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„Demo für alle“ Was Ehe ist, bestimmen wir

Bei der „Demo für alle“ haben die Referenten ein Untergangsszenario für das fundamental-katholische Lebensmodell dabei. Kinder werden in ein reaktionäres Weltbild gepresst - eine verdrehte Vorstellung von Mutterliebe. Unsere Analyse.

Kelsterbach
Polizisten vor dem „Congresium“ in Kelsterbach. Foto: Rolf Oeser

Um den Veranstaltungsort des Symposiums der „Demo für alle“ wurde ein Versteckspiel veranstaltet. War die Tagung im Vorfeld in Frankfurt angekündigt, erfuhren die angemeldeten Zuhörer*innen erst kurz vorher, dass die „Experten und Wissenschaftler“ ihre Vorträge im Niemandsland zwischen Kelsterbach und Raunheim halten würden. Da es scheinbar nötig sei, so die Frontfrau Hedwig von Beverfoerde, habe man „Kelsterbach kurzfristig eingemeindet“. Unter großem Polizeiaufgebot wurde denn auch das Congresium abgesperrt. Eine Gruppe von etwa 50 Protestlern hatte trotzdem den Weg dorthin gefunden, was der Ansprechpartner der Location, Tayfur Altintop, auf Facebook mit den Worten quittierte: „Die linken Ratten sind schon da.“

Keimzelle der Gesellschaft
Zur Begrüßung brachte von Beverfoerde die Zuhörer schon mal auf Temperatur. Für die Ehe zwischen Mann und Frau setze man sich ein; für die „Urzelle der Gemeinschaft, die die Familie ist“. Die solle nun gesellschaftspolitisch „aufgesprengt werden“; gar war vom „Kampf gegen Ehe und Familie“ durch die so verhasste „Genderideologie“ die Rede. „Wir sind tolerant, wir haben keinerlei Hass gegenüber homosexuellen Menschen. Aber das heißt nicht, dass sich deswegen jede Form Ehe nennen kann“, weshalb eine Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht angestrebt werde. Mit ihrer Wortwahl und Kampfrhetorik zeichnete Beverfoerde von Anfang an eine Gefahrensituation für das Vater-Mutter-Kind-Modell, das es gegen jedwede innergesellschaftliche Veränderungstendenzen zu verteidigen gelte. Diese Strategie sollte sich durch das Symposium ziehen.

Benedict sieht einen Verfassungsbruch – und auch wieder nicht
Besonders erbost Beverfoerde, dass die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wurde. Der Jurist Jörg Benedict, der als Experte im Rechtsausschuss des Bundestags zur Ehe für alle gehört wurde, sollte den Beweis erbringen, dass dies gegen die Verfassung geschehen sei. Einer der Knackpunkte ist laut Benedict, ob eine Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches ausreiche, um Artikel 6 des Grundgesetzes „umzuinterpretieren“. In Artikel 6 heißt es wörtlich: (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Um die Eheöffnung explizit zu machen, wurde der Gesetzestext §1353 BGB Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen mit von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts ergänzt.

Für Benedict rechtshistorischer Unfug, da der Ehebegriff von den Verfassungsgebern 1949 eindeutig als heterosexuelle Reproduktionsgemeinschaft angelegt gewesen sei. Um dies zu belegen, zitierte er unter anderem die Weimarer Reichsverfassung von 1919. Weiter führte er die naturgesetzliche Tradition der Ehe an, die die Probleme der Demografie zu lösen und gleichsam die sittliche Ordnung sicherzustellen habe. Selbst im römischen Reich, wo der Mann gerne auch mit jüngeren Knaben lustwandelte, habe die eheliche Bindung zur Frau aufgrund der Reproduktion nie zur Debatte gestanden.

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