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Diskriminierung in Hessen Beratung gegen Ausgrenzung

Ob Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sexuelle Orientierung, immer noch werden Menschen herabgewürdigt. Die hessische Antidiskriminierungsstelle Adibe zieht dennoch nach einem Jahr eine positive Bilanz

Diskriminierung in Hessen
Diskriminierung kann viele treffen. (Symbolbild) Foto: Imago

Rund ein Jahr nach dem Start des hessenweiten Antidiskriminierungsnetzwerks Adibe haben die Verantwortlichen ein positives Fazit gezogen und die Relevanz der geleisteten Arbeit betont. „Aus meiner Sicht ist das ein großer Gewinn für Hessen“, sagte Kai Klose (Grüne), Staatssekretär für Integration und Antidiskriminierung im hessischen Sozialministerium, bei einer Pressekonferenz in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt. Adibe berate und unterstütze als „zusätzliches Netzwerk“ der Zivilgesellschaft neben der Antidiskriminerungsstelle des Landes Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion oder sexuellen Orientierung benachteiligt würden, sagte Klose. Der Bedarf nach Beratung sei groß, denn Diskriminierung könne nach wie vor viele treffen: „Menschen, die anders aussehen, die anders glauben, die anders lieben, werden ausgegrenzt.“

Da staatliche Stellen immer streng neutral arbeiten müssten und sich nicht jeder Ratsuchende gleich an ein Ministerium wenden wolle, sei er froh, dass es mit Adibe auch ein parteiisches und niedrigschwelliges Beratungsangebot gebe, sagte Klose. Das Netzwerk, das von der Bildungsstätte Anne Frank und der Marburger Rechte behinderter Menschen gGmbH (RMB) angeschoben wurde und derzeit von 17 Vereinen und Verbänden getragen wird, sei hessenweit vertreten und leiste gerade auch psychosoziale Beratung, „die ein Ministerium nicht leisten kann“.

66 000 Euro Förderung

Das Netzwerk Adibe wird im laufenden Jahr mit 66 000 Euro aus dem Sozialetat des Landes Hessen unterstützt. Diese Summe decke die Arbeit leider nur zum Teil ab, sagte Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank. Mit dem Geld werde vor allem die Stelle der Koordinatorin und eines Juristen in Teilzeit bezahlt. In das Netzwerk fließe ansonsten viel ehrenamtliche Arbeit und Beratung auf niedriger Honorarbasis von den Trägerverbänden ein. Ob das Netzwerk in Zukunft mehr Geld bekommen werde, wollte Staatssekretär Klose mit Verweis auf laufende Haushaltsberatungen nicht sagen. Er betonte aber, dass er die Arbeit des Netzwerks politisch für sehr relevant halte. „Antidiskriminierungs-Politik ist Menschenrechtspolitik.“

Meron Mendel sagte, Ausgangspunkt für die Konzeption von Adibe sei die Beratungsstelle „Response“ für Opfer von rassistischer und rechtsextremer Gewalt gewesen, die es seit Anfang vergangenen Jahres in der Bildungsstätte gibt. „Die Arbeit hat uns gezeigt, dass rassistische Gewalt nur ein Aspekt ist.“ Für Adibe habe man gezielt Partner gesucht, die sich mit der Diskriminierung von Muslimen, Menschen mit Behinderung oder Schwulen und Lesben befassten. „Rückblickend hat sich diese Entscheidung sehr gelohnt“, so Mendel. Derzeit sei man dabei, das Netzwerk vor allem in Nord- und Osthessen auszubauen und Mitarbeiter weiterzubilden.

Hoffen auf Musterklagen

Michael Richter, Geschäftsführer von RMB, sagte, sein Unternehmen sei schon zuvor lange gegen Diskriminierung von Menschen mit Behinderung tätig gewesen. Bisher habe man Betroffene aber   vor allem juristisch beraten, über Adibe habe man nun viel über die Bedeutung von psychosozialer Beratung gelernt. „Es hat sich gezeigt, dass das der Impuls war, den wir brauchten“, so Richter. Bislang sei noch kein Beratungsfall von Adibe vor Gericht gelandet, sagte Richter. Oft habe man gütliche Einigungen erzielen können. Er hoffe aber noch auf Musterprozesse „in ganz extremen Fällen“. Das Thema Diskriminierung sei in vielen Bereichen noch nicht wirklich gerichtlich behandelt worden, es gebe wenig Präzedenzfälle.

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