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DB Bahn-Ersatzteile per 3D-Druck

Die DB revolutioniert die Instandhaltung: Der Konzern lässt Ersatzteile bei der Firma Kegelmann in Rodgau per 3D-Druck entstehen.

Rodgau. 3D-Druck, Fa. Kegelmann Technik. TAGESHONORAR
Stefanie Brickwede und Florens Lichte mit Teilen aus Metall und Kunststoff, die bei der Firma Kegelmann im 3D-Druck hergestellt werden. Foto: Renate Hoyer (Renate Hoyer)

Für den Laien haben ein kleines Lüftungsgitter und ein weißer Pulverkuchen nichts miteinander zu tun. Für die Deutsche Bahn (DB) aber schon: Das Lüftungsgitter ist ein Ersatzteil für den Führerstand einer Lok, das im 3D-Druck aus dem weißen Kuchen entstanden ist. Im Flachbett eines riesigen Druckers wird Schicht für Schicht das Kunststoffpulver aufgetragen, ein Hochleistungslaser erwärmt es an bestimmten Stellen und verschmilzt es so zu einem Bauteil. Die Bahn lässt immer mehr Ersatzteile – vor allem solche, die auf dem Markt nicht mehr erhältlich sind – bei der Kegelmann Technik GmbH in Rodgau im 3D-Druck produzieren.

Mit der Herstellung eines Mantelhakens, der nicht mehr verfügbar war, fing Ende 2015 die Zusammenarbeit zwischen der Rodgauer Firma und der Bahn an. Ersatzteil Nummer zwei war dann schon sehr viel komplexer: ein Klemmenkasten, der im Motorblock eines ICE sitzt und die Kabel schützt. Er ist aus Metall gedruckt.

Kegelmann hat viel Erfahrung im 3D-Druck: Vor 28 Jahren habe sein Onkel das Unternehmen „mit dem fünften 3D-Drucker in ganz Deutschland“ gegründet, erzählt Geschäftsführer Kai Kegelmann. Mittlerweile gibt es weltweit 20 verschiedene Technologien. Nichts scheint mehr unmöglich: Haut, Nieren, Brillanten, Gold, Silber, Edelstahl, Glas, Keramik, Titan und Sand können verarbeitet werden.

1000 Ersatzteile hat die Bahn im Vorjahr bei Kegelmann drucken lassen. Sie haben die Belastungsprobe bestanden, können sogar damit punkten, dass sie an besonders störanfälligen Stellen vorab optimiert werden können. Deshalb sind in diesem Jahr 2000 Teile in Auftrag gegeben, und für das nächste Jahr hat man sich 15 000 vorgenommen, berichtet Stefanie Brickwede, Leiterin 3D-Druck bei der DB.

Die Technologie – oft auch als additive Fertigung bezeichnet – hat für die Bahn große Vorteile: schneller, flexibler und günstiger. 24 bis 70 Stunden dauert es vom Pulver bis zum fertigen Bauteil. „Im herkömmlichen Herstellungsverfahren warten wir auf Ersatzteile bis zu zwei Jahre“, sagt Brickwede.

Sie hält ein großes Türschloss aus Messing in der Hand. „Die Führungshülsen brechen hier oft ab“, sagt sie und zeigt auf kleine rote Plastikkappen. Statt wie bisher das ganze Schloss wegzuschmeißen, werden jetzt die Führungshülsen nachgedruckt. „Ein Euro statt 100 Euro“, sagt Florens Lichte, Leiter Konzernprojekt 3D-Druck.

Auch die Lagerhaltung kann verkleinert werden. Jährlich lege die Bahn Teile im Wert von 600 Millionen Euro allein für die Fahrzeuge auf Lager, sagt Brickwede. Der 3D-Druck werde dazu führen, dass weniger Güter transportiert werden müssen. DB Schenker, die Logistiksparte der Bahn, untersuche, wie in großen Materiallagern 3D-Drucker eingesetzt werden können, um Ersatzteile für die Kunden vor Ort auszudrucken.

„3D-Druck kann die Pünktlichkeit der Bahn verbessern, weil die Züge schneller wieder auf die Schiene kommen“, erklärt Brickwede. Die werkzeuglose Fertigung mache für den Konzern aber nicht nur bei der Ersatzteilherstellung Sinn, sondern auch bei der Individualisierung. Kleine Serienmengen seien problemlos möglich. Zum Beweis hält Brickwede ein Handlaufschild hoch. Das Metallrohr weist an den Treppen den Weg, kann in lateinischer und in Braille-Schrift mit Infos zu Gleisen oder mit Straßennamen bestückt werden.

Allerdings hat der 3D-Druck auch seine Grenzen: „Bei Gewinden und Verschraubungen brauchen wir die konventionelle Technologie“, sagt Kai Kegelmann.

Im September 2016 hat die DB ein „Netzwerk für die Förderung der additiven Fertigung im Mobilitätssektor“ gegründet. In der Vorwoche konnte schon das 50. Unternehmen als Mitglied begrüßt werden. „Wir treffen den Nerv, das Thema treibt gerade alle um.“ Übrigens auch die Flugzeugbauer. Sie wollen per 3D-Druck das Gewicht von Teilen reduzieren.

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