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Bistum Limburg "Vertrauen ist angeschlagen"

Das Bistum Limburg lässt sich erstmals in die Bücher blicken. Der Prüfbericht zur Bischofsresidenz fehlt aber. Und der Bischof ist noch da.

Pfarrer Wolfgang Rösch spricht im Anschluss an die Pressekonforenz zur Bilanzvorlage mit Medienvertretern. Foto: dpa

Der Domberg liegt im gleißenden Sonnenlicht. Hinter der Michaelskapelle geht der Blick weit über Täler und Hügel. Doch für die Schönheiten des Limburger Landes hat keiner der Journalisten einen Blick, die sich zu Dutzenden in der kleinen Kapelle drängen. Fernsehteams bauen ihre Kameras auf, Übertragungswagen parken vorm Dom. Die Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Limburg um den unerschütterlich-freundlichen Stephan Schnelle schwitzen in ihren schwarzen Anzügen. Es ist ein historischer Tag: Zum ersten Mal legt das Bistum samt seiner Körperschaften seine Finanzen offen – so ist zumindest die Ankündigung.

Seit der Limburger Bischof Franz Peter Tebartz van Elst mit dem Neubau seiner verschwenderischen Residenz für 30,7 Millionen Euro für bundesweite Schlagzeilen sorgte, steht die Kirchenführung mit dem Rücken zur Wand – nicht nur im Bistum Limburg. Mit ernsten Mienen betreten Wolfgang Rösch und Gordon Sobbeck den überfüllten Raum. Gerade sind alarmierende Zahlen veröffentlicht worden: Fast 8000 Gläubige haben dem Bistum 2013 den Rücken gekehrt, 3500 mehr als im Vorjahr.

„Das wichtigste Kapital der Kirche ist das Vertrauen der Menschen“, sagt Rösch denn auch als Erstes. Und dieses Kapital sei „angeschlagen“. Der frühere Stadtdekan von Wiesbaden ist, so sein offizieller Titel, „der Ständige Vertreter des Apostolischen Administrators“ in Limburg, mit anderen Worten: Er verantwortet die Aufräumarbeiten im Bistum Limburg.

"Wahrheit macht frei"

„Wahrheit macht frei“ zitiert der Pfarrer aus dem Evangelium und versichert, er fühle sich „nicht gebunden an falsche Rücksichtnahmen und Ängstlichkeiten.“ Und dann kommt der Auftritt des 38-jährigen Gordon Sobbeck, bis 2012 Kämmerer des nordrhein-westfälischen Städtchens Halver, seither Finanzdezernent des Bistums. Und die Zahlen, die er 45 Minuten lang ausbreitet, lassen aufhorchen. Das Bistum weist eine Bilanzsumme von 909 Millionen Euro auf. 811 Millionen Euro davon sind im Anlagevermögen gebunden, nur ein kleinerer Teil davon in Sachanlagen wie Gebäuden. Die riesige Summe von 703 Millionen Euro machen Wertpapiere aus, die von der Kirche gehalten werden. „Es handelt sich dabei überwiegend um Anteile an Spezialfonds, die dem deutschen Kapitalanlagerecht unterliegen“, so Sobbeck. Das Bistum erlege sich dabei durchaus moralische Grenzen auf: Investitionen in die Rüstungsindustrie etwa seien „ausgeschlossen“. Sehr bescheiden nehmen sich im Vergleich die 6,7 Millionen Euro aus, mit denen das Bistum am Gemeinnützigen Siedlungswerk beteiligt ist, dem 5900 Wohnungen in und um Limburg gehören – davon zwei Drittel öffentlich geförderte Sozialwohnungen.

Doch all das lässt die schwitzenden Medienvertreter merkwürdig kalt. Sie interessieren sich für die Bilanz des Bischöflichen Stuhls, jener Körperschaft, die für „Wohnung und Arbeitsräume“ des Bischofs zuständig ist. Hier wurde das Geld ausgegeben für die Residenz von Tebartz van Elst.

Und ausgerechnet hier liegt der Jahresabschluss 2013 noch nicht vor, nur „der Entwurf des Prüfberichts,“ so der Finanzdezernent. „Wir befinden uns in der finalen Prüfungsphase“, versichert Sobbeck. Noch im zweiten Halbjahr sei mit dem Abschluss zu rechnen. An dieser Stelle ist die Geduld der Journalisten erschöpft. Energisch fragen sie nach den Konsequenzen für den emeritierten Bischof, nach der Ahndung seines Gebarens wegen Veruntreuung und Verschwendung kirchlichen Vermögens. Rösch führt einen denkwürdigen Eiertanz auf.

„Veruntreuung und Verschwendung sind sehr schwer justitiabel zu greifen“, sagt er und fügt hinzu: „Wir sehen das auch sehr kritisch.“ Die Residenz sei sicherlich „ohne compliance und ohne kluge Beratung“ erbaut worden. Jetzt versuche das Bistum, „mit der Immobilie ordentlich zu leben“. Mit welchem Wert der Bischofssitz in die Bilanz eingehen werde, weiß der Finanzdezernent nicht zu sagen.

Und dann wären da noch die Gemeinden im Land, die allenthalben sehr sparen müssen. An eine Finanzspritze aus dem immensen Vermögen des Bistums sei nicht zu denken, sagt der Finanzdezernent. „Aber wir haben in den vergangenen zwei Jahren viel in den Gemeinden investiert, etwa in die IT-Landschaft.“

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