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Demonstration Gegen den Gesamtlärm

Flugzeuge, Bahnen, Autos - in Mainz demonstrieren rund 4500 Menschen gegen (fast) alles, was in der Nähe von Großstädten Lärm macht.

Rund 4500 Demonstranten fordern in Mainz, dass die Politik endlich was tut gegen den Lärm. Foto: dpa

Pünktlich zur großen „Demo gegen Lärm“ röhrt am Samstagmittag über Mainz ein alter Flieger. Den Krach der laut Veranstalter rund 4500 Demonstranten, die sich vor dem Mainzer Hauptbahnhof eingefunden hatten, konnte das Flugzeug allerdings nicht übertreffen.

Den Tag des Lärms am 24. April hatten die Fluglärm- und Bahnlärminitiativen der Region zum Anlass genommen, um am Samstag zum ersten Mal gemeinsam gegen die Belastungen durch Verkehrslärm – auch den von Autos – zu demonstrieren. Trotz Regen wurde ohne Unterlass getrommelt, gerasselt und gepfiffen. Schilder mit Ortsbezeichnungen wie „Frankfurt-Niederrad“, „Nieder-Olm“ und „Offenbach“ wurden in die Höhe gereckt.

Lärm ist Lärm

„Gemeinsam sind wir noch stärker und gemeinsam werden wir den Lärm aus unseren Heimatregionen vertreiben“, rief Frank Gross, Sprecher des Bürgernetzwerks Pro Rheintal, den versammelten Demonstranten entgegen. Dafür erntete er kräftigen Applaus. Mit dem vor ein paar Monaten gegründeten Aktionsbündnis Verkehrslärm will man den Lärmgegnern eine gemeinsame Lobby geben. Schließlich, so Gross, sei es egal, von woher der Krach komme: „Lärm ist Lärm“. Und dieser schädige die Gesundheit der Menschen.

Zustimmung kam von Ingrid Kopp, der Sprecherin des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen die Flughafenerweiterung (BBI): Gemeinsam werde man den „Druck auf die Politik“ erhöhen. Im Wahljahr 2013 sei man da in einer günstigen Situation. Dass trotz des miesen Wetters am Samstag 4500 Menschen nach Mainz gekommen sind, wertete Kopp als Riesenerfolg.

Bei Sonnenschein, so schätzte sie, „hätten wir auch die 10000 geknackt“. Zentrale Forderungen des BBI sind die Einhaltung des Nachtflugverbots sowie eine Reduzierung der Flugbewegungen von derzeit 482000 auf 380000 pro Jahr. Pro Rheintal fordert ebenfalls Nachtfahrverbote sowie eine Novellierung des Bundesimmissionsschutzgesetzes.

Mainzer OB demonstriert mit

Auch diverse Lokalpolitiker hatten sich am Samstag der „Demo gegen Lärm“ angeschlossen. Der prominenteste von ihnen dürfte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) gewesen sein. In einer kurzen Ansprache dankte er allen Demonstranten "für den langen Atem". Schließlich litten auch zahlreiche Mainzer unter dem Fluglärm. In der Region, so Ebling, müsse es leiser werden.

Einen anderen Aspekt brachte schließlich noch Emil Hädler vom Werkbund Mainz zum Ausdruck. Wenn in vier Jahren aufgrund eines neuen Eisenbahntunnels in der Schweiz der Güterverkehr zwischen Rotterdam und Genua zunehme, komme dem Eisenbahnknoten Mainz-Wiesbaden – die letzte Rheinquerung vor dem Mittelrheintal – eine „Schlüsselrolle für die Schleusung dieser Verkehre“ zu.

Deshalb benötige man hier eine stadtübergreifende regionale Agenda, die einen „städtebaulich verträglichen Lärmschutz“ im Blick habe und „nicht nur Blechwände“. Das sei auch deshalb von Bedeutung, da am Wasser, wo der Schall am weitesten getragen wird, in Mainz derzeit mit Zoll- und Winterhafen zwei große neue Wohngebiete entstehen.

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