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Documenta Kunstfreunde strömen nach Kassel

Die Documenta feiert Halbzeit mit einem neuen Besucherrekord. Es gibt aber auch Kritik. Die stört die Macher allerdings wenig.

30.07.2017 18:33
documenta 14
„The Parthenon of Books“ von der Künstlerin Marta Minujin und das Fridericianum in Kassel. Foto: Swen Pförtner (dpa)

Manchmal ist Kunst wie Fußball: Am Ende stimmt das Ergebnis, aber gute Kritiken gibt es nicht. So ergeht es der Documenta, der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Die 100-Tage-Schau feiert Halbzeit in Kassel und steuert auf einen Besucherrekord zu. Doch in den vergangenen Wochen mehrte sich die Kritik. Die Ausstellung sei „missraten“ und „enttäuschend“, urteilten Medien.

In Kassel ist davon wenig zu spüren: Lange Menschenschlangen auf dem Friedrichsplatz, dem Herz der Documenta, gehören fest zum Stadtbild. Die Stimmung unter den meisten Besuchern ist gut. Selbst mehrere Tage Dauerregen schadeten der Ausstellung kaum. In den Ausstellungsgebäuden sei es umso voller gewesen, berichtet die Polizei, die mit einer eigenen Wache bei der Kunstausstellung vor Ort ist.

Die Zwischenbilanz der Documenta-Macher bestätigt den Eindruck. 445 000 Besucher seien bisher gekommen, 17 Prozent mehr als bei der Halbzeit der vergangenen Documenta im Jahr 2012. „Sehr zufrieden können wir auf den bisherigen Verlauf der Documenta 14 in Athen und Kassel zurückblicken“, erklärte Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der Documenta. Als Künstlerischer Leiter sei er stolz auf das, was man bislang erreicht habe, erklärte auch Kurator Adam Szymczyk.

„Die Leute scheinen zu kommen trotz massiver negativer Kritik“, sagt der Kasseler Kunstwissenschaftler Harald Kimpel. Der 67-Jährige ist langjähriger Beobachter der Ausstellung und hat über die Documenta-Geschichte promoviert. „Man kann fast sagen: Der Ruf kann der Documenta egal sein“, erklärt er.

Ausstellung zeitversetzt in Athen

Kimpel fasst die Ausstellung unter den Begriffen „radikale Entortung, Entzeitlichung und Entkunstung“ zusammen: Weil die Ausstellung auch zeitversetzt in Athen stattfand, löse sie sich von ihrer Geburtsstadt Kassel und hebe die traditionelle Dauer von 100 Tagen auf. „Und um Kunst im eigentlichen Sinn geht es nur zu geringen Teilen.“ Es handele sich um eine „Mitleidsdocumenta“, bei der einem „die Traumata von Menschen aus aller Welt kommentarlos vor die Füße geworfen werden“, sagt der Kunstwissenschaftler und spricht sogar vom „Ende der Documenta“.

Abseits der Kunst sind die Reaktionen sehr positiv: Der Stadt Kassel bringt die Ausstellung viele Tausende Besucher in die städtischen Museen, die auch Documenta-Standorte sind. Der neue Kasseler Campingplatz war im Juli fast ausgebucht. „Die Stadt ist belebt, von internationaler Atmosphäre und Gästen geprägt; viele Menschen besuchen die Ausstellung und die Gastronomie“, sagt Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp. Man sei zufrieden.

Auch die Documenta-Wache der Polizei zieht eine durchweg gute Bilanz ohne größere Zwischenfälle. Lars Viereck, Leiter der Documenta-Wache, lobt die Organisatoren: Sie hätten beispielsweise eine detailliertere Documenta-Karte herausgebracht. Zum Start der Documenta hatten noch viele verirrte Besucher Hilfe gesucht.

Was der Documenta bisher noch fehlt, ist ein Weltstar als Besucher. Schauspieler Brad Pitt versetzte 2012 Kassel in Aufregung, als er auf der Documenta auftauchte.

Trotz aller Kritik ist auch Kunstwissenschaftler Kimpel zur Halbzeit klar, dass es mit der Documenta weitergeht. Die Ausstellung habe seit den 60er-Jahren alle „Todesanzeigen und Nachrufe“ auf sich problemlos überstanden.  (dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Documenta 14

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