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Darmstadt Mahnmal wieder zurückgekehrt

Der Glaskubus stand seit 2014 wegen Bauarbeiten an der Bismarckstraße auf dem Gelände der Jüdischen Gemeinde Darmstadt.

Denkzeichen Güterbahnhof in Darmstadt
Das „Denkzeichen Güterbahnhof“ lagert in Darmstadt auf dem Rest einer Eisenbahnschiene – als Symbol für die Reise in den Tod. rolf oeser Foto: Rolf Oeser (Rolf Oeser)

Das „Denkzeichen Güterbahnhof“ steht wieder an seinem ursprünglichen Standort an der Einmündung der Kirschenallee in die Bismarckstraße. Das Mahnmal erinnert an die Deportation von rund 3000 jüdischen Bürgern und 600 Sinti und Roma während des Nationalsozialismus. Wegen der Bauarbeiten an der Bismarckstraße musste der Glaskubus, in dem Scherben zu sehen sind, auf denen die Namen von 600 Menschen eingraviert sind, vor drei Jahren vorübergehend seinen Standort wechseln. Das 2004 errichtete Mahnmal stand seither auf dem Gelände der Jüdischen Gemeinde an der Wilhelm-Glässing-Straße.

Die Juden, Sinti und Roma waren in den Jahren 1942 und 1943 vom Darmstädter Güterbahnhof in Viehwagen in die Konzentrations- und Todeslager der Nazis deportiert worden. Das „Denkzeichen Güterbahnhof“ wieder an dem Ort aufzustellen, für den es die Künstler Ritula Fränkel und Nicholas Morris konzipiert hätten, sei „eine bewusste Entscheidung der Stadt Darmstadt“, teilte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) mit.

Die Gedenkstätte sei „Teil des kulturellen Gedächtnisses“ der Stadt und drücke das Bekenntnis aus, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen. Die Wiederaufstellung sei „ein Signal an die Stadtgesellschaft, vor Intoleranz und Rassismus nicht zurückzuweichen“, so Partsch.

Seit 2002 hatte sich die „Initiative Denkzeichen Güterbahnhof“ für ein Mahnmal am Ausgangsort der Deportation engagiert, das dann zwei Jahre später mit Unterstützung der Stadt errichtet wurde. Fränkel und Morris entwarfen einen Glaskubus, in dem zahllose Scherben mit eingravierten Namen an die Opfer des Verbrechens erinnern. Der Kubus lagert auf dem Rest einer Schiene – als Symbol für die Reise in den Tod.

2006 wurde das Mahnmal dann von Hooligans stark beschädigt. Zwar entschieden die Künstler, die Spuren des Vandalismus zu belassen, doch weil einsickerndes Wasser zu weiteren Schäden führte, musste der Kubus 2012 komplett erneuert werden. 2013 wurde eine Seite des Kubus abermals durch Vandalismus in Mitleidenschaft gezogen. Diese Spuren sind, entsprechend dem Wunsch der Künstler, nicht beseitigt worden.

Wegen der monatelangen Bauarbeiten an der Bismarckstraße befürchtete die Stadt, dass durch die Erschütterungen der Baustellenfahrzeuge das Mahnmal weiter beschädigt werden könnte. Der 9000 Euro teure Transport zum Jüdischen Gemeindezentrum und die Rückkehr wurden nach Angaben der Stadt in das Straßenbauprojekt einkalkuliert. Dass das Denkzeichen nun wieder am historischen Ort der Deportation stehe, soll Partsch zufolge „das Bewusstsein wachhalten, welches Ausmaß an Gewalt den Menschen angetan worden ist“.

Am „Denkzeichen Güterbahnhof“ beginnt am Sonntag, 5. März, um 14 Uhr eine öffentliche Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die im März 1943 aus Darmstadt deportierten Sinti und Roma. Veranstalter sind die Stadt Darmstadt, der Landesverband Sinti und Roma, die Jüdische Gemeinde Darmstadt sowie die Initiative Denkzeichen Güterbahnhof, www.denkzeichen-gueterbahnhof.de.

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