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Dornbusch Unterschriften für Gaslaternen

Frankfurt tauscht die antiken Leuchten gegen moderne Elektro-Lampen aus. Die Wartung ist zu teuer. Der gemeinnützige Verein ProGaslicht kämpft für das Gaslicht - als Kulturgut. Von S. Wegener

07.04.2009 00:04
SUSANNE WEGNER
Es war einmal...Alte Gaslaternen erinnern an längst vergangene Zeiten. Doch sie sind zu teuer und beleuchten die Wege zu schlecht. Drum will die Stadt Frankfurt sie abschaffen. Ein Verein stemmt sich dagegen. Foto: FR/Oeser

Abends lässt Jana die Rollläden oben. Die 13-Jährige mag es, wenn das warme Gaslicht in ihr Zimmer scheint. Kaltes elektrisches Licht vor ihrem Fenster - das kann und will sie sich nicht vorstellen. Daher unterstützt sie die Unterschriftenaktion der Bürgervereinigung Dichterviertel, um die Gaslaternen zu schützen.

Wie auch 40 Gaslicht-Liebhaber, die sich am Freitag in der Grillparzer- / Ecke Anzengruberstraße treffen: an der grünen Hängeleuchte L56 - einer nostalgischen Gaslampe von rund 5600 in Frankfurt. Doch die Zahl sinkt bedenklich. Die Stadt tauscht die antiken Leuchten gegen moderne Elektro-Lampen aus. Die Wartung sei zu teuer und das Dämmerlicht für Fußgänger zu gefährlich.

Der gemeinnützige Verein ProGaslicht kämpft seit Langem dafür, Gaslicht als Kulturgut zu erhalten. Klaus Gevatter (47) ist Mitglied und nimmt als Experte an der Bürgeraktion teil. Im täglichen Verbrauch liege Gas tatsächlich höher, bestätigt Gevatter, aber die "geringfügigen Mehrkosten" sollten es der Stadt wert sein. Denn Gaslicht komme dem Tageslicht näher als jede andere Leuchttechnik, sorge für eine angenehme Straßenathmosphäre und erzähle ein Stück Stadtgeschichte.

Vom Vorschlag des Planungsamtes, das Äußere der Leuchten zu erhalten und eine elektrische Lichtquelle einzusetzen, hält Gevatters nichts. Feuchtigkeit dringe in die Lampe ein, könne nicht verdunsten und Rost mache nach einigen Jahren die Laterne ganz kaputt. Dann wäre ein Stück Kultur- und Technikgeschichte dahin.

Scheußliche Hängeleuchten

Doch nicht alle wollen "auf die Nostalgiedrüse drücken". Die Anwohner der Gustav-Freytag-Straße mögen Gaslaternen, die Hängeleuchten in der Anzengrubenstraße finden sie jedoch scheußlich.

Bei den Kosten sind sie sich jedoch wieder einig. Erst vor zwei Jahren wurden die Straßen im Dichterviertel saniert. Anwohner fürchten, dass die Straßen erneut aufgerissen werden könnten, um Stromkabel zu verlegen. Dafür will keiner Steuergeld verschwenden - und setzt den Namen auf der Unterschriftenliste der Bürgervereinigung. Die Umrüstung auf Elektroleuchten werde die Stadt mehr als 20 Millionen Euro kosten, rechnet Gevatter vor. Und die Investition rechne sich erst in 30 Jahren.

Die Bewohner im Dichterviertel stehen mit diesem Problem nicht alleine da. Rund 30 Städte gibt es in Deutschland, die um ihre Gaslaternen kämpfen. Wenn sie zusammenhielten, minderte das die Wartungskosten, so Gevatter.

Eine Stadt hat es geschafft, ihr Gaslicht unter Denkmalschutz zu stellen: Lübeck. Eine Marschrichtung, die auch die Bürgervereinigung Dichterviertel anpeilt. Die CDU-Fraktion des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Ginnheim, Eschersheim) stellte einen Antrag, in dem sie den Magistrat auffordert, die Gaslaternen in die Denkmalliste aufzunehmen. Der Antrag wurde mehrheitlich angenommen. Die Stadt Frankfurt hat sich dazu noch nicht geäußert.

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