Lade Inhalte...

Deniz Yücel Flörsheim kämpft für Deniz Yücel

Deniz Yücel sitzt seit Mitte Februar im Gefängnis bei Istanbul. In seiner Heimatstadt Flörsheim gibt es regelmäßig Mahnwachen für den Journalisten.

Deniz Yücel
Mehr als 70 Menschen kamen zur fünften Mahnwache für den in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel nach Flörsheim. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Auch fünf Monate, nachdem der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel in Istanbul festgenommen wurde, gibt es keine Anklageschrift und keinen Prozess. Der 43-Jährige gebürtige Flörsheimer, der zuletzt als Reporter der Zeitung „Die Welt“ arbeitete, sitzt in Isolationshaft. Nur einmal pro Woche darf er Besuch empfangen – von seinen Anwälten und von seiner Familie. Das Erdogan-Regime wirft ihm Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Spionage vor. Wie es für ihn weitergeht, ist ungewiss.

Seit Deniz Yücel in der Türkei in Haft ist, organisiert die Stadt Flörsheim an jedem 14. des Monats eine Mahnwache. Am gestrigen Freitag kamen mehr als 70 Menschen zum Platz vor der Stadthalle, darunter, wie immer, einige Freunde von früher, als Deniz Yücel in Flörsheim und in Rüsselsheim zur Schule ging und seine Schwester Ilkay Yücel.

Die Mahnwachen für Yücel seien nach fünf Monaten zur Tradition geworden – „einer Tradition, die wir so aber alle gar nicht wollen“, sagte Flörsheims Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD). „Wir stehen hier, damit Deniz Yücel sein Recht auf freie Meinungsäußerung, das Recht auf Pressefreiheit bekommt, dass er mit seiner Familie und mit seiner Frau in Freiheit leben und seinem Beruf nachgehen kann.“ Nachdem beim G20-Gipfel in Hamburg mehr als 30 Journalisten nachträglich die Akkreditierung entzogen wurde, ohne dass das Bundesinnenministerium bisher dafür eine plausible Erklärung habe liefern können, sei dies besonders wichtig.

Journalisten sollten bei den Flörsheimer Mahnwachen für den inhaftierten Welt-Reporter die Möglichkeit bekommen, eigene Texte zu verlesen, kündigte Antenbrink an. Den Anfang machte am gestrigen Abend der Ressortleiter für Frankfurt und Rhein-Main der Frankfurter Rundschau, Stefan Kuhn. Kuhn erinnerte daran, dass mehr als 160 Journalisten in der Türkei inhaftiert seien. „Ihr einziges Verbrechen ist: Sie sind Journalisten.“ Eine freie Presse, die die Welt in Wort und Bild beschreibe, analysiere und erkläre, gebe es in der Türkei nicht. Auch wenn Staatspräsident Erdogan dies gebetsmühlenartig immer wieder beteuere und Pressefreiheit in der türkischen Verfassung zugesichert werde.

Kuhn berichtete von einer Aktion der Journalistenverbände, bei der Redakteure deutscher Medien Patenschaften für inhaftierte türkische Kollegen übernehmen und ihnen Briefe ins Gefängnis schreiben. Auch die FR beteilige sich daran.

Ihrem Mann Briefe zu schicken, dazu hatte auch Yücels Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel unlängst aufgerufen. Sie sollten allerdings auf Türkisch verfasst sein, damit sie ihn auch tatsächlich im Gefängnis erreichen. Deniz Yücels Schwester Ilkay berichtete im Gespräch mit der FR, sie habe ihrem Bruder ein Buch geschickt, ihre Töchter hätten dem Onkel Grüße in Deutsch hineingeschrieben. Die Seiten seien jedoch herausgerissen worden. Womöglich verstehe die Kommission die die Sendungen überprüfte, die Sprache nicht. Die Zeitung „Die Welt“ bietet an, Briefe an Deniz Yücel ins Türkische übersetzen zu lassen. E-Mail: schreibdeniz@weltn24.de.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Deniz Yücel

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum