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Tebartz-van-Elst "Freiwillig wird der Bischof nicht gehen"

Der Sprecher des Priesterrats im Bistum Limburg, Reinhold Kalteier, spricht im FR-Interview über die Stimmung im Bistum und die Hoffnung, der Papst könnte Bischof Tebartz-van-Elst seines Amtes entheben.

09.10.2013 17:52
Mag irdische Güter: Bischof Tebartz-van-Elst. Foto: imago stock&people

Pfarrer Kalteier, wann werden Sie dem Bischof das nächste Mal persönlich begegnen?

Geplant ist die nächste Sitzung des Priesterrats, an der der Bischof teilnehmen würde, für den 25. November. Aber wir werden wohl darum bitten, diesen Termin abzusagen.

Sie fordern den Verzicht des Bischofs auf sein Amt. Mit welchen Gefühlen würden Sie ihm gegenübertreten?

Ich habe jedenfalls keine Angst, ihm zu begegnen. Aber wir halten in der aktuellen aufgeheizten Situation eine Sitzung des Priesterrats, bei der es um Themen wie Firmung, Gemeindezusammenführung oder die Rolle der priesterlichen Mitarbeiter gehen soll, für nicht sinnvoll.

Wie ist die Stimmung unter Ihren Amtskollegen, den Laien und Gläubigen?

Ich hatte heute morgen einen Gottesdienst. Danach stand dann eine Traube von zehn Leuten zusammen, sie alle waren entsetzt über das, was nun über den Bau des Bischofssitzes bekannt wird, über die enormen Beträge und die Sonderausstattung und teuren Baumaßnahmen, wie sie der Bischof angeordnet hat.

Wann hatten Sie die letzte Begegnung mit dem Bischof?

Das war vor drei Wochen bei der jüngsten Sitzung des Priesterrats. Das war direkt nach dem Besuch von Kardinal Lajolo. Es ging auch damals um die Kosten für das Bischofshaus, die uns schon enorm erschienen, obwohl damals noch von viel weniger Geld die Rede war. Zwar hatten wir vermutet, es könne noch mehr werden, aber mit 31 Millionen Euro hat natürlich keiner gerechnet.

Wird es seitens des Priesterrats eine Initiative geben, Tebartz-van Elst zum Amtsverzicht aufzufordern?

Das ist jedenfalls nicht geplant. Sie müssen bedenken, wir wissen gerade einmal eineinhalb Tage von den immensen Kosten. Das muss man erst einmal verdauen. Wenn man sich umhört, sind allerdings die allermeisten der Ansicht, dass ein Verbleiben im Amt schwierig sein würde.

Was werfen Sie dem Bischof vor allem vor? Dass die Kosten so explodiert sind, oder dass er darüber lange die Wahrheit verschwiegen oder sogar gelogen hat, wie es ja Jochen Riebel als Mitglied des Vermögensverwaltungsrats gesagt hat?

Mich wundert sehr, dass jeder Pfarrer, der ein Pfarrhaus umbaut oder die Kirche renoviert, jedes Vierteljahr eine Kostenaufstellung bekommt und man ihm die rote Linie zeigt, wenn diese Kosten zu hoch werden. Vielleicht hat der Bischof tatsächlich nicht gewusst, dass am Ende über 30 Millionen Euro herausgekommen sind. Aber es gab bestimmt auch keine Ausgabe ohne sein Wissen. Was zunächst schlimm ist, sind sicher die hohen Kosten, wenn man sieht, was man damit hätte bauen oder sanieren können oder im sozialen Bereich helfen.

Rechnen Sie damit, dass der Bischof am vorgesehenen Termin der nächsten Priesterratssitzung Ende November noch im Amt sein wird?

Ja, damit rechne ich. Ich glaube nicht, dass er freiwillig zurücktreten wird.

Im Raum steht ein mögliche Anklage oder ein Strafbefehl durch die Staatsanwaltschaft Hamburg im Zusammenhang mit dem umstrittenen Erste-Klasse-Flug in die indischen Slums. Erwarten Sie, dass das dann einen Schlusspunkt setzen würde?

Auch dann würde der Bischof nicht freiwillig gehen, glaube ich.

Glauben Sie, dass Papst Franziskus Tebartz-van Elst des Amtes entheben wird?

Ich setze darauf, dass die Bischofskonferenz nach Prüfung der Kosten gegenüber Rom aktiv werden wird. Ich setze auch darauf, dass Kardinal Giovanni Lajolo in Rom von seinen offenen Gesprächen im Bistum berichten wird. Wenn dann nun noch Strafbares dazukommt, dann wird Rom sich verhalten.

Sprich: Rom würde den Bischof abberufen?

Wie ich den Bischof einschätze, wird er auf sein Amt verzichten, wenn er aus Rom ein entsprechendes Signal dazu bekommt. Da ist er gehorsam und der Papst wird ihn nicht offiziell abberufen müssen.

Wie ist die Situation im Bistum? Kann man damit noch wochen- oder monatelang leben?

Die pastorale Arbeit läuft ja vor Ort und geht ja weiter. Auch wenn uns die Situation schon sehr belastet und die Menschen beschäftigt. Die Unsicherheit kann aber nicht mehr ein halbes Jahr dauern. Dann wird es schon unerträglich.

Es gibt Menschen, die sagen, das Festhalten im Amt und die Ignoranz gegenüber Kritik wirke schon krankhaft. Welchen Eindruck haben Sie persönlich aus Ihren Begegnungen?

Wenn man ihm begegnet, erlebt man ihn als sehr zugewandt und wach, er hat ein unheimliches Gedächtnis und kann Zusammenhänge gut herstellen. Krankhaftes habe ich nicht beobachtet.

Interview: Peter Hanack

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