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Demo in Wiesbaden Protest gegen Symposium zur Sexualerziehung

In Wiesbaden gibt es eine friedliche Kundgebung gegen ein rechtskonservatives Symposium zur Sexualerziehung.

Regenbogenpicknick
Die Regenbogenfahnen stehen für die Vielfalt, für die die Picknickteilnehmer auf dem Wiesbadener Bowling Green eintreten. Foto: Monika Müller

Der neue hessische Lehrplan für Sexualerziehung treibt das „Aktionsbündnis für Ehe und Familie – Demo für Alle“ weiter um. Die Aktivisten um Hedwig von Beverfoerde demonstrierten bereits im Oktober unter dem Motto „Elternrechte achten! Indoktrinierende Sexualerziehung an Hessens Schulen sofort stoppen!“ in der Landeshauptstadt. Am Samstag haben sie unter großem Polizeischutz im Wiesbadener Kurhaus ein Symposium zum Thema „Sexualpädagogik der Vielfalt – Kritik einer herrschenden Lehre“ veranstaltet.

Das Publikum war fast durchweg im gesetzten bis fortgeschrittenen Alter. Die wenigen Teenager im Schlepptau ihrer Eltern und Großeltern schauten eher gelangweilt drein. Mag sein, dass ihnen die Aussicht wenig verlockend erschien, Vorträge zu Themen wie „Die Unantastbarkeit menschlicher Würde und ihre Gefährder“ oder „Missbrauchsprävention durch Sexualpädagogik der Vielfalt“ zu hören, während draußen endlich einmal wieder die Sonne schien.

Rund 400 Teilnehmer hatten sich laut Veranstalter zum Symposium angemeldet. Etwa ebenso viele Menschen protestierten mit einem Picknick auf dem Bowling Green vor dem Kurhaus friedlich dagegen. Das „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung“ hatte dazu aufgerufen. Unterstützt wurde es auch von Abgeordneten der Landtagsfraktionen von Grünen, Linken, SPD und FDP.

„Wir wollen das Kurhaus, ein Wahrzeichen der Stadt, nicht durch eine Veranstaltung des rechten und erzkonservativen Spektrums gebrandmarkt sehen“, sagte Manuel Wüst, Vorsitzender des initiierenden Vereins Warmes Wiesbaden. „Demo für Alle“ versuche, die Landeshauptstadt als Bühne zu nutzen, lautete auch die Einschätzung von Leonie. Wie viele Teilnehmer des Picknicks nannte die Wiesbadenerin aus Sicherheitsgründen nicht ihren vollen Namen. Die Veranstalter seien nicht so harmlos, wie sie sich gäben, berichtete die 28-Jährige, die sich schon lange mit rechtspopulistischen Bewegungen beschäftigt. „Demo für Alle hat nachgewiesenermaßen Kontakte zur Neonaziszene.“

Ein Familienvater hatte seine beiden Töchter im Kindergarten- und Vorschulalter zum Protest-Picknick mitgebracht. „Ich bin hier, weil ich meinen Kindern andere Werte mitgeben will als die, die beim Symposium vermittelt werden“, sagte der Wiesbadener. Er halte seine Kinder für aufgeklärter als die Veranstaltungsteilnehmer im Kurhaus mit ihrem „verfahrenen Weltbild“. In seinem Freundeskreis sei der neue Lehrplan überhaupt kein Thema.

Dessen Reform sei überfällig gewesen, fand eine Lehramtsstudentin. Er entspreche der Lebensrealität von vielen Schülerinnen und Schülern. „Sexualerziehung ist zur Information da, nicht um sie zu irgendetwas zu erziehen, was sie nicht wollen“, sagte die 25-Jährige Wiesbadenerin, die sich auch in der Jugendverbandsarbeit engagiert.

Der Vorwurf von „Demo für Alle“, durch den neuen Lehrplan würden Kinder „frühsexualisiert“, stimme nicht, stellte Nora Eisenbarth vom Landesverband Pro Familia Hessen klar. Es sei wichtig, Fragen der Kinder angemessen zu beantworten und Eltern zu unterstützen, wenn sich ihre Kinder als homo-, bi- oder transsexuell outeten. „Je mehr Information die Jugendlichen haben, desto besser sind sie geschützt, ihre eigene Sexualität zu finden und zu leben“, sagte Sexualmedizinerin Katharina Rohmert von Pro Familia Darmstadt. Unter dem Deckmäntelchen „ich schütze mein Kind“ werde ein konservativer Rollback versucht. Manuel Wüst forderte daher, die vielfältige, offene Gesellschaft weiter zu beschützen. „Für diese Werte müssen wir immer wieder auf die Straße gehen.“

Der Lehrplan für Sexualerziehung findet sich online unter: https://kultusministerium.  hessen.de/schule/bildungsstandards-kerncurricula-und-lehrplaene/lehrplaene.

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