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Papst zu Bischof Tebartz-van Elst Kommentar Papst verweigert einen Showdown

Die Entscheidung des Papstes zur Zukunft des Limburger Bischofs ist „ein echter Franziskus“. Er hat sich einer Logik des Showdowns nicht gebeugt. Tebartz-van Elst bekommt eine letzte Chance, den Konflikt um seine Person gesichtwahrend und in eigener Initiative aufzulösen.

Gibt dem Limburger Bischof eine letzte Chance: Papst Franziskus. Foto: Reuters

Vorsicht jetzt mit allzu eilfertigen Schlüssen! Dieser Rat scheint angebracht – allein schon beim Hören all der Tätigkeitswörter, die beschreiben sollen, was der Papst nun eigentlich mit dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst angestellt hat. Hat er ihn suspendiert? Sicher nicht, denn Tebartz bleibt Bischof, ja er bleibt sogar bis auf Weiteres Bischof von Limburg. Im Amt belassen? Formal ja, denn der designierte Generalvikar Wolfgang Rösch fungiert offiziell nur als Vertreter und stellt die Leitung der Diözese sicher, während dem Bischof „eine Zeit außerhalb der Diözese gewährt“ wird.

Also hat der Papst den umstrittenen Geistlichen aus der Schusslinie genommen? Das bestimmt. Nach Wochen und Monaten massiven Drucks, unter dem sich Tebartz in zunehmend aberwitzige Stellungnahmen und Aktionen geflüchtet hatte, konnte es so nicht mehr weitergehen. Im Bistum Limburg nicht, aber vielleicht auch nicht im Umgang mit dem Bischof. Es ist – um diesen ebenso vieldeutigen wie korrumpierbaren Begriff zu bemühen – ein Akt der Nächstenliebe, nicht den Stab über ihn zu brechen.

Genau das hatte Tebartz sich vor zwei Wochen in einem Interview gewünscht. Allerdings hat er damit wohl die fixe Idee verbunden, er könne auf dem Domberg daheim in seiner Residenz sitzenbleiben, weitermachen, als wäre nichts gewesen, und einfach alles verziehen bekommen, was er sich an Fehlern, Extravaganzen, Pflichtvergessenheiten und Lügen geleistet hat. Von denen er – wohlgemerkt - bisher überhaupt nur die allerwenigsten eingesehen hat.

Diese Illusion eines „Weiter so“ müsste ihm spätestens mit der Entscheidung vom Mittwoch genommen sein. Der Papst hat schneller entschieden, als manche das zuletzt erwartet hatten. Aber er hat sich nicht endgültig festgelegt. Somit ist auch noch keineswegs ausgemacht, wie es mittelfristig mit Tebartz weitergeht. Nirgends in der Erklärung des Vatikans steht, dass Tebartz nach ein paar Monaten – nun ja – Urlaub, Kur, Sanatorium ins Bistum zurückkehren und die Geschäfte übernehmen kann.

Im Gegenteil: Nach gegenwärtiger Einschätzung des Vatikans ist der Bischof nicht in der Lage, sein Bistum zu leiten. Das kann man als Urteil über seinen geistigen, seelischen und körperlichen Zustand deuten oder aber als Beschreibung der Lage im Bistum, wo ihm seine engsten Berater und Mitarbeiter die Zusammenarbeit aufgekündigt haben.

Persönlich mag sich Tebartz-van Elst von den unbestreitbaren Strapazen erholen, in die er sich hineinmanövriert hat. Institutionell und kommunikativ werden die Probleme durch ein wenig Zeitgewinn nicht kleiner. Wenn jetzt so viel davon die Rede war, dass Vertrauen und Glaubwürdigkeit irreparabel beschädigt seien – wie sollte sich das heilen lassen, wenn der Bischof für die eigenen Leute unsichtbar bleibt? Vertrauensgewinn durch Abwesenheit, das wäre zwischenmenschlich mal etwas völlig Neues.

