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Documenta 13 Was von der Documenta bleibt

Mit einem Besucherrekord geht am Sonntag die Documenta in Kassel zu Ende. Doch einiges bleibt in der Stadt: Drei neue Kunstwerke sind Kassel sicher.

Der Bronzebaum muss verschwinden. Die Kasseler lieben ihn.

Wie lang wird der Bronze-Baum von Giuseppe Penone noch bleiben? Wie lang werden die Hügel des „Doing-Nothing-Garden“ mitten auf der Karlswiese zu sehen sein? Und wann ist der Auepark bar aller Holzhäuschen – außer jenen für die Schwäne? Die Documenta 13 ist seit gestern zu Ende und Kassel muss sich von ziemlich viel Kunst verabschieden – doch nicht von aller, die die Schau bot. Für drei Arbeiten zum Beispiel steht längst fest, dass sie in Kassel bleiben, weil die Stadt sie kaufen wird: Das Werk „Alter Bahnhof Video Walk“ von Janet Cardiff & George Bures Miller gehört dazu; außerdem Marc Dions „Xylothek“ und Clemens von Wedemeyers „Muster“.

Rund 260.000 Euro gibt die Kommune für die drei Arbeiten aus. Insgesamt stehen für dieses Jahr rund 585.000 Euro zum Ankauf von aktueller Documenta-Kunst zur Verfügung: Die Stadt hat – über ihre vertraglichen Verpflichtungen für ihre Kunstsammlung hinaus – Geld angespart und kann deshalb insgesamt rund 385.000 Euro ausgeben. Das Land Hessen stellt auch Mittel zur Verfügung: 200.000 Euro kommen aus Wiesbaden.

Die Ankaufkommission unter dem Vorsitz von Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) hat auch schon empfohlen, wofür das noch verbleibende Geld investiert werden soll: Für einen Teil der aus Stein gemeißelten Bücher und die Hauptvitrine aus Michael Rakowitzs Installation im Fridericianum. Des Weiteren für den Film „Secretion“ des irischen Künstlers Willie Doherty, in dem es um Landschaft und die ihr eingeschriebene Geschichte geht. In Nordhessen bleiben soll außerdem eine Serie von Drucken aus dem Projekt „Scratching On Things I Could Disavow (An Dingen kratzen, die ich leugnen könnte)“. Darin setzt sich der Libanese Walid Raad mit der Geschichte der Kunst in der arabischen Welt auseinander. Und schließlich ist noch Geld übrig für drei Masken der Künstlerin Judith Hopf, die im sogenannten „Brain (Gehirn)“ der Documenta 13 zu sehen waren.

Geld für Ankäufe fehlt

Der Kasseler Magistrat muss dem Ganzen noch zustimmen. Gekauft werden sollen sämtliche Werke für die Neue Galerie, die dem Land Hessen gehört. Sie beherbergt aber auch die Kunstsammlung der Stadt. Ein Vertrag aus dem Jahr 2009 regelt die Zusammenarbeit. Dorothee Gerkens, die im Frühjahr die Leitung der Galerie übernommen hat, hatte der Ankaufkommission die Werke empfohlen. Sie seien gleichermaßen repräsentativ für die Documenta 13 und gut in die Sammlung integrierbar, sagt sie.

In der Stadt heiß diskutiert wurde auch der Verbleib von „Idee di pietra“ – Penones eindrucksvoller Bronze-Baum. Auch in der Ankaufkommission sei es um das „Lieblingskunstwerk der Kasseler“ gegangen, hatte Oberbürgermeister Hilgen nach der entscheidenden Sitzung erklärt. Die Skulptur steht bereits seit Juni 2010 in der Karlsaue. Sie sollte die Vorfreude auf die Documenta wecken. Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev nannte sie damals ein „kleines Geschenk an die Bürger Kassels für diese Zeit“.

Um das Geschenk auf Zeit zu einem Besitz auf Dauer zu machen, fehlt aber das Geld. Das Werk sei „den Kasselern ans Herz gewachsen, und es wäre schmerzlich, wenn der Penone-Baum Kassel wieder verlassen müsste“, hat Rathauschef Hilgen gesagt. Doch die finanziellen Möglichkeiten, mit denen es die Ankäufer zu tun haben, reichten dafür einfach nicht aus – und seien auch nicht für Außenkunstwerke vorgesehen.

In der Vergangenheit wurden Publikumslieblinge früherer Documenta-Jahre mit Hilfe privater Spenden für Kassel gesichert. Der „Himmelsstürmer“ etwa. Der musste den Standort wechseln. Beim Penone-Baum wäre das wohl nicht anders. Andere Werke wurden gekauft – bleiben die meiste Zeit aber im Depot. Offenbar soll es dem „Dream“-Boot von Bode-Preisträger Romuald Hazoumé so gehen. Die raumgreifende Installation, die aus einem riesigen Foto einer afrikanischen Insel und einem langgestreckten Boot aus Benzinkanistern besteht, wurde auf der Documenta 12 gezeigt. Es geht um Bootsflüchtlinge. Ein Text gehört dazu: „Verdammt wenn sie gehen. Verdammt wenn sie bleiben. Besser wenigstens gegangen zu sein und zu scheitern im Boot der Träume.“ Als die Neue Galerie im November 2011 nach einer knapp 25-Millionen-Euro-Renovierung wieder eröffnet wurde, zierte „Dream“ den Flyer.

Doch im Januar hieß es dann, die Installation sei nur in einer Sonderschau gezeigt worden. Als die Galerie für die Documenta 13 räumte, wurde die Arbeit wieder eingelagert– und soll es bleiben, bis sie wieder einmal in eine Sonderschau passt. Es gebe nur den einen Raum im Untergeschoss, in der die Arbeit überhaupt Platz habe, erklärt Galerie-Leiterin Gerkens. Dieser Platz sei aber auch der, der für Wechselausstellungen vorgesehen sei. Leider könne man das Boot deshalb nicht permanent zeigen. „Natürlich hätte man immer gern mehr Platz“, sagt sie. Aber auch andere Museen hätten viele Arbeiten im Depot.

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