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Darmstadt Besser im Magen als in der Tonne

Die Lebensmittel-Verteilung der Aktion Foodsharing läuft noch bis Samstag an sieben Standorten im Stadtgebiet. Auch Bedürftige ohne Berechtigungsschein erhalten dort Waren.

Im Jugendhaus Hütte in der Kiesstraße werden die Lebensmittel sortiert. Foto: Monika Müller

Eine kleine dunkle Stelle ist am Romanesco zu sehen. „Die kann man doch wegschneiden, dann ist der noch problemlos zu essen“, sagt Nina Hofferberth und legt den Kohlkopf zurück in die Kiste. Hofferberth arbeitet im Jugendhaus Hütte des Evangelischen Dekanats. Der Saal im Erdgeschoss des Jugendhauses ist noch bis Silvester zur Lebensmittelausgabe der Aktion Foodsharing umfunktioniert: Auf Tischen sind Kisten mit Gemüse, Obst und Backwaren aufgereiht. „Das wäre alles im Müll gelandet, obwohl es noch essbar ist“, sagt Hofferberth.

Das Jugendhaus beteiligt sich in diesem Jahr erstmals an der Foodsharing-Initiative, die von Heiligabend bis Silvester Lebensmittel verteilt, die in Supermärkten nicht verkauft wurden. „Wir haben aber schon seit zwei Jahren Kontakt mit der Aktion Foodsharing“, sagt Susanne Oppitz vom Jugendhaus. Immer donnerstags erhält das Jugendhaus Lebensmittel von der Initiative, gemeinsam mit den Jugendlichen wird dann freitags daraus ein Essen gekocht.

Ab kommendem Jahr möchte das Jugendhaus sich noch stärker an der Initiative beteiligen. „Wir werden an einem Wochentag einen ‚Fairteiler‘, eine Ausgabe für die Lebensmittel, einrichten“, sagt Oppitz. Die sechstägige Verteilaktion ist so etwas wie ein Probelauf dafür. Jeweils zwei Aktivisten von Foodsharing, die mit eigenen Ausweisen ausgestattet sind, holen bei verschiedenen Märkten mehrmals am Tag Lebensmittel ab. „Heiligabend haben wir rund 400 Kilo Lebensmittel verteilt“, sagt Oppitz.

Während bei den Lebensmittelausgaben der Tafel nur Bedürftige mit speziellen Berechtigungsscheinen Waren erhalten, darf an der Foodsharing-Aktion jeder teilnehmen. „Bei den Tafeln geht es darum, Bedürftigen zu helfen – uns geht es darum, dass die Lebensmittel nicht im Müll landen“, sagt Hofferberth und fügt mit einem Lächeln hinzu, dass man hier auch mit dem Porsche vorfahren könne, um Backwaren oder Obst abzuholen.

„Es ist erschreckend, wie viel jeden Tag weggeworfen würde“, sagt eine Besucherin beim Anblick der Kisten voller Brotlaibe und der sechs blauen Müllsäcke, alle bis zum Rand mit verschiedenen Brötchensorten gefüllt. Sie selbst beteiligt sich schon länger an der Foodsharing-Aktion und gibt auch selbst Lebensmittel ab, die sie zu viel hat. „Das läuft problemlos: Ich poste es einfach auf der Facebook-Seite von Foodsharing“, sagt sie. „Wir alle sollten mehr darauf achten, dass Lebensmittel nicht im Müll landen“, sagt eine andere Besucherin, „man kann ja auch selbst zu Hause schauen, was wann abläuft und dass man es dann vorher nutzt“, sagt sie. Im Magen seien die Lebensmittel besser aufgehoben als in der Mülltonne.

Beide Frauen nehmen etwas Brot mit, dann schauen sie sich die Gemüsekiste an. Eine nimmt einen etwas welk ausschauenden Salat heraus. „Wenn man den unten abschneidet und eine halbe Stunde in Wasser mit etwas Zucker und Salz legt, schaut der wieder top aus“, sagt sie. „In den Abfall gehört der noch nicht.“ Vom Brokkoli, der gelb geworden und eingefallen ist, möchte sie aber nichts nehmen. „Ich finde es aber sehr gut, dass die Supermärkte erlauben, dass die Waren abgeholt und kostenfrei weitergeben werden dürfen“, sagt sie.

Auch Jugendliche des Jugendhauses packen mit an und sortieren die Lebensmittel in verschiedene Kisten ein. „Wenn vom Brot noch etwas übrig bleibt, werden wir es zum Beispiel einem Bauernhof oder Reitstall geben, damit es verfüttert wird – wichtig ist, dass es nicht in der Mülltonne landet“, sagt Hofferberth mit einem Blick auf die prall gefüllten Körbe und Kisten voller Brot.

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