Gleichwohl ist das Votum vom Mittwoch „ein echter Franziskus“ – zumindest nach allem zu urteilen, was der Papst in seiner halbjährigen Amtszeit in Wort und Geste hat erkennen lassen. Er hat sich nicht einer Logik des Showdowns gebeugt, die sich viele vorgestellt hatten, in ihrer Phantasie nicht zuletzt durch Tebartz selbst und seinen Nacht-und-Nebel-Flug nach Rom angeregt.

Auf eine eindeutige, harsche und unmittelbare Reaktion des Papstes ließ aber auch die naheliegende Erwartung schließen, dass Franziskus die Berichte über die luxuriösen Bedürfnisse des Limburger Bischofs „not amused“ vernehmen und sich der Schmerzen entsinnen würde, die er nach eigenen Worten schon dann empfindet, wenn er einen Priester oder eine Nonne in einem nagelneuen Auto sieht.

Denn zweifellos ist die Frage von Konsequenz und Glaubwürdigkeit des Papstes selbst berührt, der vom Klerus einerseits einen vorbildlich schlichten Lebensstil erwartet und einen solchen praktiziert, aber andererseits die Zügel schießen ließe, wenn ein hoher Kirchenvertreter diese seine Ideale so eklatant verrät wie der „principe vescovo“ (Fürstbischof) von Limburg.

Aber glaubwürdig und sich selbst treu bleibt der Papst eben auch, indem er nicht in der Manier des absolutistischen Herrschers (der er qua Kirchenrecht ist) handelt, sondern auf Beratung und sorgfältig abgewogene Beschlüsse setzt. Die nach dem Besuch seines Sondergesandten, des Kardinals Giovanni Lajolo, im September beschlossene Kommission, die Planung und Finanzierung der Bischofsresidenz prüft, soll erst einmal ihre Arbeit machen dürfen. Womöglich soll auch abgewartet werden, ob der beantragte Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst wegen uneidlicher Falschaussage ergeht. Auch das würde die Lage objektiv noch einmal verändern, denn Gesetzesverstöße von Bischöfen haben den Vatikan auch in anderen Fällen nicht unbeeindruckt gelassen.

Umstellt von Einflüsterern

In jedem Fall – und hier kommt mit „Barmherzigkeit“ ein weiterer Lieblingsbegriff des Papstes ins Spiel – bekommt Tebartz eine letzte Chance, den Konflikt um seine Person und seine Amtsführung gesichtswahrend und in eigener Initiative aufzulösen: Immer noch kann er den Papst nach Ablauf der ihm zugebilligten Schonfrist bitten, ein Rücktrittgesuch anzunehmen und ihm eine andere Aufgabe zuzuweisen.

Es spricht derzeit gegen gesunde Selbsteinschätzung und kluges Urteil, dass Tebartz nicht längst die Konsequenz gezogen hat. Stattdessen hat er auf ein Verbleiben im Amt gesetzt, unbeeindruckt vom Schaden, den er jenseits aller materiellen und finanziellen Unregelmäßigkeiten angerichtet hat. Seinem Freiburger Mitbruder, Erzbischof Robert Zollitsch, ist das Wort entfahren, er wüsste nicht, wie er an Tebartz‘ Stelle mit solch einer Last weitermachen sollte.

An diesen entscheidenden Punkt der Selbsterkenntnis ist der Limburger Bischof offenbar immer noch nicht gelangt, womöglich auch, weil er bis zuletzt umstellt war von Einflüsterern, die reich an Macht sind, aber arm an Einsehen. Das übrigens wird ein Problem der Kirche bleiben, ganz unabhängig davon, wohin es Franz-Peter Tebartz-van Elst am Ende verschlägt. Back home, heim nach Limburg? Das sollte auch nach der Etappe vom Mittwoch ausgeschlossen sein.

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