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Detroit Gary Wiggins Diplomat am Saxophon

Der Musiker ist auf friedlicher Mission und spielt Jazz im Palmengarten.

Ray
Der Musiker ist auf friedlicher Mission und spielt Jazz im Palmengarten. Foto: privat

Amerika, du hast es besser", schwärmte 1827 der große Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Ob er dabei auch an Musik dachte, ist nicht überliefert. Könnte aber sein. Zumindest, was Jazz-, Blues- und Soulmusik angeht, wäre das Leben in Europa ohne afroamerikanische Klänge um einiges ärmer. Das lässt sich trefflich am Donnerstag, 31. Juli, beim Konzert "Blues im Palmengarten" bewundern. Einer der Stargäste: Detroit Gary Wiggins.

Jene Stadt des Automobils, Detroit, war in den 50er und 60er Jahren Zentrum der "Black Music". Die dort ansässige Plattenfirma Motown Records (Arbeitgeber von Marvin Gaye, Stevie Wonder, Diana Ross & The Supremes) hat der Welt unzählige Hits beschert. Noch heute bringt Musik aus Detroit jede Party auf Touren. Wenn der Künstler auch noch die Stadt an der nordamerikanischen Seenplatte im Namen trägt, kann ja nichts mehr schief gehen.

Zumal Wiggins außer einem tollen Titel noch mehr zu bieten hat. Der 55-Jährige spielt atemberaubend Saxophon. Ob Blues, Jazz oder Rock, Wiggins hat für jeden Stil das passende Röhren. Sein Motto: "Bleib' dir selbst treu, aber sei flexibel. Du musst dich dem Publikum und der Umgebung anpassen können." So hat er mit den Großen der Branche zusammen arbeiten können, mit Screaming Jay Hawkins oder dem hierzulande eher bekannteren Bobby Mc Ferrin.

1983 hat Wiggins seine Flexibilität noch eindrucksvoller unter Beweis gestellt. Er ist nach Europa gezogen. Besonders die Eleganz Frankreichs und das Understatement Deutschlands hätten es ihm angetan, sagt er. Verständigungsschwierigkeiten habe er keine. "Musik dringt an Orte vor, die von Worten niemals erreicht werden können." Gerade das Tenor-Saxophon komme klanglich der menschlichen Stimme sehr nahe. "Manchmal ist das Saxophon besser zu verstehen als Gelesenes oder Gesprochenes."

Allein unter Professoren

Heute müsste er sich eigentlich "Berlin Gary Wiggins" nennen. Denn dort ist er mittlerweile zu Hause. Auf "Detroit" möchte er aber nicht verzichten. Denn Wiggins ist nicht einfach "nur" ein wandernder Musikant - er hat eine Mission. Er möchte über den kulturellen Austausch zu mehr Frieden und Verständigung in der Welt beitragen. "Ich bin froh, dass ich einen kleinen Teil amerikanischer Kultur mit meinem globalen Publikum teilen kann."

Wiggins sagt das nicht einfach so daher. Er hat sein Engagement institutionalisiert. Der Musiker sitzt zwischen Professoren und Direktoren im Beirat des "Institute for Cultural Diplomacy", das, beheimatet in New York und Berlin, gangbare Modelle für kulturelle Diplomatie finden will.

Bei Blues im Palmengarten tritt Wiggins nun zum interkulturellen Austausch in Frankfurt an - mit dem hiesigen Gitarristen Andreas Schmid-Martelle und der Blues-Sängerin Angela Brown. Die lebt sonst in Osnabrück. Goethe hatte also unrecht. Deutschland hat es Dank der Musik-Diplomatie nicht schlechter als Amerika.

"Chicago - Detroit - Frankfurt Big City Blues", Donnerstag, 31. Juli, 19.30 Uhr im Musikpavillon, Eintritt zehn Euro.

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