber gibt es Beispiele, in denen Rücktrittsgesuche von Bischöfen selbst bei Verkehrsdelikten angenommen wurden. Dann doch erst recht nach einer Falschaussage an Eides statt. Da geht es schließlich um den Kern des bischöflichen Auftrags: die Glaubwürdigkeit. Wer soll denn einem verurteilten „Lügenbischof“ jemals noch etwas abnehmen?

Interview: Joachim Frank

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