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Kirchenaustritte Bitterer Herbst für die Kirche

Wegen der Unruhen im katholischen Bistum Limburg beklagt der evangelische Propst Sigurd Rink Kirchenaustritte. Im Oktober sei die Anzahl der Austritte besonders hoch gewesen - zu dem Zeitpunkt hatte der Skandal um den Limburger Bischofssitz seinen Höhepunkt erreicht.

Die Zahl der Kirchenaustritte war im Oktober besonders hoch, als Bischof Tebartz-van Elst die Schlagzeilen bestimmte. Foto: dpa

Der Ärger über das Finanzgebaren der Katholischen Kirche im Bistum Limburg hat auch die Evangelische Kirche in Mitleidenschaft gezogen. „Man sieht deutlich, dass in diesem Zusammenhang die Zahl der Kirchenaustritte stark zugenommen hat“, sagte Sigurd Rink, Propst des evangelischen Bezirks Süd-Nassau, am Dienstag in Wiesbaden.

So stieg die Zahl der Austritte aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im Oktober auf den Spitzenwert von 1296. Im Oktober des Vorjahres waren es lediglich 870 gewesen. Damals waren die hohen Kosten für den Neubau des katholischen Bischofssitzes am Limburger Domberg bekannt geworden. Im Dekanat Wiesbaden verdoppelten sich die Kirchenaustritte aus der EKHN sogar. Die Zahl der Austritte aus der Katholischen Kirche verdreifachte sich dort sogar.

„Die ständige Konfrontation mit den Unruhen im Bistum Limburg hat auch bei den evangelischen Christen Unruhe ausgelöst“, sagte Rink. „Es war ein bitterer Herbst für uns, es haben sich viele Menschen von der Kirche verabschiedet“, beklagte Rink. Wechsel von der Katholischen zur Evangelischen Kirche habe es kaum gegeben. Wer die Kirche verlassen, tue dies zumindest für einen längeren Zeitraum und sei in aller Regel nicht unmittelbar für einen Wiedereintritt zu gewinnen. „So etwas dauert häufig zehn Jahre oder länger“, sagte Pressesprecher Roger Töpelmann.

Gute Kontakte

Viele Christen hätten ihre Entscheidung mit den Ereignissen im Bistum Limburg begründet. „Die Menschen differenzieren häufig nicht zwischen der Evangelischen und der Katholischen Kirche, auch in den Medien ist ja häufig in Schlagzeilen nur pauschal von Kritik an der Kirche und ihren Finanzen zu lesen“, so Rink weiter. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte lange Zeit die tatsächlichen Baukosten in Höhe von mindestens 31 Millionen Euro für sein Domizil verschleiert. Zurzeit ist er auf Geheiß von Papst Franziskus von seinem Amt beurlaubt. Eine Entscheidung, ob er als Bischof nach Limburg zurückkehren kann oder nicht, wird für Anfang des nächsten Jahres erwartet.

Dies und die Frage der anstehenden Nachfolge für Kardinal Lehmann in Mainz seien Richtungsentscheidungen für die Katholische Kirche, sagte Rink. Er begrüße die Signale aus Rom für eine „neue Bescheidenheit“. Das kommende Jahr könne für Papst Franziskus nun zu einem „Jahr der Bewährung“ werden. Man werde mit offenen Ohren und wachen Augen nach Rom schauen. „Wir hoffen darauf, dass sich die Situation langfristig stabilisiert“, sagte Propst Rink. Es gebe sehr gute ökumenische Kontakte der Evangelischen Kirche zum Limburger Weihbischof Thomas Löhr, der im Rheingau Bezirksdekan war, sowie zum neuen Generalvikar Wolfgang Rösch, der zuvor Stadtdekan in Wiesbaden war. „Wir haben ihn hier in Wiesbaden sehr zu schätzen gelernt“, sagte Rink.

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