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Tebartz-van Elst Limburg „Ein perfides System des Täuschens“

Bischof Tebartz-van Elst verschleierte die Kosten für seinen Neubau bewusst und in voller Absicht. Das zeigt eine Auswertung der Akten, die die FR bei Experten für Architektur und Denkmalpflege in Auftrag gegeben hat.

Eine bronzene Wand in der Bischofsresidenz. Foto: rtr

Nach der Veröffentlichung einzelner – teils irrwitziger – Rechnungspositionen beim Neubau der Limburger Bischofsresidenz, wird nun das eigentlich Skandalöse des ganzen Projekts sichtbar: eine systematische, von langer Hand geplante und auf Druck des Bischofs durchgehaltene Verschleierung der wahren Kosten. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS), der vom Bistum in der Vergangenheit wiederholt Falschberichterstattung, üble Nachrede und eine Hetzkampagne vorgeworfen worden war, veröffentlichte zahlreiche Dokumente zur Entstehungsgeschichte des Baus auf dem Limburger Domberg.

Die „FR“ bat zwei Experten für Architektur und Denkmalpflege um eine Beurteilung dieser Unterlagen. Beide Fachleute, die mit Rücksicht auf ihre Nähe zu kirchlichen Auftraggebern und damit aus Sorge vor möglichen beruflichen Nachteilen um Diskretion baten, kamen übereinstimmend zu einem vernichtenden Ergebnis: Es handle sich, so einer der Fachleute wörtlich, um ein „perfides System des Täuschens und Vertuschens“.

Gezielt Verpflichtung unterlaufen

Aus den Akten geht beispielsweise hervor, dass die gesamte Baumaßnahme in zehn Einzelprojekte untergliedert wurde. Dies sei aber weder sachlich noch im Hinblick auf eine straffe Kontrolle geboten. So könne man nicht die Gebäudegründung und notwendige Sicherungsmaßnahmen sinnvollerweise nicht voneinander trennen. „Es sei denn, man will die Kosten splitten, so dass sie für den Außenstehenden unübersichtlich sind.“

Ein anderes Beispiel: „Man hat Aufzüge und Zuwege oder auch den Lichthof aus der Kostenplanung für das Bischofshaus herausgenommen und prozentual anderen Gebäudeteilen zugeordnet“, erläutert der Fachmann, obwohl dies alles zum Ensemble gehöre. Dieses Vorgehen erlaube es, den Bau des Bischofssitzes preisgünstiger darzustellen, als er tatsächlich war. „Die Unterlagen zeigen genau diese Strategie.“ Sinn dieses Vorgehens: Eine Ausgaben-Obergrenze von fünf Millionen Euro, von der an der Bischof um Genehmigung durch Rom nachsuchen muss, konnte so verhindert werden. „Es waren Leute am Werk, die genau wussten, wie man planen muss, um diese Verpflichtung zu unterlaufen.“

Zu Falschaussagen veranlasst

Die Akten zeigen überdies, dass die vom Bistum öffentlich genannten Zahlen nie etwas mit den tatsächlichen Kosten zu tun hatten. Während nach außen mal 5,5 Millionen Euro und noch im Frühsommer 9,85 Millionen kommuniziert wurden, ging man intern von 17 Millionen, später von 25 Millionen Euro aus. „Diese Summen müssen auch beschlossen worden sein, weil auf ihrer Basis die Aufträge vergeben wurden.“ Die Verantwortung liege immer nur bei einem: dem Bauherrn oder einem bevollmächtigten Vertreter.

Das sind in diesem Fall: Bischof Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar. Wie die „FAS“ berichtet, wurden Mitarbeiter wie Dombaumeister Tilmann Staudt zu Falschaussagen veranlasst. „Wir haben Sie immer belogen“, zitiert die Zeitung Staudt aus der Runde mit dem Vermögensverwaltungsrat, als dieser Anfang Oktober die Akte des Entsetzens zur Prüfung bekam. Unter Tränen habe Staudt gebeichtet, dass er den Bischof als Verantwortlichen aus den Unterlagen tilgen musste. „Die eigenen Leute zum Lügen zwingen, da ist noch mal eine ganz andere Dimension, als selber die Unwahrheit zu sagen“, so der befragte Fachmann.

Frage an das System Kirche

Sein Kollege und er nehmen Baufirmen und Handwerker ausdrücklich in Schutz. Nach allem, was sie den Akten entnehmen könnten, seien „die Firmen und die Planer für Ihre Leistungen offenbar angemessen bezahlt worden“. Die hohen Kosten lägen eher „im geforderten sehr hohen Standard“, in ständigen Erweiterungen des Raumprogramms auf einem „sehr schwierigen Grundstück“ begründet.

„Ich kenne aus meinen Erfahrungen in den Diözesen einen ganzen Stab, die ein solches Bauvorhaben professionell begleiten.“ Das sind Architekten, Baumanager, Kontroller. „Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass sich niemand gegen den ausdrücklichen Wunsch des Bischofs oder sein Machtwort zu stellen wagt.“ Hier wird der (Extrem-)Fall Limburg zur Frage an das System Kirche.

„Hier zeigt sich, was passieren kann, wenn bei einem Menschen mit Allmachtsfantasien die Sicherungen durchbrennen.“ Nirgendwo sonst liege die Verantwortung für ein Bauprojekt von solchem Volumen, in das öffentliche Mittel fließen, letztlich bei einem Einzelnen.

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