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Darmstadt Funkmast stört Anwohner

Bürger protestieren in Darmstadt gegen einen neuen Funksendemast in ihrem Wohnviertel. Sie sorgen sich um ihre Gesundheit. Auch die Baudezernentin ist entsetzt.

Protest in Darmstadt
Der Funkmast ist von weitem sichtbar. Im Hintergrund der Kirchturm von Sankt Elisabeth, ebenfalls mit Sender bestückt. Foto: T. Heuser

Sie fühlen sich entmündigt und sind wütend: Die Bewohner des Darmstädter Martinsviertels blicken mit Grausen auf einen neuen, weithin sichtbaren, Funksendemast in der Gardistendtraße 21. In der mit Pflastersteinen gedeckten Gasse stehen mehrere denkmalgeschützte Häuser, teilweise 250 Jahre alt. Für Darmstadt, das im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört wurde, sind solche Ecken eine Rarität. „Privatleute dürfen nicht mal die Fensterläden anders anstreichen“, sagt Anwohnerin Tanja Heuser. „Und jetzt dominiert diese Anlage das gesamte Bild.“ Davon abgesehen sorgen sich die Anwohner um ihre Gesundheit. Von ihnen angeregte Messungen über die Strahlungsintensität stünden aber noch aus.

Der fast zehn Meter hohe Mast wurde in den Sommerferien installiert. Ohne Information der Anwohner, wie Heuser kritisiert. Das regt die Bürger besonders auf. Zwar steht bereits seit Jahren an gleicher Stelle ein niedriger Mast, mit weniger Sendern ausgestattet. Aber der störte keinen, weil er unauffälliger war. Im Zuge des Netz-Ausbaus wurde nun „die vorhandene Technik durch leistungsfähigere LTE-Technik ersetzt“, wie die Telekom auf Anfrage bestätigt.

Auch Baudezernentin Barbara Boczek (Grüne) „nahm mit Entsetzen die Dimension dieser Mobilfunkanlage wahr“, wie es in der Antwort auf eine Anfrage der Bürgerinitiative heißt. Der FR sagte Boczek, sie empfinde den Standort als „für das Stadtbild sehr unpassend.“ Die Bauaufsicht habe keine Möglichkeit gehabt, die Anlage abzulehnen, da diese unter zehn Metern Höhe nur anzeigungspflichtig sei. Sie wolle jedoch beim Denkmalschutz nachhaken. sagte Boczek Auch Gespräche über einen alternativen Standort mit der Telekom wolle sie anregen.

Netzbetreiber zeigt sich wenig kooperativ

Der Netzbetreiber zeigt sich wenig kooperativ: Der Standort sei 2004 mit der Stadt abgestimmt worden. „Er besitzt eine gültige Standortbescheinigung und hat nicht mehr an Technik aufgebaut als X-tausende andere Standorte in Deutschland“, teilte ein Sprecher mit. Ergo gebe es keinen Grund, einen alternativen Standort zu suchen. Bei einem Treffen von 40 Bürgern und Telekom brachte der Pfarrer der Gemeeinde Manfred Werner den Turm der Michaelskirche als Alternative ins Gespräch. Hier könnte der Funkmast in 35 Metern Höhe eingehaust sein. Doch darauf sei der Telekomvertreter nicht eingegangen, sagt Pfarrer Werner, der sich um den Frieden im Watzeviertel sorgt.

Der Besitzer des Mietshauses, der die Fläche an die Telekom verpachtet hat, sagte, seine Mieter hätten nie etwas beanstandet. Ob die Strahlung gefährlich sei, wisse er nicht. Aber er gehe davon aus, dass alles im rechtlichen Rahmen sei und die Grenzwerte eingehalten würden. Hier setzt der Protest der BI an: Sie fragt: Warum sind die Grenzwerte in Deutschland teilweise sechsmal höher als in anderen Ländern?

Infos: g21-darmstadt.jimdo.com

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